Die Firma Kreisel Electric aus Oberösterreich wurde 2014 von drei Brüdern in einer Garage gegründet. Heute ist Kreisel Electric ein innovatives Batterie-Start-up mit eigener Fabrik und in den Bereichen Elektromobilität, Heimspeicher und Ladeinfrastruktur unterwegs. Wir stellen das Unternehmen und seine Produkte vor.

Alles begann in einer Garage

Angefangen hat alles mit Umrüstungen. Das erste Projekt der Brüder Johann, Markus und Philipp Kreisel war es, einen Audi A2 zum Elektroauto umzubauen. Damals noch nach Feierabend, denn die drei arbeiteten noch in Vollzeit in anderen Berufen. Den Audi mit Batterien auszustatten, dauerte zwar nur eine Woche. Doch die Reichweite von 100 Kilometern reichte den Brüdern nicht, zudem war das Fahrzeug zu schwer.

Als nächstes nahmen sich die Kreisels einen Porsche 911 vor. Nach einem halben Jahr hatte dieser eine Motorleistung von 180 kW und kam mit einer 65 kWh-Batterie etwa 400 Kilometer weit. Interessanterweise wog der elektrifizierte Porsche mit guten 1,5 Tonnen sogar weniger als das Original. Mit diesem Fahrzeug stellten sich die drei bei Herstellern vor – und erhielten schon bald ihren ersten Auftrag von einem Chinesen, der ein Luxus-Taxi für Peking bauen lassen wollte. Es wurde schnell klar: Das ist kein Hobby mehr.

2014 gründeten die Brüder die Kreisel Electric GmbH und entwickeln seitdem in Vollzeit ihre innovative Batterietechnologie, das Kreisel Battery Pack.

Das Kreisel Battery Pack

kreisel-elektroautoDie Kreisel-Akkus bestehen aus Rundzellen auf Lithium-Ionen-Basis, wie sie auch Tesla einsetzt. Rundzellen können mehr Energie speichern als Flachzellen, allerdings sind sie auch schwieriger zu verbauen. Hier hat Kreisel eine eigene Lösung entwickelt. Ein spezielles Laserschweißverfahren verringert die Widerstände zwischen den Zellen. So kann deutlich mehr Energie genutzt werden und die Batterien sind bei gleicher Größe leistungsfähiger.

Der zweite wichtige Punkt ist das spezielle Temperaturmanagement des Kreisel Battery Packs. Die Batterien werden von einer Spezialflüssigkeit umspült, die entweder kühlt oder heizt. Das hält die Batterie immer auf einer optimalen Betriebstemperatur, auch bei hoher Beanspruchung wie starker Beschleunigung, Schnellladen oder bei niedrigen Außentemperaturen. Dadurch erhöhen sich die Sicherheit und die Lebensdauer der Batterie. Sie lässt sich auch schneller laden: Laut Kreisel dauert Schnellladen auf 80 Prozent nur 18 Minuten, in 30 Minuten ist die Batterie wieder voll.

Die Kreisel-Batterie eignet sich deshalb besonders für High Performance-Anwendungen und für den Motorsport.

Die Schnell-Ladestation Chimero

kreisel-electricMit dem Chimero hat Kreisel eine Elektroauto-Ladestation mit integriertem Stromspeicher entwickelt. Die Ladestation ist schnellladefähig, ohne die Netze zu belasten. Der eingebaute Batteriespeicher mit 75 kWh wird stetig mit Netzstrom oder aus erneuerbaren Energiequellen geladen und gibt die Energie bei Bedarf per AC-Ladung (Typ2) mit 22 kW oder DC (per CCS oder CHAdeMO) mit bis zu 160 kW ab.

