In Vorarlberg ist mittlerweile jeder dritte Linienbus elektrisch unterwegs. Mit der Inbetriebnahme von 63 MAN Lion’s City E durch die ÖBB Postbus betreibt das Bundesland die aktuell größte E-Bus-Flotte Österreichs. Der Auftrag umfasst 27 Solobusse und 36 Gelenkbusse, die technisch auf die regionalen Anforderungen und winterliche Bedingungen zugeschnitten sind. Parallel dazu realisierte man in Wolfurt den landesweit größten Ladestützpunkt mit einer Anschlussleistung von 5 Megawatt und moderner Kempower-Ladetechnik. Das Projekt wird durch das Förderprogramm eMove Austria (EBIN) unterstützt und zielt auf einen Bestand von 200 Elektrobussen bis zum Jahr 2030 ab.
ÖBB & MAN E-Busse: Das Wichtigste in Kürze
- Flotte: 63 neue MAN Lion’s City E für ÖBB Postbus (27 Solo- und 36 Gelenkbusse).
- Leistung: Bis zu 640 kWh Kapazität für 250 bis 300 km reale Reichweite.
- Infrastruktur: 5-MW-Ladehub in Wolfurt mit dezentraler Kempower-Satellitentechnik.
- Effizienz: Intelligentes Lademanagement ChargeEye zur Vorkonditionierung; spart Energie und optimiert Reichweite.
- Ausblick: Bis 2030 soll die Flotte in Vorarlberg auf 200 Elektrobusse anwachsen.
Fahrzeugtechnik und Leistungsdaten der MAN-Busse
Der aktuelle Großauftrag umfasst 27 Solobusse des Typs Lion’s City 12 E und 36 Gelenkbusse der Variante Lion’s City 18 E. Letztere sind mit 18 Metern Länge speziell für Linien mit hoher Auslastung konzipiert und bieten Platz für 42 Sitz- sowie 113 Stehplätze. In der 12-Meter-Version stehen 30 Sitz- und 61 Stehplätze zur Verfügung. Technisch sind die Gelenkbusse ideal für die topografischen Anforderungen in Vorarlberg ausgestattet ‒ zwei elektrische Zentralmotoren an der 2. und 3. Achse verbessern die Traktion bei Schnee und Steigungen.
Die Energieversorgung erfolgt über modulare Lithium-Ionen-Batteriepakete (NMC) auf dem Dach. Während der Solobus über 6 Pakete mit rund 480 kWh verfügt, kommt der Gelenkbus auf 8 Pakete mit einer installierten Gesamtkapazität von bis zu 640 kWh. Somit erreichen die Fahrzeuge im realen Linienbetrieb Reichweiten von 250 bis 300 Kilometern (max. bis zu 350 km), was den kompletten Tagesumlauf ohne Zwischenladung abdeckt. Um die Reichweite auch im Winter stabil zu halten, sind die Busse mit CO2-Klimaanlagen inklusive integrierter Wärmepumpe ausgestattet. Darüber hinaus kommt eine neue Schwenk-Schiebetür-Technologie zum Einsatz, die den Fahrgastwechsel beschleunigt.
Ladeknotenpunkt Wolfurt und Kempower-Satellitentechnik
Für den reibungslosen Betrieb der E-Busse wurde die Ladeinfrastruktur auf insgesamt 144 Ladepunkte in ganz Vorarlberg ausgebaut. Davon befinden sich 75 Punkte an den Standorten der ÖBB Postbus in Wolfurt, Bludenz und Feldkirch. Dabei wurde das Depot in Wolfurt zum größten Ladestützpunkt Österreichs ausgebaut und verfügt über eine Anschlussleistung von 5 Megawatt. Diese Leistung wird über 4 Transformatoren mit jeweils 1,25 MW bereitgestellt. Bei der Infrastruktur setzt der Standort auf das dezentrale Satelliten-Ladesystem des finnischen Herstellers Kempower. Diese Architektur spart Platz im Depot, da die Leistungseinheiten räumlich getrennt von den eigentlichen Ladepunkten stehen. Im Bedarfsfall liefert die Anlage eine Ladeleistung von bis zu 240 kW pro Elektrobus für schnelles Zwischenladen.
Das fahrplanbasierte Lademanagement-System „ChargeEye“ steuert die Ladevorgänge so, dass die E-Busse pünktlich zum Schichtbeginn vorbereitet sind. Nachts werden die Busse mit reduzierter Leistung zwischen 30 und 50 kW geladen, um die Netzlast zu optimieren. Außerdem kann man den Bus über den Netzstrom im Winter vorheizen oder im Sommer vorkühlen, ohne dass Energie aus der Bordbatterie nötig ist. Dies spart während der Fahrt Kapazität und erhöht die reale Reichweite. Lithium-Ionen-Batterien arbeiten in einem bestimmten Temperaturfenster (um die 25°C) am effizientesten, deswegen bringt das System die Zellen vorab in diesen Bereich, damit sie ab dem ersten Kilometer die volle Leistung erzielen können.
Marktführerschaft und staatliche Förderung
Mit diesem Auftrag positioniert sich MAN als Marktführer für Elektrobusse in Österreich. Bereits im vergangenen Jahr lieferte der Hersteller 112 Einheiten aus, was einem Marktanteil von über 50 Prozent entspricht. Letztendlich wird die schrittweise Umstellung der Flotte in Vorarlberg durch das Förderprogramm eMove Austria (EBIN) unterstützt, das vom Bund mit einem Gesamtvolumen von rund 80 Millionen Euro dotiert ist. Aktuell sind rund 100 E-Busse im Linieneinsatz, wobei mehr als die Hälfte davon von der ÖBB Postbus betrieben werden. Der weitere Zeitplan sieht vor, den Bestand bis Mai 2026 auf 141 Fahrzeuge zu erhöhen. Schließlich sieht das langfristige Ziel vor, eine Flotte von 200 Elektrobussen bis zum Jahr 2030 aufzubauen.
Quellen / Weiterlesen
ÖBB Postbus vertraut auf 63 E-Busse von MAN | Electrive
Nachhaltige Zusammenarbeit bringt E-Bus-Ausbau in Vorarlberg auf die Überholspur | ÖBB
KVG Vorarlberg is operating Austria’s largest charging hub for electric buses with Kempower technology | Kempower
MAN liefert 63 Elektrobusse nach Vorarlberg | Busnetz
Bildquelle: © ÖBB/Sams


