ERC-System: E-Flugzeug für den Transport von Klinikpatienten

ERC-System: Hybrid-eVTOL für Patiententransporte. 800 km Reichweite, effizienter als Hubschrauber. Serienreife bis 2031.

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Die Insolvenzen der Branchenpioniere Lilium und Volocopter haben den Hype um elektrische Flugtaxis ein wenig gedämpft und den Fokus auf wirtschaftlich tragfähige Nischen gelenkt. Das bayerische Start-up ERC System aus Ottobrunn (gegründet 2020, 60 Mitarbeiter) verfolgt mit seinem eVTOL Senkrechtstarter einen pragmatischen Ansatz und möchte gezielt den Patiententransport zwischen Kliniken bedienen. Mit dem erfolgreichen Testflug des Prototyps „Romeo“ im Februar 2026 in Erding rückt die Vision eines fliegenden Krankenwagens in greifbare Nähe. Unterstützt vom strategischen Investor IABG und in Kooperation mit der DRF Luftrettung soll das System bis 2031 serienreif sein und die Lücke zwischen teuren Rettungshubschraubern und langsamen Bodentransporten schließen.

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Eckdaten: Hybrid-eVTOL-Projekt Charlie von ERC System

  • Projekt: Hybrider Senkrechtstarter für medizinische Patiententransporte zwischen Kliniken.
  • Status: Testflug des Prototyps „Romeo“ im Feb 2026 absolviert. Serienreife bis 2031 geplant.
  • Technik: Hybrid-Antrieb mit Kolbenmotor als Generator; Lift-and-Cruise-Konzept mit Tragflächen für den Vorwärtsflug.
  • Leistung: Bis zu 800 km Reichweite bei ca. 220 km/h. Die Nutzlast liegt über 500 kg.
  • Sicherheit: Höchste Standards mit 10⁻⁹ Ausfallwahrscheinlichkeit für die EASA-Zulassung.
  • Akteure: Entwicklung durch ERC System mit Investor IABG und Partner DRF Luftrettung.

Fokus auf Sekundärtransporte: Warum die Nische funktioniert

Der strategische Kern des Projekts ist die Kooperation mit der DRF Luftrettung. Im Gegensatz zu klassischen Rettungshubschraubern, die für Primäreinsätze (Notfallort-Klinik) konzipiert sind, zielt ERC System auf den Sekundärtransport ab. Dabei handelt es sich um geplante Verlegungen von Patienten zwischen verschiedenen medizinischen Einrichtungen.

Dabei steigt der Bedarf an diesen Transportmöglichkeiten aktuell aus verschiedenen systemischen Gründen. Vor allem die laufenden Klinikreformen und die damit verbundene Spezialisierung kleinerer Krankenhäuser führen dazu, dass Patienten für spezifische Operationen oder Intensivbehandlungen deutlich häufiger zwischen den Standorten verlegt werden müssen. In diesem Szenario erweist sich die bisherige Kostenstruktur oft als Problem, da herkömmliche Rettungshubschrauber für solche einfachen Verlegungen meist überdimensioniert und im Betrieb zu teuer sind. Hinzu kommt der zunehmende Personalmangel, der sich durch klassische Bodenkrankentransporte verschärft, weil diese das Rettungspersonal über einen langen Zeitraum im Verkehr aufhalten.

Technik des aktuellen Testträgers „Romeo“

Der aktuelle Testträger „Romeo“ ist mit einem Abfluggewicht von 2.735 kg und einer Spannweite von 16 Metern eines der schwersten vollelektrischen eVTOLs (electric Vertical Take-Off and Landing aircraft) in Europa. Er dient primär der Validierung der Flugsteuerung und des sogenannten „Lift-and-Cruise“-Konzepts. Als vollelektrischer Schwebedemonstrator wird „Romeo“ gezielt eingesetzt, um beispielsweise die aerodynamisch instabile Phase des Schwebens und den vertikalen Start zu perfektionieren. Laut ERC-Chef David Löbl wurde die Maschine bewusst als reiner Schwebedemonstrator konzipiert, da das stationäre Halten in der Luft die größte technische Hürde darstellt, während der spätere Vorwärtsflug physikalisch deutlich einfacher umzusetzen ist.

Technik des Serienmodells „Charlie“

Das Serienmodell „Charlie“ wird als Hybrid eVTOL entwickelt, das senkrecht startet und im Vorwärtsflug Tragflächen zur Effizienzsteigerung nutzt. Dies ist eine bewusste Abkehr von der rein batterieelektrischen Strategie der Konkurrenz, da aktuelle Batterien für die benötigte Energiedichte bei hohen Lasten und weiten Strecken noch zu schwer sind. Ein integrierter Kolbenmotor fungiert als Generator, der die Batterien während des Fluges nachlädt und so die Reichweite erheblich erhöht. Zudem reduziert der Antrieb die langen Ladezeiten am Boden.

