Harte Kriterien für Mieterstrom gibt es immer weniger. Erfahrene Anbieter können fast bei allen Gebäude- und Nutzungsarten Mieterstrommodelle realisieren. Der Ökoenergieversorger Polarstern beispielsweise hat Mieterstrom klassisch im Neubau umgesetzt, aber auch schon bei Sanierungen von Bestandsgebäuden, bei denkmalgeschützten Häusern, großen Quartieren und Bürokomplexen sowie im Betreuten Wohnen.

Wichtiger im Sinne einer effizienten Mieterstromversorgung ist weniger die Gebäudeart als vielmehr, dass lokal möglichst viel erzeugter Strom genutzt wird. Hier haben Mischgebäude, sprich Gebäude mit gemischter Haushaltsstruktur sowie Quartiere Vorteile.

Auch aus gesellschaftlicher Sicht werden Bauprojekte immer gemischter angelegt. Die soziale, aber auch die wirtschaftliche und funktionale Mischung machen eine Gegend lebendig. So verbessert das Nebeneinander von Wohnen, Einzelhandel, Gewerbe und öffentlichen Einrichtungen in einem Gebäude bzw. Quartier nicht nur eine effiziente Mieterstromversorgung, sondern fördert auch die Lebensqualität und verringert unter anderem das Verkehrsaufkommen.

Verbesserte Nutzung des erzeugten Stroms

Neben der Integration von Anlagen zur Wärmeversorgung und der Mobilität, profitiert Mieterstrom von gemischten Wohn- und Nutzungsformen. Wenn alle zur gleichen Zeit Strom benötigen, kommt die Erzeugung naturgemäß schneller an ihre Kapazitätsgrenzen. Sind die Bedarfsschwankungen innerhalb eines Tages geringer, kann mehr lokal erzeugter Strom genutzt werden.

Positiven Einfluss darauf haben verschiedene Wohnungsgrößen, die zu unterschiedlichen Haushaltsgrößen und -typen führen. Auch die Nutzungsart verändert den Direktverbrauch der erzeugten Energie, also ob geförderter Wohnungsbau, Eigentümergemeinschaften mit Haupt- und Zweitwohnsitzen, gewerbliche oder institutionelle Nutzung. Je gemischter die Struktur ist, umso ausgewogener ist typischerweise der Energiebedarf.

Beispiele für Mieterstrom in Mischgebäuden

Ein klassisches Beispiel für ein Wohngebäude mit verschiedenen Wohnungsgrößen sind die Gebäudekomplexe des Quartiers Lok.West in Esslingen. Dort entstehen fünf Wohn- und Geschäftsgebäude mit ca. 500 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen, die eine Größe von etwa 20 bis zu 150 Quadratmetern haben. Damit ist die Mieterstromversorgung mit PV-Anlagen und zum Teil Blockheizkraftwerken so aufgestellt, dass jedes Gebäude für sich den Energiebedarf gut deckt. Eine gebäudeübergreifende Vernetzung der Energieerzeugungsanlagen ist derzeit nicht erforderlich. Sie kann aber, je nach Entwicklung der Bewohnerstruktur, nachträglich realisiert werden. Der Autarkiegrad liegt bei rund 60 Prozent.

Auch die Kombination aus gefördertem Wohnungsbau und Gewerbeeinheit kann sich wunderbar ergänzen, wie ein Beispiel aus München zeigt. Hier werden 65 Wohn- und Gewerbeeinheiten mit Mieterstrom versorgt. Unterstützt wird ein hoher Direktverbrauch durch einen zusätzlichen Stromspeicher und Wärmepumpen. Nach Verbrauchsprognosen liegt der Autarkiegrad bei etwa 50 Prozent.

Ein Paradebeispiel für eine gemischte Nutzung ist auch das Quartier Future Living Berlin. Ziel ist es, dass die Bewohnerstruktur ein Abbild der heutigen Gesellschaft ist – vom jungen Manager über mehrköpfige Familien bis hin zu pflegebedürftigen Senioren. Die 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen in den fünf Gebäuden haben eine Größe von 37 bis 139 Quadratmetern. Eine möglichst hohe Nutzung des erzeugten PV-Stroms unterstützt die Mischung aus 90 Wohneinheiten, 10 Gewerbeeinheiten und einem Ausstellungsbereich mit Caféteria. Auch die Integration weiterer Anlagentechnik wie Wärmepumpen, Speicher und Ladestationen für Elektroautos sowie Smart-Home-Lösungen fördern die Nutzung der lokal erzeugten Energie. Insgesamt werden nach aktueller Schätzung rund 38 Prozent des Strombedarfs der Gebäude sowie 57 Prozent des gesamten Wärmebedarfs vor Ort erzeugt.

Fazit: Mieterstrom und die Vorteile gemischter Wohn- und Nutzungsformen sind zwei sich befruchtende Trends einer modernen Gesellschaft.

Quellen / Weiterlesen

Bildquelle: © Panasonic Europe
Manuel Thielmann
Manuel Thielmann arbeitet in der Geschäftsentwicklung von Polarstern. Er ist Ansprechpartner für die konzeptionelle Entwicklung und die praktische Umsetzung von Eigenstrom- und Mieterstromprojekten in ganz Deutschland. Sein Schwerpunkt ist die Integration verschiedener Energie- und Speichertechniken in dezentrale Energiekonzepte. Zuletzt hat er u.a. am Lehrstuhl für Elektrische Energiespeichertechnik der TU München die Integration von Batteriespeichern in Mehrfamilienhäusern erforscht.

1 KOMMENTAR

  1. Im Zusammenschluss von lokalen Clustern in Verbindung mit Erzeugung und Speicherung, angeschlossen an das Verbundnetz, sehe ich das größte Potential in punkto Wirtschaftlichkeit und als Beitrag zur Energiewende.
    Hier spielt der der Gleichzeitigkeitsfaktor eine entscheidende Rolle und ermöglicht eine optimale Nutzung der Resourcen.

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