Air New Zealand schloss ein viermonatiges Testprogramm mit dem batterieelektrischen Flugzeug ALIA CX300 von BETA Technologies ab. Das batterieelektrische Flugzeug ALIA CX300 absolvierte unter realen Bedingungen über 100 Testflüge an zwölf verschiedenen Flughäfen und legte dabei eine Gesamtstrecke von rund 13.000 Kilometern zurück. Dabei wurden auch Instrumentenflüge erfolgreich durchgeführt. Neben der technischen Zuverlässigkeit stand vor allem die Wirtschaftlichkeit im Fokus. Die Ergebnisse zeigten, dass das Elektroflugzeug die Energiekosten auf Kurzstrecken um rund 80% senken konnte und damit signifikant unter den Kosten konventioneller Turboprop-Maschinen mit Kerosinantrieb lag. Die gewonnenen Daten dienen nun als Grundlage für die künftige Flottenstrategie und die Integration emissionsarmer Antriebe in den neuseeländischen Regionalflugverkehr.
Überblick: Air New Zealand testet ALIA CX300
- Projekt: Viermonatiges Testprogramm von Air New Zealand und BETA Technologies.
- Modell: Batterieelektrische ALIA CX300 (Conventional Take-Off and Landing, CTOL).
- Datenbasis: Über 100 Flüge, 13.000 Kilometer Gesamtstrecke an 12 Flughäfen.
- Effizienz: Energiekosten pro Flug sinken von ca. 110 USD auf 20 USD bzw. um 80%.
- Meilenstein: Erster IFR-Instrumentenflug eines Elektroflugzeugs in Neuseeland.
Technische Erprobung unter Realbedingungen
Das Demonstrationsprogramm wurde in enger Zusammenarbeit zwischen der nationalen Fluggesellschaft Air New Zealand und dem US-Hersteller BETA Technologies durchgeführt. Ziel war es, die ALIA CX300 – ein vollelektrisches Starrflügelflugzeug – in den regulären Flugbetrieb zu integrieren. Die Testrouten erstreckten sich über die Nord- und Südinsel Neuseelands, einschließlich der anspruchsvollen Überquerungen der Cookstraße. Darüber hinaus war der erste emissionsarme Flug unter Instrumentenflugregeln (IFR-Flug; Instrument Flight Rules) Neuseelands ein besonderes Highlight. Die IFR-Flüge sind wichtig für den Linienbetrieb, da dieser wetterunabhängige Flugverfahren erfordert. Die erfolgreiche IFR-Zertifizierung gilt demzufolge als Voraussetzung für den kommerziellen Einsatz batterieelektrischer Flugzeuge im Regionalverkehr.
Infrastruktur und operative Integration
Neben den Flugeigenschaften untersuchten die Partner aber auch die gesamte operative Kette. Gemeinsam mit der neuseeländischen Zivilluftfahrtbehörde (CAA) und Flughafenbetreibern in Wellington, Marlborough und Hamilton wurden somit Prozesse wie die Flugplanung, die Bodenabfertigung und die Energieversorgung genauer analysiert. Das Flugzeug wurde mit mobilen 65-kW-Ladegeräten versorgt, um die Ladezyklen in den Flughafenalltag zu integrieren. Zudem simulierte das Team den Frachtbetrieb, wobei während der Testphase insgesamt über 20 Tonnen Frachtgewicht bewegt wurden, um die Leistungsfähigkeit des Elektroantriebs bei hoher Zuladung zu validieren.
Wirtschaftlicher Vergleich: Strom gegen Kerosin
Die Auswertung der über 100 Testflüge lieferte deutliche Belege für die wirtschaftliche Überlegenheit des Elektroantriebs auf Kurzstrecken. Auf der Route zwischen Wellington und Blenheim wurden die Betriebskosten direkt verglichen. Dabei zeigte sich eine drastische Differenz. Während der Betrieb der konventionellen Cessna Caravan Energiekosten von rund 110 US-Dollar pro Flug verursachte, lagen die Kosten für die elektrische ALIA CX300 bei lediglich etwa 20 US-Dollar. Diese Ersparnis von rund 82% bei den direkten Energiekosten eröffnet somit neue Möglichkeiten für regionale Flugverbindungen, die mit herkömmlichen Kerosin-Flugzeugen bisher kaum wirtschaftlich zu betreiben waren.
Strategische Bedeutung für die Flotte
Letztendlich ist der Abschluss dieser Phase für Air New Zealand der Beginn der eigentlichen Flottenplanung, denn Neuseeland bietet mit seinem hohen Anteil an regenerativer Energie (ca. 85%) und den kurzen Distanzen im Inlandsnetz ideale Rahmenbedingungen für die elektrische Luftfahrt. Die ALIA CX300 wird nun für weitere Optimierungen an BETA Technologies zurückgegeben, wobei die gesammelten Daten direkt in die Verhandlungen mit Herstellern und Regulierungsbehörden einfließen, um das Ziel einer emissionsarmen Regionalflotte ab 2026/2027 zu erreichen.
Vergleichbare Voraussetzungen finden sich auf Hawaii. Beide Regionen verfügen über eine ähnliche geografische Struktur mit kurzen Distanzen zwischen Inseln, was sie zu globalen Pilotmärkten für emissionsarme Regionalflugnetze macht. Auf Hawaii konnte das Elektroflugzug von BETA Technologies bereits im Vorfeld der aktuellen Tests das Potenzial der ALIA-Plattform verdeutlichen.
Quellen / Weiterlesen
Air New Zealand: Tests mit Elektroflugzeug zeigen auf Kurzstrecke enorme Kostenvorteile | Aero Telegraph
Erfolgreiche Tests des Elektroflugzeugs ALIA CX300 in Neuseeland | Aero Buzz
Air New Zealand testet Elektroflugzeug | Aero International
Bildquelle: © BETA Technologies


