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Das bequeme Laden zuhause ist für E-Autofahrer gerade in den Städten eine große Herausforderung. Die Anzahl an Ladestationen in Wohngebieten ist gering und die Mehrheit der Gebäude ist für die Installation eigener Ladestationen nicht gerüstet: Es fehlt vieles, vom entsprechenden Hausanschluss, dem Messkonzept bis hin zur Abrechnung.

Die Umsetzung von Mieterstrom bei Gebäudesanierungen und im Neubau ist daher ein wichtiger Treiber der sektorenübergreifenden Energiewende. Zumal sich ein vernetztes Energiekonzept inklusive Lademöglichkeiten von lokal erzeugtem Solarstrom sowohl für Immobilienbesitzer, als auch für die Bewohner lohnt: Es unterstützt die energieeffiziente Versorgung, senkt die Stromkosten und steigert den Immobilienwert. Wir beim Öko-Energieversorger und Mieterstrom-Dienstleister Polarstern realisieren inzwischen praktisch nur noch Mieterstromprojekte mit Ladestationen.

Effizienzvorteile durch das Laden von PV-Strom

Ladestationen in das Energiekonzept von Mehrparteienhäusern zu integrieren hat den Vorteil, dass Überschussstrom im Gebäude genutzt wird. Das ist für Betreiber von PV-Anlagen mit über 40 Kilowatt Peak deutlich attraktiver als das Einspeisen des Stroms ins öffentliche Netz. Zumal mit dem neuen Energiesammelgesetz eine Sonderkürzung der EEG-Vergütung für Anlagen dieser Größe beschlossen wurde. Die Förderung liegt damit seit April 2019 bei 8,9 Cent pro Kilowattstunde.

Mit Elektroautos, die große zusätzliche Stromverbraucher sind, steigt der Eigenverbrauch und damit die Wirtschaftlichkeit der Anlagentechnik. Außerdem bieten sich mit der Errichtung von Ladestationen weitere Einnahmequellen für den Immobilienbesitzer. Indem die Stromgestehungskosten deutlich unter den Netzstromkosten liegen, kann das Laden von Solarstrom zu Preisen angeboten werden, die für die Bewohner deutlich attraktiver sind als das Laden an öffentlichen Ladestellen. Genauso sind zusätzliche Services etwa im Bereich des E-Car-Sharings möglich.

In Zukunft helfen die Batterien der Elektroautos den Direktverbrauch zu erhöhen und damit die Stromkosten der Mieter weiter zu senken. Schließlich können parkende E-Autos Stromüberschuss abnehmen und speichern und ihn bei Strombedarf wieder an die Haushalte abgeben. Dieses bidirektionale Laden wird in Feldstudien bereits erprobt. Gerade in Mieterstromprojekten mit mehreren Ladestationen könnten so erhebliche Speicherkapazitäten bereitgestellt werden. Elektroautos haben inzwischen Batteriegrößen von durchschnittlich rund 30 bis 40 kWh und mehr. Da kommt schon bei 10 Ladestationen einiges zusammen.

Ladestationen steigern den Immobilienwert

Immer mehr Deutsche interessieren sich für Elektroautos und auch die Zulassungszahlen steigen deutlich. Im ersten Halbjahr 2019 wurden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum laut Kraftfahrt-Bundesamt rund 80 Prozent mehr Elektrofahrzeuge zugelassen. Die Nachfrage nach Ladestationen vor Ort steigt damit automatisch. Zumal rund 80 Prozent der Elektroautobesitzer bevorzugt zuhause sowie am Arbeitsplatz laden.

Auf die zunehmende Nachfrage nach Ladestationen in Mehrfamiliengebäuden reagiert inzwischen auch der Gesetzgeber und es werden Änderungen im Gesetz zur Förderung von Barrierefreiheit und Elektromobilität im Miet- und Wohnungseigentumsrecht diskutiert. Frühestens nach der Sommerpause soll mit dem Abschlusspapier einer Arbeitsgruppe zu rechnen sein.

