Dongfeng und Hongqi haben die Phase der reinen Zellforschung verlassen und erproben ihre Festkörperbatterien nun direkt in Fahrzeug-Prototypen. Dongfeng plant bereits für September 2026 die Serienfertigung von Akkus mit 350 Wh/kg und einer Reichweite von 1.000 Kilometern. Zeitgleich testet die Luxusautomarke Hongqi mit dem Tiangong 06 ein funktionsfähiges System auf Sulfid-Basis unter Realbedingungen. Zudem peilen beide Hersteller das Jahr 2027 für den breiten Serieneinsatz an und konzentrieren sich nun vor allem darauf, die Technik zuverlässig in die Fahrzeugarchitektur einzubinden. Damit stehen erstmals konkrete Termine für den Einsatz einer Technologie fest, die bisher als Zukunftsthema galt.
Das Wichtigste in Kürze:
- Serienstart: Dongfeng ab September 2026, Hongqi ab Ende 2027.
- Leistung: 350–380 Wh/kg Energiedichte für über 1.000 km Reichweite.
- Ladevorgang: 450 km Reichweite in 5 Minuten dank 1.200V-Technik.
- Hitze-Resistenz: Dongfeng stabil bis 170°C, Hongqi bis 200 °C.
- Kälte-Performance: Über 72% Restkapazität bei −30°C (Dongfeng).
- Status: Aktive Erprobung in realen Fahrzeug-Prototypen wie dem Tiangong 06.
- Technik: Hongqi nutzt Sulfid-Zellen (>10 mS/cm); Dongfeng setzt auf Oxid-Polymer-Systeme.
Dongfengs Zeitplan bis zur Serienfertigung 2027
Dongfeng verfolgt dabei eine zweistufige Strategie, um die Festkörpertechnologie zu industrialisieren. Derzeit betreibt der chinesische Automobilkonzern bereits eine Pilotlinie mit einer Kapazität von 0,2 GWh für die Vorserienfertigung. Ab September 2026 möchte man erste Fahrzeuge mit Batterien ausrüsten, die eine Energiedichte von 350 Wh/kg erreichen und Reichweiten von über 1.000 Kilometern ermöglichen. Während diese erste Generation noch auf einem Verbund aus Oxid-Polymer-Elektrolyten basiert, ist für Dezember 2027 die Erprobung einer vollständig festkörperbasierten Variante geplant.
Optisch erinnern die aktuellen Testfahrzeuge an die eπ-Reihe (etwa den 007). Die Anbindung an die neue „Mach-Ultra“-Plattform ermöglicht dabei sehr kurze Ladezeiten. Dank einer 1.200-Volt-Architektur soll es möglich sein, in nur fünf Minuten Strom für rund 450 Kilometer nachzuladen. Parallel dazu hat die Forschung an Sulfid-Zellen begonnen, die langfristig eine Energiedichte von bis zu 500 Wh/kg anstreben.
Belastbarkeit bei extremen Temperaturen
Ferner liegt ein Schwerpunkt der aktuellen Entwicklung vor allem auf der Temperaturstabilität. In Tests behielten die Dongfeng-Festkörperzellen bei -30°C mehr als 72% ihrer Kapazität, was deutlich über den Werten herkömmlicher NCM-Batterien liegt. Ebenso zeigte die Technik im oberen Temperaturbereich ihre Vorteile. Folglich absolvierten sie einen Thermokammertest bei 170°C erfolgreich, wobei die Zellen die gesetzlichen Anforderungen von 130°C weit übertreffen. Hongqi konnte diesen Wert bei seinen eigenen Tests sogar noch übertreffen. Die dort verwendeten Zellen überstanden im Rahmen eines Thermal Abuse-Tests eine thermische Belastung von 200°C ohne Anzeichen eines unkontrollierten Brandverhaltens. Diese thermische Robustheit ist eine Grundvoraussetzung, um die hohen Ströme der neuen „Mach-Ultra“-Plattform zu verarbeiten, die mit einer 1.200-Volt-Architektur auf extrem kurze Ladezeiten ausgelegt ist.
Hongqi: Vom Labormodell zum fahrbaren Prototyp
Die Luxusautomarke Hongqi vollzog zudem mit dem SUV-Modell Tiangong 06 den Schritt in den realen Fahrbetrieb mit dem SUV-Modell Tiangong 06. Nach 470 Tagen Entwicklungsarbeit integrierte das Unternehmen ein funktionsfähiges Batteriepaket in das Serienfahrzeug, das zuvor ausschließlich mit konventionellen Lithium-Batterien betrieben wurde. Das inhouse entwickelte System nutzt 60-Ah-Zellen auf Sulfid-Basis und erreicht eine Energiedichte von etwa 380 Wh/kg. Dabei wurde eine Ionen-Leitfähigkeit von über 10 mS/cm erzielt, was die Effizienz der Energieübertragung innerhalb der festen Substanz deutlich steigert. Im Gegensatz zu reinen Labortests steht bei diesem fahrbereiten Prototyp der Alltag im Vordergrund, daher prüfen die Techniker und Ingenieure nun auf der Straße, wie die Batterie-Module auf Erschütterungen, Schlaglöcher und die ständigen Lastwechsel beim Beschleunigen und Bremsen reagieren.
Die Herausforderungen der Systemintegration
Durch die Straßentests rückt nun vor allem die praktische Umsetzung in den Fokus. Es reicht nicht mehr aus, dass die Zellen im Labor funktionieren; sie müssen nun als komplettes Paket in den Unterboden des Fahrzeugs passen. Wichtig ist nun die mechanische und elektrische Integration. Die Ingenieure arbeiten dabei vor allem an der Gewichtsoptimierung der Gehäuse und an einer stabilen Isolierung des gesamten Hochvoltsystems. Sowohl Dongfeng als auch Hongqi nutzen ihre Pilotlinien, um diese Fertigungsschritte zu verfeinern, bevor eine spätere Massenproduktion möglich ist. Ziel ist es, die Technologie ab Ende 2027 zunächst in Oberklasse-Modellen und Kleinserien marktreif einzuführen, bevor sie für den breiten Markt verfügbar gemacht wird.
Quellen / Weiterlesen
Hongqi testet Festkörperbatterie im Tiangong 06 unter Alltagsbedingungen | Speedme
Dongfeng expects to begin mass production of solid-state batteries offering 1,000 km range in Sept 2026 | CnEVPost
Hongqi Rolls Out Tiangong06 Prototype With Solid-State Battery | BatteryTech Network
FAW Hongqi Successfully Rolls Off First All-Solid-State Battery Prototype Vehicle | Gasgoo
Bildquelle: © Dongfeng Motor Company

