Nach der EEG-Reform: Solaranlagen lohnen sich immer noch

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nach-eeg-reform-solaranlagen-attraktivSigmar Gabriel (SPD) war im Mai 2012 als Wirtschafts- und Energieminister noch von der Zukunft der Sonnenenergie überzeugt. Jedoch schon zwei Jahre darauf sorgte er mit dem Erneuerbaren Energien-Gesetz für Aufsehen. Dieses trat am 01.08.2014 in Kraft. Hierin wurden nur noch Solarkraftwerke mit einer Leistung von 2,5 GW pro Jahr gefördert. Betreiber größerer Anlagen sollten dagegen für ihren selbst verbrauchten Strom einen Teil der EEG-Umlage selbst bezahlen. Ebenso sank auch die Vergütung für Solarstrom, den die Anlagenbetreiber in das öffentliche Netz zurückspeisten. Von den 50 Cent, die im Jahr 2000 gezahlt wurden, sind heute nur noch max. 12,6 Cent übriggeblieben. Fast unbemerkt änderte sich auch die Versorgung von Mietwohnungen mit Solarstrom. Nun ist es an der Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen und festzustellen, wie sich das EEG auf die Lage bei Unternehmen, Mietern und Hausbesitzern ausgewirkt hat.

Sind Solaranlagen noch attraktiv?

Vertreter der Wirtschaft machen deutlich, dass die Abgabe auf den Eigenverbrauch größerer Anlagen die Amortisationszeit insgesamt nur um sechs Monate auf nunmehr neun Jahre verlängert habe. Kleinere Anlagen auf Privathäusern sind von dieser Regelung ausgenommen. Solarstrom lohnt sich immer dann, wenn die Besitzer dieser Anlagen den Strom möglichst selbst verbrauchen und den Bezug von Netzbetreibern reduzieren können. Solarbatterien, welche durch die KfW gefördert werden, können den Eigenverbrauch noch deutlich erhöhen. Recht beliebt sind eigene Solaranlagen bei Supermärkten, die tagsüber den meisten Strom für die Kühlgeräte im Laden benötigen. Auch bei Mittelständlern und in der Schwerindustrie lohnt sich immer noch der Eigenverbrauch von Solarstrom. Die Anlagen würden erst dann unwirtschaftlich, wenn die Abgabe auf den Eigenverbrauch noch weiter erhöht würde.

Mieter haben leider das Nachsehen

Die Solarstromanbieter beteuern, dass durch die EEG-Umlage nun mehr Überzeugungsarbeit beim Kunden geleistet werden muss. Neuprojekte seien schwerer an den Mann zu bringen. Auf die Anbieter ist zudem viel mehr Arbeit zugekommen. In jedem Fall muss einzeln berechnet werden, ob und wie sich eine Anlage für den neuen Betreiber lohnt.

Vor der EEG-Reform profitierten zum Beispiel die Mieter von Solarstrom, wenn auf den Mietshäusern Anlagen errichtet waren und sie von dort den Strom abnahmen. Im Vergleich zum Strom von den örtlichen Netzbetreibern zahlten sie bis zu 2 Cent weniger pro kWh. Wegen der EEG-Umlage müssen sie nun aber wenigstens 6,24 Cent/kWh aufbringen. Dennoch lohnen sich auf den Dächern von Mietshäusern Solaranlagen immer noch. Dies zeigt der Ökostromanbieter Naturstrom aus Düsseldorf. Auf den Mietshäusern seiner Kunden ist der Strom immer noch etwas günstiger als aus der Steckdose. Zudem ist der Solarstrom keinen Preisschwankungen des Marktes unterworfen. Ganz so einfach ist die Rechnung jedoch nicht. Einige Netzbetreiber wären durchaus günstiger als Solarstrom, wenn sie nicht eine so hohe Grundgebühr nehmen würden. Bei Solarstrombetreibern fallen nämlich Netzgebühren und andere Abgaben weg, da der Strom direkt vom Dach kommt.

Ein weiteres Manko ist der hohe Konkurrenzdruck unter den Strom-Discoutern in manchen Großstädten. Diese würden mit günstigen Angeboten auch Mieter wieder auf ihre Seite ziehen, so dass sich die Solarstromprojekte auf den Mietshäusern nicht mehr lohnen. Die Ökostromanbieter sehen es zudem als Ungleichbehandlung an, weil ihre Mieter rund 6 Cent/kWh mehr bezahlen müssen und Eigenheimbesitzer mit eigener Anlage nicht.

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Sinkende Einspeisevergütung ist ein Problem der Solarenergie

Nicht nur eine Abgabe auf den Eigenverbrauch sorgt für Unmut, sondern auch die sinkende Einspeisevergütung für Sonnenstrom. Die Bundesnetzagentur hat schon angekündigt, die Einspeisevergütung nicht mehr weiter zu senken, da der Zubau im letzten Jahr unter der im EEG-Gesetz vorgesehenen Leistung von 2,5 GW gesunken sei. Insgesamt werden in Deutschland nicht mehr so viele Neuanlagen installiert wie in den Jahren zuvor. Dies war aber auch schon vor dem Erlass des EEG-Gesetzes bemerkbar geworden. Verständlicherweise ist die Anzahl der Betreiber von Großanlagen über 10 kW rückläufig geworden. Schließlich sind diese nicht mehr bereit, auf ihren selbstproduzierten Strom eine hohe Abgabe zu leisten. Bei neu installierten Systemen sank daher der Anteil von ursprünglich 30% auf 20%. Luc Graré, Marketing-Chef von REC – Renewable Energy Corporation, macht deutlich, dass insbesondere gewerbliche Kunden in dieser Zeit verunsichert sind, ob sich große Solaranlagen überhaupt noch lohnen.

Fazit

Unabhängig von der Einspeisevergütung und sinkender Einspeisetarife lohnt sich Solarstrom für all diejenigen immer noch, die den größten Teil dieser Energie selbst verbrauchen, insbesondere unter Nutzung von einem Stromspeicher. Strom aus der Steckdose ist wesentlich teurer.

Bildquelle: © Dieter Braun / pixelio – www.pixelio.de

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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