Mega-Auftrag für Elektrobusse: Zürich öffnet den Markt für internationale Anbieter

Zürich plant 100 neue Elektrobusse: Mega-Auftrag öffnet Markt für internationale Hersteller und setzt ein Signal für Elektromobilität im ÖV.

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Zürich plant die wohl größte Elektrobus-Beschaffung der letzten Jahre: Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) schreiben den Kauf von bis zu 100 neuen Elektrobussen aus – und öffnen den Markt erstmals bewusst für internationale Anbieter. Schweizer Hersteller stehen damit unter Druck, während innovative Lösungen aus Europa und China eine Chance bekommen. Der Auftrag im Wert von rund 140 Millionen CHF markiert einen Wendepunkt für Elektromobilität im öffentlichen Verkehr der Schweiz.

Mega-Großauftrag für Elektrobusse aus Zürich – Schweizer ÖV öffnet Markt für globale Anbieter

Zürich plant eine der größten Elektrobus‑Beschaffungen der letzten Jahre: Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) schreiben den Kauf von bis zu 100 neuen Elektro‑Citybussen im Wert von rund 140 Millionen CHF aus – und verzichten dabei bewusst auf eine Direktvergabe an inländische Hersteller. Diese Entscheidung könnte den europäischen Markt für Elektromobilität im öffentlichen Verkehr nachhaltig verändern.

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Warum dieser Auftrag so bedeutend ist

Die VBZ gehören zu den größten öffentlichen Verkehrsbetrieben der Schweiz. Eigentlich könnten sie weitere Elektrobusse direkt bei ihren langjährigen Lieferanten – dem Schweizer Hersteller Hess oder dem deutschen Konzern MAN – bestellen, da entsprechende Optionen aus früheren Verträgen bestehen. Doch nach wiederkehrenden Zuverlässigkeitsproblemen bei bestehenden Fahrzeugen will man neue Wege gehen.

Stattdessen wird nun eine offene Ausschreibung gestartet, die nicht nur klassische Batterie‑Elektrobusse, sondern optional sogar Trolleybusse umfasst. Je nach Teilnahme und Optionen könnte das gesamte Projekt ein Volumen von bis zu 300 Millionen CHF erreichen – eines der größten laufenden Beschaffungsverfahren im europäischen ÖV‑Sektor

Schweizer Hersteller Hess im Gegenwind

Hess ist der einzige Schweizer Busbauer im Markt und rund 20 Jahre lang einer der wichtigsten VBZ‑Partner gewesen. In dieser Zeit wurden über 110 Fahrzeuge geliefert. Doch in den letzten Jahren traten bei den Fahrzeugen vermehrt Probleme wie Fehlfunktionen im Antriebsstrang, bei der Heizung oder den Steuerungssystemen auf. Die Verzögerungen und technischen Herausforderungen führten zu wachsender Unzufriedenheit bei den VBZ.

Ein Hess‑Sprecher betont, dass moderne Elektrobussysteme komplexe Gesamtsysteme seien, bei denen viele Komponenten perfekt zusammenspielen müssen. Hess arbeite an Verbesserungen und wolle sich dennoch an der Ausschreibung beteiligen.

Offener Markt & neue Chancen für internationale Anbieter

Die Entscheidung, den Auftrag offen auszuschreiben, bedeutet, dass sich sowohl etablierte europäische Hersteller als auch chinesische Busbauer bewerben können. Solche internationalen Anbieter drängen in den europäischen Markt – etwa Hersteller wie BYD oder Solaris, die bereits große E‑Bus‑Flotten in anderen Ländern ausliefern.

Für Zürich könnte das nicht nur Preisvorteile bringen, sondern auch technologische Neuerungen und mehr Flexibilität bei Service und Wartung. Gleichzeitig sorgt die Öffnung des Marktes für eine politische Diskussion über „Swissness“ bei öffentlichen Beschaffungen.

Was bedeutet das für den Schweizer ÖV‑Standort?

Zürichs Entscheidung ist ein deutliches Signal: Leistung, Zuverlässigkeit und langfristige Betriebssicherheit stehen über dem Herkunftsland der Busse. Das kann für Schweizer Hersteller wie Hess zwar ein Rückschlag sein, gleichzeitig eröffnet es aber eine Chance zur technischen Neuausrichtung und Produktoptimierung.

Elektromobilität im öffentlichen Verkehr: Ein Zukunftsthema

Die Beschaffung neuer Elektrobusse ist Teil einer größeren Strategie, den öffentlichen Verkehr in Zürich und der Schweiz emissionsfrei umzubauen. In vielen Schweizer Städten laufen bereits Programme zur Elektrifizierung großer Busflotten, und national wollen Anbieter wie PostBus ihre Fahrzeugflotten bis 2035 auf Elektroantriebe umstellen.

Auch der Ausbau der Lade‑ und Depot‑Infrastruktur (z. B. neue Busgaragen und Ladeplätze) ist ein zentraler Baustein, damit Zürichs ÖV‑Netz in den kommenden Jahren fit für die Zukunft wird.

Was jetzt passiert – Timeline

Januar 2026: VBZ starten die Ausschreibung für bis zu 100 neue Elektrobusse mit Optionen auf zusätzliche Trolleybusangebote.

2026–2027: Angebote von internationalen und europäischen Herstellern werden bewertet – potentiell inklusive Modelle aus China oder dem EU‑Raum.

Ende 2020er Jahre: Neue E‑Bus‑Flotte rollt auf Zürcher Straßen und ersetzt nach und nach ältere Diesel‑ und Hybridfahrzeuge.

Das steckt hinter dem VBZ‑Großauftrag

Thema Details
Auftrag bis zu 100 Elektrobusse + optionale Trolleybusse
Ausschreibungsvolumen bis zu 300 Mio. CHF inkl. Optionen
Hauptgrund Zuverlässigkeitsprobleme bei bisherigen Lieferanten
Schweizer Anbieter Hess will erneut mitbieten
Chancen internationale Hersteller, neue Technologien
Bedeutung einer der größten ÖV‑Großaufträge im DACH‑Raum

 

Fazit: Zürichs Ausschreibung für 100 Elektrobusse ist ein wegweisender Schritt – nicht nur für die Schweiz, sondern für die gesamte Elektromobilität im öffentlichen Nahverkehr in Europa. Qualität, Innovation und Effizienz stehen im Vordergrund, und der offene Markt könnte neue Akteure und Lösungen hervorbringen.

Quellen / Weiterlesen

Nach Streit mit Schweizer Hersteller will Zürich keine Schweizer Busse mehr | Watson
VBZ will neue Busse für 140 Millionen nicht in der Schweiz kaufen | NAU
Streit mit Hess und MAN: Zürcher ÖV öffnet Busmarkt für internationale Anbieter | NUME
Our timetable for the conversion to alternative drive systems | PostBus
Stadtrat bewilligt Kauf der künftigen VBZ-Busgarage in Oetwil am See | Stadt Zürich
Bildquelle: © Carrosserie HESS AG
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Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

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