Damit soll das Elektroflugzeug im Serienbetrieb bis zu rund 800 Kilometer weit fliegen können, wobei sich diese Reichweite nur auf das Serienmodell unter Hybridbetrieb, nicht aber auf den aktuellen Prototypen „Romeo“ bezieht. Bei einer Reisegeschwindigkeit von etwa 220 km/h kann Charlie über 500 kg Nutzlast transportieren ‒ genug für z.B. einen Patienten, zwei medizinische Begleiter und die notwendige Ausrüstung. Am Boden lassen sich dann die Batterien innerhalb von 20 Minuten auf etwa 80% laden.

Parameter Spezifikation
Typ „Charlie“ eVTOL (electric Vertical Take-Off and Landing)
Antriebssystem Hybrid-elektrisch / vollelektrisch (Kolbenmotor-Generator)
Konfiguration 8 vertikale Propeller (VTOL) + 2 Schubpropeller (Lift & Cruise)
Flugprinzip Lift-and-Cruise (Senkrechtstart / Tragflächenflug)
Reichweite (VTOL) ca. 800 km
Reisegeschwindigkeit ca. 180 – 220 km/h
Maximale Nutzlast bis 500 kg
Ladezeit (80 %) 20 Minuten

Modellregion Memmingen-Unterallgäu: Integration in die Infrastruktur

Ein wesentlicher Vorteil des Projekts liegt in der frühzeitigen Integration in die bestehende medizinische Infrastruktur. Die Gesundheitsregion Memmingen-Unterallgäu dient dabei als offizielles Testgebiet. Da in Memmingen kein eigener Rettungshubschrauber stationiert ist, schließt das eVTOL hier eine wichtige Versorgungslücke. Besonders deutlich wird dies beim Neubau des Klinikums Memmingen (Investitionsvolumen ca. 500 Mio. Euro), dessen Dachlandeplatz bereits jetzt für den Betrieb von Elektroflugzeugen vorbereitet wird. Dafür werden spezielle Starkstrom-Ladeanschlüsse für eVTOLs installiert, Brandschutz- und Logistikkonzepte an die elektrischen Antriebe angepasst und separate Zugänge geschaffen, die einen schnellen Transfer der Patienten direkt in die Intensivstation ermöglichen.

Wirtschaftlichkeit: Dreimal schneller, dreimal günstiger

Laut ERC System soll der Betrieb entscheidende Zeit- und Kostenvorteile gegenüber dem herkömmlichen Rettungsdienst bieten. Im Vergleich zum bodengebundenen Rettungswagen ist das Fluggerät etwa dreimal schneller am Ziel, während die Kosten für Anschaffung und Betrieb rund dreimal günstiger als bei einem herkömmlichen Rettungshubschrauber liegen sollen.

Parameter Rettungswagen (RTW) ERC-System (eVTOL) Rettungshubschrauber (RTH)
Geschwindigkeit ca. 60-80 km/h (Schnitt) 220 km/h ca. 230-250 km/h
Betriebskosten Niedrig Mittel Hoch
Infrastruktur Straße (stauanfällig) Punkt-zu-Punkt Punkt-zu-Punkt
Lärmemission Mittel (Sirene) Niedrig (Elektro) Hoch (Turbine)

Investorenstrategie und der entscheidende Faktor IABG

Ein wesentlicher Grund für das Scheitern von Lilium war schließlich die Fokussierung auf Risikokapitalgeber, die schnelle Markteintritte forderten. Im Gegensatz dazu wird ERC System maßgeblich von der IABG (Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft) unterstützt, die als etablierter Dienstleister der Luft- und Raumfahrt nicht nur finanzielle Stabilität, sondern auch Zugriff auf Testeinrichtungen und Zertifizierungs-Expertise bieten. Diese Unterstützung gilt als Voraussetzung für die angestrebte EASA-Zulassung nach dem dem „Special Condition VTOL“-Framework, das höchste Sicherheitsstandards verlangt. Dieses verlangt mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit von 10⁻⁹ Sicherheitsstandards, die mit denen großer Verkehrsflugzeuge vergleichbar sind.

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Ausblick bis 2031

Der Zeitplan des Unternehmens ist recht konservativ, aber realistisch gewählt. ERC System möchte bis 2031 die Serienreife und Zulassung erreichen. Bis dahin wird der Prototyp „Romeo“ in Erding weiter optimiert, um den Übergang vom Schwebeflug (Transition) in den Vorwärtsflug zu perfektionieren. Sollte das Konzept erfolgreich umgesetzt werden, könnte ERC System den Beweis erbringen, dass Elektrifizierung in der Luftfahrt dort am sinnvollsten ist, wo sie ein konkretes logistisches Problem löst, statt nur ein neues Transportmittel für zahlungskräftige Einzelpersonen schafft.

Quellen / Weiterlesen

We elevate critical missions | ERC System
Test erfolgreich: E-Flieger soll Klinikpatienten transportieren | BR
Dritter Anlauf zur Entwicklung eines E-Flugzeugs | Handelsblatt
Start-up plant fliegenden Krankenwagen mit Hybrid-Antrieb | t-online
Elektroflugzeug-Startup ERC System: Senkrechtstarter bis 2031 | MaschinenMarkt
Erneuter Anlauf zur Entwicklung eines E-Flugzeugs | watson.ch
Startup plant Hybrid-Elektroflugzeug für den Patiententransport | IT Boltwise
Bildquelle: © ERC System via Presseportal

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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