Ladestationen mit BHKW-Strom versorgen

Ladestationen im Gebäude können nicht nur mit Strom aus Photovoltaikanlagen, sondern auch aus BHKWs versorgt werden. Dies steigert die Flexibilität der Versorgung, da ein BHKW vor allem dann Strom erzeugt, wenn die Bewohner zuhause sind – also auch abends und nachts.

Unterstützung durch Gewerbespeicher

Um einen möglichst hohen Anteil des erzeugten Solarstroms auch für die Energieversorgung zu nutzen, werden zusätzlich Gewerbespeicher in den Gebäuden installiert. Volker Dietrich, Sales Manager der VARTA Storage, berichtet: „Gewerbespeichersysteme müssen heute nicht nur den Solarstrom optimal nutzbar machen, sondern auch hohe elektrische Leistungsanforderungen am Netzanschlusspunkt erfüllen, um beispielsweise die Schnellladung von Elektroautos zu ermöglichen.“ Das erfordere flexible Speichersysteme, die sowohl geringe, als auch hohe Lade- und Entladeleistungen bei variierenden Kapazitäten effizient bereitstellten.

Intelligente Vernetzung der Ladestationen

Bei der energieeffizienten Versorgung der Elektroautos mit lokalem Solarstrom hilft eine intelligente Vernetzung der Stationen mit der Erzeugungsanlage. Auch wird mit einem dynamischen Lastmanagementsystem der verfügbare Solarstrom fair auf alle zu ladenden Elektroautos verteilt und teure Lastspitzen beim Netzbezug für den Reststrom vermieden.

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Quellen / Weiterlesen
Bildquelle: Pixabay
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Manuel Thielmann
Manuel Thielmann arbeitet in der Geschäftsentwicklung von Polarstern. Er ist Ansprechpartner für die konzeptionelle Entwicklung und die praktische Umsetzung von Eigenstrom- und Mieterstromprojekten in ganz Deutschland. Sein Schwerpunkt ist die Integration verschiedener Energie- und Speichertechniken in dezentrale Energiekonzepte. Zuletzt hat er u.a. am Lehrstuhl für Elektrische Energiespeichertechnik der TU München die Integration von Batteriespeichern in Mehrfamilienhäusern erforscht.

1 KOMMENTAR

  1. „In Zukunft helfen die Batterien der Elektroautos den Direktverbrauch zu erhöhen und damit die Stromkosten der Mieter weiter zu senken. Schließlich können parkende E-Autos Stromüberschuss abnehmen und speichern und ihn bei Strombedarf wieder an die Haushalte abgeben.“
    Das halte ich für eine gewagte Hypothese. Sie setzt mindestens voraus, dass die Besitzer der Elektroautos dazu bereit sind, ihr Fahrzeug grundsätzlich nur tagsüber laden zu lassen – und trotzdem am Morgen mit einem teilweise oder ganz leeren Akku dazustehen. Inwieweit das zudem ohne (nennenswerten) finanziellen Anreiz funktioniert, wird sich erst noch zeigen müssen.

    Davor stehen aber die Investitionen für die Ladeinfrastruktur, die selbstverständlich auf alle Mieter umgewälzt wird – und insbesondere dann reine Belastungen darstellen, wenn die Mieter gar kein Elektroauto besitzen. Dann treibt so eine Investition lediglich die eh schon gewaltigen Mieterbelastungen nur noch zusätzlich in die Höhe.

    „Außerdem bieten sich mit der Errichtung von Ladestationen weitere Einnahmequellen für den Immobilienbesitzer.“
    Das bedeutet im Klartext: Nicht nur die reinen Investitions-, Wartungs- und Reparaturkosten werden auf die Mieter umgelegt, sondern beim Strombezug aus den selbst finanzierten Anlagen werden sie nochmal zur Kasse gebeten. Für den Vermieter ergibt sich damit obendrein das Interesse, im Sinne der Gewinnoptimierung den Wohnraum grundsätzlich nur an Mieter zu vergeben, die auch über ein eigenes Elektroauto verfügen.

    Wer sich noch nicht einmal ein Elektroauto leisten kann, ist als Mieter allerdings sowieso schon länger uninteressant.

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