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Das neue Esslinger Quartier Lok.West erfüllt nicht nur die Anforderungen an die Klimaneutralität des Gebäudes, es ist auch das erste Quartiersobjekt, bei dem mit einem Elektrolyseur „grüner Wasserstoff“ gewonnen wird. Die Herstellung des Wasserstoffs erfolgt aus Überschüssen der dezentralen Stromerzeugung.

Ein Elektrolyseur mit der Leistung von 1 MWel nimmt dazu aus den PV-Anlagen und den BHKWs des Quartiers überschüssig erzeugte Strommengen auf, die nicht direkt zur Versorgung benötigt werden. Mit dieser Energie wird im Elektrolyseur die Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff unterstützt. Der erzeugte Wasserstoff wird in eine Abfüllstation geleitet und steht so Tankstellen und lokalen Unternehmen zur Verfügung. Damit unterstützt das neue Quartier die Energiewende auch in der städtischen Mobilität. Die bei der Elektrolyse anfallende Abwärme wird zudem über ein Nahwärmenetz direkt im Quartier genutzt.

Außerdem kann bei Bedarf ein geringer Teil des Wasserstoffs in den BHKWs des Quartiers rückverstromt und somit zur Energieversorgung der Haushalte eingesetzt werden. Damit dient der Elektrolyseur entsprechend des Ansatzes Power-to-Gas-to-Power gewissermaßen auch als Stromspeicher.

Netzdienlicher Betrieb und Bilanzkreisoptimierung

Maßnahmen, die das Stromnetz stabilisieren, gewinnen mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien an Bedeutung. Hier bietet die Nutzung von netz- und marktbasierten Stromüberschüssen wie hier im Quartier Lok.West eine Chance, Erzeugungs- und Lastspitzen im Stromsektor einander anzupassen.

„Wir zeigen einen Weg, wie auch die volatilen erneuerbaren Energien netzdienlich in ein Versorgungssystem eingebunden werden können“, sagt Professor Dr. M. Norbert Fisch. Er ist neben dem Ökoenergieversorger Polarstern und den Stadtwerken Esslingen Teilhaber der Green Hydrogen Esslingen, die die Energieversorgung des Projekts verantwortet. „Der Energieträger Wasserstoff spielt hierbei eine entscheidende Rolle – und mit Hilfe der Green Hydrogen Esslingen werden wir nachweisen, dass die Produktion von ‚grünem Wasserstoff‘ auch auf Quartiersebene alltagstauglich umsetzbar ist.“

Professor Norbert Fisch geht nach aktuellen Berechnungen davon aus, dass täglich 400 Kilogramm Wasserstoff produziert werden können. Das sei eine Menge, mit deren Hilfe 400 wasserstoffangetriebene Autos 100 Kilometer fahren könnten.

Energieeffizientes Gebäudekonzept

Die vier Wohnblöcke werden nach hohen wärmeschutztechnischen Standards errichtet. Auch wird in Mieterstromangeboten und integrierten Ladestationen für Elektrofahrzeuge weitestgehend lokal erzeugte erneuerbare Energien zur Eigenversorgung genutzt. Insgesamt soll rund 50 Prozent Einsparung sollen gegenüber der Energieeinsparverordnung (ENEV 2014) erreicht werden. Lok.West erhielt bereits 2011 das goldene Vor-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).

Das gesamte Projekt „ES-West-P2G2P“ ist eines von sechs Leuchtturmprojekten, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) aus mehr als 60 Bewerbungen ausgewählt wurde. Damit erhält es eine Förderung im Rahmen des Förderschwerpunktes „Solares Bauen / Energieeffiziente Stadt“.

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Bildquelle: © RVI GMBH

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Manuel Thielmann
Manuel Thielmann arbeitet in der Geschäftsentwicklung von Polarstern. Er ist Ansprechpartner für die konzeptionelle Entwicklung und die praktische Umsetzung von Eigenstrom- und Mieterstromprojekten in ganz Deutschland. Sein Schwerpunkt ist die Integration verschiedener Energie- und Speichertechniken in dezentrale Energiekonzepte. Zuletzt hat er u.a. am Lehrstuhl für Elektrische Energiespeichertechnik der TU München die Integration von Batteriespeichern in Mehrfamilienhäusern erforscht.

2 KOMMENTARE

  1. Ganz großes Kino: Wasserstoffspeicherung in Wohngebäuden. Ein Glück, dass sich keiner mehr daran erinnert, was seinerzeit in Fukushima die bübsch medienwirksamen Explosionen verursacht hat. Und im Durchschnitt 400 Kilogramm Wasserstoff pro Tag allein aus dem Überschuss der eigenen Solarzellen – wer soll den dieses Märchen glauben?

    Klar, die 100 Mio. Euro Fördergelder, welche die Bundesregierung für den Bereich nachhaltige Stadtentwicklung ausgelobt hat, muss man natürlich irgendwie auf den Kopf hauen. Aber mit sozialem Wohnungsbau hat das Ergebnis sicherlich nichts zu tun.

    Aber wer sich die Energiewende nicht leisten kann, der hat hier in diesem Vorreiterland halt auch nix zu suchen.

  2. Soweit ich weiss, laufen ahnliche wasserstoffbetriebene energieautarke Projekte schon in der Marconistrasse in Augsburg und in Vargarda in Schweden.

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