Erneut rote Zahlen: Wie geht es 2017 mit Tesla weiter?

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tesla-jahreszahlen-2016Tesla hat die Zahlen für das 4. Quartal 2016 vorlegt. Wie erwartet hat der kalifornische Autobauer erneut einen Verlust eingefahren. Im Vergleich zum Vorjahreswert sank dieser immerhin von 320,4 auf 121,3 Millionen Dollar, die Umsätze stiegen stark um 88 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar. Das Jahr 2017 wird das wichtigste Jahr in der Geschichte des Unternehmens: Gehen Elon Musks hochfliegende Pläne auf?

Alles hängt am Tesla Model 3

ludicrous-mode-tesla-model-3Tesla hat viel vor dieses Jahr. In der noch nicht fertiggestellten Gigafactory in Kalifornien ist die Massenproduktion von Batteriezellen angelaufen. Ihr Erfolg gilt als entscheidend für das ambitionierte Ziel, das neue Tesla Model 3 schon ab 35.000 US-Dollar am Markt anzubieten. Das Mittelklassefahrzeug soll Tesla endlich in die Gewinnzone bringen und das Unternehmen als Massenhersteller etablieren. Bei der Produktion liege man im Zeitplan, bekräftigte Elon Musk bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen: Der Tesla-Hoffnungsträger soll wie geplant ab Juli gebaut werden. Bis 2018 plant Musk die Produktion von einer halben Million Elektroautos pro Jahr, bis 2020 soll diese Zahl auf eine Million anwachsen. Im letzten Jahr waren keine 80.000 Fahrzeuge vom Band gerollt.

Nebenbei will Musk Tesla zum ersten vollintegrierten Energiekonzern der Welt umbauen. Solarspeicher fertigt Tesla bereits, nun sollen nach der Übernahme des angeschlagenen Solarunternehmens SolarCity auch Dach-Solaranlagen hinzukommen. Am Ende soll ein Unternehmen entstehen, das Solaranlagen, Speicher und Elektromobilität aus einer Hand anbietet. Die nun genehmigte Fusion war hochumstritten, da sich Tesla nach Ansicht von Experten mit SolarCity nur ein weiteres kostspieliges Projekt aufgehalst hat, dessen kurzfristiger Erfolg mehr als unsicher ist. Dabei läuft schon das Kerngeschäft von Tesla nach wie vor nicht wie geplant. Im letzten Quartal konnte der Autobauer seine selbst gesteckten Ziele bei den Fahrzeugauslieferungen erneut nicht erreichen. Statt der geplanten 25.000 Fahrzeuge gingen nur 22.200 an die Kunden, das Jahresziel wurde so ebenfalls verfehlt. Tesla begründete dies unter anderem mit Produktionsverzögerungen, verursacht durch den Umstieg auf neue Hardware für das Assistenzsystem Autopilot.

Keine Prognosen für 2017, neue Kapitalerhöhung steht im Raum

Darüber, ob Tesla den Energiemarkt nachhaltig verändern kann oder spektakulär scheitern wird, sind sich Analysten daher uneiniger denn je. Eine neue Kapitalerhöhung steht im Raum. Zwar habe man genug Geld für die Markteinführung des Tesla Model 3 zur Verfügung, doch um das Risiko zu vermindern, könnte eine Kapitalerhöhung sinnvoll sein, so Musk. Der Tesla-CEO verzichtete diesmal auch auf eine Prognose für die Absatzerwartungen 2017. Stattdessen wollte er sich nur für das erste Halbjahr festlegen: Zwischen 47.000 und 50.000 Elektrofahrzeuge vom Tesla Model S und Tesla Model X wolle man absetzen. Im zweiten Halbjahr beginnt die Produktion des Tesla Model 3 mit neuen potentiellen Problemen und Verzögerungen. Indem sich Musk jetzt nicht festlegt, vermeidet er negative Presse wegen erneut nicht erreichter Ziele.

Den Anlegern reicht Musks Optimismus aus

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tesla-gigafactoryDie Anleger scheinen vertrauen Tesla jedoch weiterhin, die Aktie stieg nach der Bekanntgabe der neuen Zahlen um 3 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier um fast 30 Prozent zugelegt. Hoffnung geben vor allem die fast 400.000 Vorbestellungen für das Tesla Model 3 – dessen endgültige Version noch nicht einmal vorgestellt wurde – sowie ein neues Werbevideo für die Gigafactory, in dem bei den Batterien von einer Kostensenkung von 35 Prozent die Rede ist. Bisher war Tesla davon ausgegangen, die Kosten pro Kilowattstunde von jetzt „unter 190 Dollar“ um weitere 30 Prozent senken zu können. Die neue Prognose spricht dafür, dass die gerade anlaufende Massenproduktion in der Fabrik vielversprechend und nach Plan verläuft. Trotz dieser positiven Signale sind die Unternehmensziele und das damit verbundene Risiko riesig. In diesem Jahr wird sich zeigen, ob Elon Musk am Ende doch zu hoch gepokert hat.

Quellen / Weiterlesen:
Tesla sieht sich auf Kurs – Deutsche Welle
Tesla liegt beim Model 3 im Zeitplan – Spiegel Online
Tesla-Jahreszahlen: 2017 wird das Schicksalsjahr für Elon Musk – Wirtschafts Woche
Wird das Geld bei Tesla knapp? Elon Musk zieht Kapitalerhöhung in Erwägung – Aktie rauscht ab – Finanzen.net
Bildquelle: Pixabay

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Stephan Hiller

Stephan Hiller ist erfahrener Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

2 KOMMENTARE

  1. alle reden über fehlende Gewinne bei Tesla aber keiner der großen Automobilhersteller der Welt hat es gewagt eine neue Technik und komplett neues Fahrzeug ohne staatliche Förderung zu bauen.
    unsere Premiumhersteller und Weltmarktführer haben auch keine Ladestruktur für ihre Fahrzeuge weltweit aufgebaut. Risiko und Kosten waren ihnen zu hoch.
    Nun soll der Staat und der Steuerzahlern den Konzernen die Ladestruktur finanzieren.
    Sie wollen weiter ihre Diesel und Benzinstinker verkaufen und scheuen nicht vor Gesundheitsschäden an der Bevölkerung und Umwelt zurück. Hauptsache Aktionäre und Manager verdienen an der alten Antriebstechnik. Auch 15 Tausend Tote durch vom Verkehr verursachte Krankheiten wie Asthma, Herzkreislauf und Lärmbelästigung Tag und Nacht sind ihnen egal.

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