Warum läuft die Anschaffung von Elektroautos so schleppend?

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anschaffung-elektroautos-schleppendDie Bundesregierung will den Absatz von Elektroautos ankurbeln, doch die seit Mai 2016 verfügbare Kaufprämie für Elektroautos scheint ihr Ziel zu verfehlen. Bis Oktober wurden gerade 5.000 Elektroautos und Plug-In-Hybride gefördert, obwohl pro Jahr genug Geld für 100.000 Förderfälle (Umweltbonus) zur Verfügung steht. Derzeit rollen rund 60.000 Stromer über Deutschlands Straßen. Vom Ziel, ihre Zahl bis 2020 auf eine Million zu erhöhen, ist man weit entfernt. Warum entscheiden sich die Deutschen trotz hoher Zustimmungsraten beim Thema Elektromobilität nur sehr zögerlich zum Kauf? Welche Kritik an der Kaufprämie für Elektroautos gibt es?

Elektroautos sind nach wie vor teurer als Benziner

Die drei Hauptgründe, die seit eh und je für die Kaufzurückhaltung verantwortlich gemacht werden, sind Preis, Infrastruktur und Reichweite. Zwar sind Elektroautos nach wie vor teurer als Modelle mit Verbrennungsmotor. Doch ihr Preis ist in den letzten Jahren deutlich gesunken und wird aufgrund der Fortschritte bei der Batterietechnologie in den nächsten Jahren noch weiter zurückgehen. Im Moment jedoch sind einer Studie des europäischen Dachverbands der Verbraucherschutzorganisationen (BEUC) zufolge die Gesamtkosten für ein durchschnittliches Elektroauto in den ersten vier Jahren noch rund 2.000 bzw. 4.000 Euro höher als bei Benzinern bzw. Dieselfahrzeugen. Die höheren Anschaffungspreise werden demnach noch nicht durch die einfachere Wartung und günstigere Betriebskosten ausgeglichen. Doch schon 2024 sollen die Gesamthaltungskosten der Stromer laut Studie in den ersten vier Jahren mit denen von Benzinern vergleichbar sein, wenn nicht sogar darunter liegen. Die Gesamtkosten beinhalten Kaufpreis, Wiederverkaufserlös, Kraftstoff, Wartung sowie Versicherung und Steuern.

Die Zahl der Ladestationen muss wachsen

Doch noch entscheidender als der Preis dürfte bei den potentiellen Käufern der schnelle Ausbau der Ladeinfrastruktur sein. Aktuellen Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zufolge standen Mitte 2016 deutschlandweit insgesamt 6.517 öffentliche Ladesäulen zur Verfügung. Vor allem Schnell-Ladesäulen werden benötigt, mit denen die Fahrzeugbatterie je nach Größe teilweise in unter einer Stunde wieder vollgeladen werden kann. Und gerade in Innenstädten muss die Zahl der Ladesäulen schnell wachsen, damit Elektroauto-Besitzer ohne eigene Garage das Aufladen beim Einkaufen oder Restaurantbesuch nebenbei erledigen können.

Die aktuelle Reichweite von Elektroautos muss erhöht werden

Der Hauptgrund für den schleppenden Absatz dürfte jedoch die aktuelle Reichweite der Elektrofahrzeuge sein. Doch die sogenannte Reichweitenangst sollte bald der Vergangenheit angehören. Etliche Hersteller haben für die nächste Zeit Modelle mit Reichweiten von 400 bis 500 Kilometern mit einer Akkuladung angekündigt – Tendenz steigend. Dazu gehört die nächste Generation des Nissan LEAF, die 2018 mit einer 60 kWh-Batterie auf den Markt kommen soll. Auch der Renault Zoe und der Opel Ampera-e, die beide schon für 2017 angekündigt sind, sollen 400 bzw. 500 (Norm)Kilometer schaffen. Selbst wenn die Alltagsreichweite etwas darunter liegt, dürfte dem durchschnittlichen Pendler ein Ladevorgang pro Woche genügen. VW zieht ebenfalls nach: Das für 2020 geplante Modell des e-Golf soll sowohl beim Preis als auch bei der Reichweite einem Diesel-Golf entsprechen.

Verkaufen sich Elektroautos wegen der angekündigten höheren Reichweiten so schlecht?

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Eine interessante Frage dabei ist, ob die aktuelle Kaufzurückhaltung der Deutschen gerade auf die angekündigten Reichweitenverbesserungen zurückzuführen ist. Warten potentielle Käufer noch ab, bis die neuen, verbesserten Modelle auf dem Markt sind, wie einer unserer Leser anmerkte? Die Süddeutsche Zeitung folgt ebenfalls dieser Theorie: Die meisten Verbraucher hielten sich zurück, obwohl die Kostennachteile schon heute durch die staatliche Förderung ausgeglichen werden, heißt es dort. Die Autokäufer warteten ab, bis die Stromer noch billiger, die Reichweite größer und die Ladeinfrastruktur besser werde.

Doch diese Haltung könnte den Durchbruch der Elektromobilität verlangsamen, warnt die Zeitung: Gerade das Spekulieren auf niedrigere Preise aufgrund sinkender Batteriekosten in den nächsten zehn Jahren, wie sie von den Autoherstellern versprochen würden, könnte zu einem Preispoker zwischen Kunden und Herstellern führen, dessen Folgen nicht abzusehen seien. Es sei möglich, dass Elektromobilität weiterhin nur langsam wachse und die Nachfrage dann ganz plötzlich ansteige. „Elektromobilität ist wie eine Ketchup-Flasche. Wir wissen, dass etwas kommt. Aber wir wissen nicht, wann und wie viel es sein wird“, wird Daimler-Vertriebsvorstand Ola Källenius zitiert.

Quellen / Weiterlesen:
Kaufprämie für Elektroautos ist ein Flop! | Energyload
Elektroautos werden so günstig wie Benziner | Süddeutsche.de
Energiewende auf Rädern – Elektroautos für alle | Süddeutsche.de
Umweltprämie für Elektroautos: Keiner will das geschenkte Geld | tagesschau.de
Renault-Manager: „Vergessen Sie das Thema Reichweite – es ist keines mehr“ | ecomento.tv
Warum Deutschland keine Elektroautos mag. Drei Gründe der Zurückhaltung | Auto Eder
Reichweite soll steigen: Autohersteller feilen an nächster Elektroauto-Generation | N24.de
Bildquelle: Wikipedia – User D0li0 on en.wikipediaACP tzero., CC BY-SA 3.0


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