Air New Zealand: Flugtests mit E-Flugzeug Beta Alia CX300

Air New Zealand testet E-Frachtflugzeug Beta Alia CX300 in Neuseeland. Pilotprogramm sammelt wichtige Daten für nachhaltige Regionalflüge.

0
683
air-new-zealand-beta-alia

Air New Zealand und Beta Technologies starteten offiziell das Demonstrator-Programm „Next Generation Aircraft“ mit der Beta Alia CX300. Das batterieelektrische Frachtflugzeug führt seit dem Erstflug am 17. Oktober 2025 viermonatige Testflüge quer durch Neuseeland durch. Unter der Leitung der Piloten Andrew Mercer und James Owen werden Betriebs- und Umweltdaten des E-Fliegers auf Strecken bis zu 200 Kilometern gesammelt. Dank Neuseelands idealer Voraussetzungen – 85 Prozent erneuerbare Energien und viele Regionalflüge unter 350 Kilometern – dient das Programm als wichtige Blaupause für die Zukunft der emissionsarmen Luftfahrt weltweit.

Tauschen Sie sich aus und diskutieren Sie mit uns zu den neusten Entwicklungen zu Elektroflugzeugen und Flugtaxis auf Facebook. Hierzu haben wir auf Facebook die Gruppe Elektroflugzeug eingerichtet.

Anzeige

Die Testphase bis Anfang 2026 ‒ Routen, Dauer und Ziele

Der offizielle Start des Demonstrator-Programms „Next Generation Aircraft“ am 17. Oktober 2025 markierte einen Wendepunkt für Air New Zealand. Das Elektroflugzeug Beta Alia CX300 begab sich in eine viermonatige, intensive Erprobungsphase in Neuseeland, die bis Anfang 2026 dauern soll. Ziel dieses ambitionierten Projekts ist es, die Betriebsfähigkeit des vollelektrischen Frachtflugzeugs unter realen und teils herausfordernden neuseeländischen Bedingungen zu bewerten.

Das E-Frachtflugzeug des US-Herstellers Beta Technologies begann das Programm zunächst mit ersten Flügen ab Tauranga, bevor es für das eigentliche Erprobungsprogramm in Hamilton stationiert wurde. Von dort aus sind eine Reihe von Überlandflügen geplant, die das Flugzeug schrittweise in südliche Richtung führen sollen. Die Route ist dabei strategisch gewählt: Nach dem Start in Hamilton geht es weiter über Taupō, Napier und Palmerston North, bevor die Maschine ihren vorläufigen Standort in der Hauptstadt Wellington erreicht. Eine besondere Herausforderung sind die geplanten Flüge über die raue Cookstraße von Wellington nach Blenheim, die man bis Ende Januar vorbereitet.

Diese Langstrecken- und Wettertests sind entscheidend, um die Performance unter realen Bedingungen zu messen. Die Air-New-Zealand-Piloten, Andrew Mercer und James Owen, und Ingenieure von Beta Technologies führen hierfür diverse Flugmanöver und Streckentests durch. Diese Erkenntnisse dienen nicht nur als Grundlage für den künftigen elektrischen Flugbetrieb in Neuseeland, sondern auch als weltweites Schulungs- und Datensystem für die gesamte Luftfahrtindustrie.

Technologie und Kapazität der Beta Alia CX300

Die Beta Alia CX300 ist als batterieelektrisches Frachtflugzeug (CX steht für Cargo) primär auf den Transport ausgelegt und verfügt über ein Frachtvolumen von 5,6 Kubikmetern. Obwohl das E-Flugzeug auch in einer Personentransport-Variante existiert, liegt der Fokus in diesem Testprogramm klar auf der Frachtbeförderung. Die einfache Wartung und der reduzierte Lärmpegel im Vergleich zu herkömmlichen Turboprop-Flugzeugen stellen einen zusätzlichen wirtschaftlichen Vorteil dar, der im Rahmen der Tests auch bewertet wird. Da sie leiser als herkömmliche Flugzeuge operiert, liegt der Fokus des Tests auf der Eignung für den regionalen Waren- und Postverkehr.