Durch den internen Pufferspeicher entsteht keine zusätzliche Belastung für das Stromnetz, und Betreiber sparen die hohen Netzanschlusskosten. Denn Chimero ist eine Plug&Play-Lösung ohne besondere Anforderungen an das Versorgungsnetz. Die Installation einer netzgebundenen Schnellladesäule ist dagegen wegen der hohen Kosten momentan nicht attraktiv. Hier setzt Chimero an. Die Ladesäule könnte etwa von Einzelhandelsketten eingesetzt werden, wo Kunden während ihres Einkaufs ihr Elektroauto laden können.

Der Heimspeicher Mavero

kreisel-pv-akkuDer Mavero ist der erste Heimspeicher aus dem Hause Kreisel und wird in zwei Größen mit 6 oder 12 kWh gebaut. Er speichert Energie aus erneuerbaren Quellen und erhöht zum Beispiel den Eigenverbrauch an selbst erzeugtem Solarstrom. Bisher gibt es den Mavero allerdings noch nicht zu kaufen, über die Kreisel-Website kann man bisher lediglich Interesse bekunden. Der Heimspeicher soll aber demnächst über einen Partner in größeren Stückzahlen produziert werden, hieß es im April 2019.

Eröffnung der ersten Kreisel Batteriefabrik

kreisel-ladestation-chimero2017 eröffnete Kreisel Electric eine eigene Batteriefabrik mit 800.000 Kilowattstunden Produktionskapazität im Jahr. In Rainbach in der Nähe von Linz betreiben die drei Brüder eine Werkstatt für den Bau von Prototypen und eine automatisierte Fertigungslinie für ihre Battery Packs. Diese können in Elektroautos, elektrischen Nutzfahrzeugen wie E-LKW und Bussen, sowie in Boot- oder Flugzeug-Kleinserien und in Heimspeichern eingesetzt werden. Das Unternehmen hat inzwischen 125 Mitarbeiter.

Kreisel Electric strebt jedoch keine Massenproduktion an, sondern will sich auf die Entwicklung konzentrieren. Das Start-up will nur kleinere Bestellungen wie Prototypen oder Kleinserien bis 500 Stück bedienen. Unternehmen können allerdings die Lizenz am Kreisel Battery Pack erwerben und dieses selbst herstellen.

Großes Interesse an den Kreisel-Innovationen

kreisel-battery-packKreisel Electric erhielt bereits diverse Auszeichnungen für seine Innovationen und arbeitet mit vielen Großkonzernen zusammen. Weltweit bekannt wurde das Unternehmen auch deshalb, weil Arnold Schwarzenegger eine von Kreisel elektrifizierte Mercedes G-Klasse fährt. Zudem ist sein Neffe Patrick Knapp-Schwarzenegger mit 15 Prozent an Kreisel Electric beteiligt.

Zu Jahresanfang 2019 gab es Gerüchte, Kreisel Electric stecke in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Brüder wiesen dies mehrfach zurück und verweisen auf ihr enormes Wachstum in den letzten Jahren. Aktuell ist Kreisel an einem Praxistest eines auf Elektroantrieb umgerüsteten Mercedes-Sprinter in Österreich beteiligt. Ziel der Projektpartner ist es, eine Kleinserienproduktion für Elektrotransporter für den städtischen Güterverkehr anzustoßen.

Quellen / Weiterlesen

Lösungen für eine elektrifizierte Welt | Kreisel Electric
Kreisel Electric | Wikipedia
Kämpft Kreisel Electric tatsächlich mit finanziellen Schwierigkeiten? | Factory
Bilderquelle: © KREISEL ELECTRIC GMBH & CO KG
Prof. Dr. Johann Nagengast
Nach Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und Promotion zum Thema „Outsourcing von Dienstleistungen“ an der Universität Regensburg war Johann Nagengast in verschiedenen internationalen Unternehmen in führenden Positionen tätig. Seit 2001 ist er Professor für Internationales Management und Project Management an der Technischen Hochschule Deggendorf. Als Trainer, Coach und Berater ist er intensiv in verschiedenen internationalen Projekten tätig. Seine Schwerpunkte liegen in der praxisnahen und pragmatischen Vermittlung und unternehmensspezifischen Anwendung aller Aspekte des Projektmanagements.

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