Werden gebrauchte Elektroautos 2026 günstiger?

Warum gebrauchte Elektroautos 2026 günstiger werden. Daten zu Restwerten, SoH-Batterietests und Chancen für Käufer.

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Aktuelle Analysen der DAT und von Schwacke zeigen deutliche Preisdifferenz zwischen Elektroautos und Verbrennern. Während sich dreijährige Benziner- und Dieselmodelle stabil zwischen 61% und 63% ihres ehemaligen Listenpreises bewegen, fallen rein batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) im Durchschnitt auf 50% bis 52%. In einigen Segmenten, besonders bei Modellen mit kleineren Batteriekapazitäten oder veralteter Ladetechnik, sinken die Werte sogar unter die 40-Prozent-Marke.

Grund für diese Entwicklung ist der Restwert eines Elektroautos, der heute nicht mehr primär durch das Alter oder die Laufleistung bestimmt wird, sondern durch die Bewertung des State of Health (SoH) der Batterien. Da der Akku bei einem Neuwagen oft bis zu 50% der Gesamtkosten ausmacht, führt jede Unsicherheit über dessen Kapazität zu massiven Preisabschlägen auf dem Zweitmarkt. Käufer eines gebrauchten Elektroautos verhalten sich defensiv, solange kein unabhängiges Zertifikat vorliegt, das die tatsächliche Restkapazität bestätigt.

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Externe Faktoren durch Förderung und Innovation

Ein wesentlicher Treiber dieses Preisnachlasses ist die aktuelle Förderung für elektrische Neuwagen, die rückwirkend ab Januar 2026 wieder eingeführt wurde. Haushalte mit Kindern können bei Neukäufen Prämien von bis zu 6.000 € erhalten. Da staatliche Förderungen und herstellerseitige Rabatte nicht für Gebrauchte gelten, sinkt der preisliche Abstand zwischen einem Neuwagen und einem Jahreswagen enorm. Somit ist ein Neufahrzeug nach Abzug aller Boni oft nur geringfügig teurer als ein einjähriger Gebrauchter, was dessen Marktwert unmittelbar drückt. Dies zwingt Gebrauchtwagenhändler, ihre Preise drastisch zu senken, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Zusätzlich sind die Kaufpreise für Elektroautos durch günstigere Produktionsverfahren und den Markteintritt neuer Anbieter stabilisiert, was den Druck auf ältere Bestandsfahrzeuge weiter erhöht. Zudem verläuft die technische Entwicklung bei Reichweiten und Ladegeschwindigkeiten schneller als bei Verbrennungsmotoren. Ein drei Jahre altes Modell wirkt technisch oft betagter als ein gleich alter Diesel. Hinzu kommt eine Schwemme an Leasing-Rückläufern aus den zulassungsstarken Vorjahren, die nun auf einen Markt treffen, der preislich noch nicht im Gleichgewicht ist.

Die günstigsten gebrauchten Elektroautos

Modell Baujahr Preisspanne Realreichweite
Renault Zoe 2020–2022 12.500 – 16.000 € 280 – 320 km
VW ID.3 2020–2021 18.500 – 22.000 € 300 – 350 km
Hyundai Kona Elektro 2019–2021 16.000 – 21.000 € 300 – 400 km
Fiat 500e 2021–2022 15.500 – 19.500 € 230 – 260 km
Opel Corsa-e 2020–2022 14.500 – 18.000 € 250 – 290 km

Wirtschaftlichkeit für den Zweitbesitzer

Trotz des prozentual höheren Wertverlusts bietet der Einstieg in die gebrauchte Elektromobilität ökonomische Vorteile, die über den reinen Kaufpreis hinausgehen. Durch das gesunkene Preisniveau auf dem Zweitmarkt amortisieren sich die Anschaffungskosten deutlich schneller. Wer ein gebrauchtes E-Auto für unter 20.000 € erwirbt, profitiert unmittelbar von den ‒ im Vergleich zum Verbrenner ‒ niedrigeren Betriebs- und Wartungskosten.

Besonders attraktiv bleibt dabei die steuerliche Komponente, denn Elektroautos, die bis Ende 2030 erstmals zugelassen werden, sind für bis zu zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Für Pendler mit eigener Lademöglichkeit oder Photovoltaik-Anlage sinken die Energiekosten pro 100 Kilometer oft auf ein Drittel der Kosten eines vergleichbaren Diesels. Damit gleicht die Ersparnis im laufenden Betrieb den künftigen Wertverlust des bereits deutlich im Preis gesunkenen Gebrauchtwagens aus.

Zertifizierte Sicherheit als Marktschlüssel

Während die Batterieabnutzung oft als Preisrisiko wahrgenommen wird, schaffen aktuelle Messverfahren heute Klarheit über die tatsächliche Restkapazität. Mittlerweile existieren standardisierte Messverfahren, mit denen der State of Health (SoH) der Batterie präzise bestimmt werden kann. Prüforganisationen wie der TÜV oder DEKRA bieten Tests an, welche die tatsächliche Restkapazität auslesen und so die oft ungenauen Schätzwerte des Bordcomputers durch verifizierte Labordaten ersetzen.

Das Problem für den Restwert ist aktuell weniger die Technik, sondern die fehlende Transparenz im Verkaufsprozess. Solange kein unabhängiges Gutachten vorliegt, kalkuliert der Handel sicherheitshalber mit einem Risikoabschlag. Doch Fahrzeuge, die mit einem verifizierten Zertifikat angeboten werden, erzielen bereits jetzt messbar höhere Preise. Beachten Sie auch die TÜV-Tipps beim Kauf von gebrauchten Elektroautos.

Ausblick: Wann stabilisieren sich die Preise für gebrauchte E-Autos?

Experten erwarten, dass der Preisdruck auf dem Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos im Laufe des Jahres 2026 seinen Höhepunkt erreicht. Mit der zunehmenden Einführung standardisierter Batterietests und der wachsenden Erfahrung freier Werkstätten mit der Hochvolt-Technik wird das Vertrauen der Käufer steigen.

Des Weiteren verlangsamt sich das Tempo des technologischen Fortschritts, denn hinsichtlich der Energiedichte und den Ladeleistungen stoßen aktuelle Lithium-Ionen-Systeme zunehmend an ihre physikalischen Grenzen. Neue Modellgenerationen bieten daher keine außergewöhnlichen Sprünge mehr wie in den Anfangsjahren. Sobald ein Gebrauchtwagen eine alltagstaugliche Reichweite von 300 Kilometern und eine Schnellladefunktion bietet, verliert er weniger schnell an Relevanz als die Pionier-Modelle der ersten Generation. Langfristig ist daher mit einer Angleichung der Restwertkurven an das Niveau klassischer Antriebe zu rechnen.

Quellen / Weiterlesen

Mobilität: Gebrauchte Elektroautos werden wohl billiger | Tagesspiegel
Der DAT Report 2026 | DAT
Ein Elektroauto gebraucht kaufen? Das sollten Sie wissen! | ADAC
Bildquelle: © Pixabay
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Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

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