Angetrieben wird die Maschine von einem leistungsstarken Batteriesystem, das ihr eine theoretische Reichweite von bis zu 398 Kilometern ermöglicht. Air New Zealand wird primär Strecken von maximal 200 Kilometern Länge fliegen. Diese Distanz deckt einen Großteil der neuseeländischen Regionalverbindungen ab. Zudem bieten sie eine ausreichende Sicherheitsmarge für das Erproben der neuen Technologie. Die Analyse von Energieverbrauch, Ladeeffizienz und Batterielebensdauer liefert die entscheidenden Betriebs- und Umweltdaten, um die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit der Alia CX300 zu bewerten. Erst nach einer Evaluation kann man eine mögliche Flottenintegration in Betracht ziehen.

Neuseeland als idealer Teststandort

Neuseeland als Standort für dieses Pionierprojekt zu wählen, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis strategischer Überlegungen. Nikhil Ravishankar, CEO von Air New Zealand, betonte, dass der Inselstaat nahezu ideal für die Erprobung elektrischer Flugzeuge sei. Das Land bietet die notwendigen geografischen und infrastrukturellen Gegebenheiten für die Tests. Ferner sei die Struktur des nationalen Flugverkehrs ein entscheidender Faktor, denn rund 60 Prozent aller Regionalflüge in Neuseeland legen eine Strecke von weniger als 350 Kilometern zurück. Diese Flugprofile liegen ideal innerhalb der Reichweitenkapazitäten der aktuellen Generation von Elektroflugzeugen wie z.B. der Alia CX300. Die Fokussierung auf diese kürzeren, aber häufigen Regionalverbindungen ermöglicht eine realitätsnahe Datenerfassung und zeigt das unmittelbare Potenzial zur Dekarbonisierung eines wichtigen Teils des Flugbetriebs.

Darüber hinaus spielt auch die Energieversorgung eine entscheidende Rolle bei der Wahl des Standorts. Neuseeland profitiert von einem Stromnetz, das bereits heute zu etwa 85 Prozent aus erneuerbaren Quellen – hauptsächlich Wasserkraft und Geothermie – gespeist wird. Der Betrieb des batterieelektrischen Flugzeugs ist dank dieses grünen Strommixes nahezu emissionsfrei, was die ökologische Bilanz signifikant verbessert. Ravishankar sieht darin die „perfekten Voraussetzungen für Flugzeuge der nächsten Generation“. Das Programm soll daher nicht nur die Machbarkeit beweisen, sondern auch die notwendigen Lade- und Betriebsinfrastrukturen etablieren. Diese soll in den kommenden Jahren weltweit als Vorbild dienen.

Tauschen Sie sich aus und diskutieren Sie mit uns zu den neusten Entwicklungen zu Elektroflugzeugen und Flugtaxis auf Facebook. Hierzu haben wir auf Facebook die Gruppe Elektroflugzeug eingerichtet.

Partnerschaften und die Blaupause für die Zukunft

Das Demonstrationsprogramm ist das Ergebnis monatelanger, komplexer Vorbereitungen zwischen den beiden Partnern. Neben Air New Zealand und dem US-Hersteller Beta Technologies war auch die neuseeländische Luftfahrtbehörde (CAA) intensiv bei diesem Projekt involviert. Ihre Beteiligung ist essenziell, um den sicheren Betrieb des Flugzeugs und die Einhaltung aller regulatorischen Anforderungen in Neuseeland zu gewährleisten. Die enge Abstimmung mit verschiedenen Flughafenpartnern sicherte zudem die notwendige Bodeninfrastruktur und die sichere Handhabung der Ladesysteme. Zu betonen ist dabei, dass das Ziel des Programms weit über die reine Datensammlung und den Flugverkehr in Neuseeland hinausgeht. Die Erkenntnisse aus den viermonatigen Tests sind weltweit entscheidend für die Forschung und Entwicklung der emissionsfreien Luftfahrt. Sie dienen als „Blaupause“, um nachhaltige Regionalflüge nicht nur in Neuseeland, sondern auch international möglich zu machen.

Quellen / Weiterlesen

Elektroflieger: Air New Zealand startet Flugtests mit Beta Alia CX300 | Aerotelegraph
Air NZ takes to the skies in electric aircraft trial | 1news.co.nz
Air New Zealand and BETA Technologies launch first electric aircraft programme | Air New Zealand
Präsentationsvideo von Air New Zealand | YouTube Air New Zealand
Bildquelle: © BETA Technologies
Vorheriger ArtikelFlux Mobility: Marktstart für Fahrzeuge mit neuer Systemarchitektur
Nächster ArtikelVolvo feierte nach nur 5 Jahren die Auslieferung von 500.000 E-Autos
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein