VW und Shell wollen Elektromobilität in der EU blockieren

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vw-shell-elektromobilitaet-eu-blockierenVW und Shell wird vorgeworfen, die Pläne der EU zur Förderung von Elektroautos und effizienteren Antrieben behindern zu wollen: Sie verlangen eine stärkere Ausrichtung der Autoindustrie auf Biosprit, wie der britische Guardian berichtet. Kürzlich veröffentlichten Shell und VW eine von der Unternehmensberatung Roland Berger im Auftrag der „Auto Fuel Coalition“ durchgeführte Studie, die unter anderem eine stärkere Nutzung von Biosprit nahelegt, eine Kennzeichnung von Autos hinsichtlich ihrer CO2-Emissionen und den Handel mit Emissionsrechten in der EU. Der Auto Fuel Coalition gehören neben VW und Shell auch Daimler, Honda, Toyota sowie verschiedene Biosprit- und Ölfirmen an. Die EU legt derzeit neue Zielvorgaben zur Treibstoffeffizienz für 2025 und 2030 fest, um die Pariser Klimaziele zu erreichen.

VW: Höherer Anteil an Biosprit unerlässlich

Glaubt man EU-Quellen, würden die vorgeschlagenen Maßnahmen eine sinnvolle Regulierung der Treibhausemissionen im Automobilsektor für mehr als 10 Jahre unmöglich machen. Shell hingegen beteuerte gegenüber dem Guardian, die EU-Pläne nicht behindern zu wollen. Der neue VW-Entwicklungschef Ulrich Eichhorn sagte in Brüssel bei der Vorstellung der Studie, Plug-In-Hybride und effizientere Autos seien „Bausteine“ der Zukunft, in der Zwischenzeit sei aber ein höherer Anteil an Biosprit nötig. Moderne Diesel- und Erdgasantriebe seien für die Erreichung der CO2-Ziele bis 2020 unbedingt nötig und würden auch danach zur Reduzierung von Treibhausgasen beitragen. Die Kosten für die Gesellschaft müssten bei der Erreichung der Klimaziele von Paris so gering wie möglich bleiben. Die Studie von Roland Berger beinhaltet eine Reihe pessimistischer Annahmen hinsichtlich der Kosten höherer Treibstoffeffizienz, die CO2-Bilanz von Biokraftstoffen wird in der Studie dagegen positiv bewertet. Eine kürzlich von der EU durchgeführte Untersuchung ergab allerdings, dass manche Biotreibstoffe dreimal so hohe Emissionen verursachen wie Diesel.

Studie geht von gleichbleibend niedriger Nachfrage nach Elektroautos aus

Eine Quelle innerhalb der EU äußerte sich gegenüber dem Guardian wie folgt: „Die beiden Wirtschaftszweige haben ihre gemeinsame Interessenlage erkannt.“ Angesichts der Geldgeber der Studie sei das Ergebnis vorhersehbar gewesen. Ein Sprecher von Shell sagte dagegen: „In dem Bericht steht nichts, das man als den Versuch interpretieren könnte, Elektroautos zu stoppen.“ Befürworter der Elektromobilität verweisen unter anderem auf die 400.000 Vorbestellungen für Teslas Model 3 und den Vorstoß der niederländischen Regierung, Benzin- und Dieselfahrzeuge bis 2025 zu verbieten. In Deutschland wurde ebenfalls vor wenigen Tagen die Kaufprämie für Elektroautos beschlossen. Dafür werden 1,2 Milliarden Euro bereitgestellt. Dennoch geht die Roland-Berger-Studie von einer dauerhaft niedrigen Nachfrage nach Elektroautos in den nächsten 10 Jahren aus. Dr. Christoph Wolff von der Stiftung European Climate Foundation (ECF) sagte dem Guardian: „In China, Norwegen und den Niederlanden schreitet die Elektrifizierung rapide voran. Die EU-Gesetzgeber müssen sich auf bindende Maßnahmen einigen, um den Automobilsektor zur Entwicklung von Produkten zu bringen, die in diesem schnell wachsenden Marktumfeld wettbewerbsfähig sind.“

Shell setzt auf Biosprit als Treibstoff der Zukunft

Saudi-Arabien hat kürzlich erklärt, bis 2030 unabhängig vom Öl werden zu wollen. Auch die Kosten für erneuerbare Energien sinken immer weiter. Doch Shell hält an  Flüssigtreibstoffen fest und erwartet, dass Verbrennungsmotoren noch viele Jahre lang den größten Teil Anteil am Transport haben werden. Der niederländische Ölriese investiert in Brasilien stark in Ethanol und setzt auf Biosprit als einen wichtigen Treibstoff der Zukunft. Regierungen seien finanziell gefordert, um die Technologie zu unterstützen und das Anlagerisiko zu senken.

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Emissionsziele können nur durch weitere Elektrifizierung des Transportsektors erreicht werden

Der Straßenverkehrssektor ist derzeit für 20 Prozent der EU-weiten Treibhausemissionen verantwortlich. Die derzeitigen EU-Pläne sehen eine 60-prozentige Verringerung der Transportemissionen bis 2050 vor. Ab 2021 dürfen Neuwagen nicht mehr als 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Um die Emissionen auf null zu senken, muss der Transportsektor weiter elektrifiziert werden und der Strom in großem Umfang aus erneuerbaren Quellen kommen.  Carlos Calvo Ambel, Analyst bei der Organisation Transport and Environment sagte dem Guardian, die EU würde ihre Treibhausziele komplett verfehlen, wenn sie den Vorschlägen in der Studie Folge leisten würde. Autohersteller, Ölfirmen und Biosprit-Produzenten versuchten verzweifelt, die EU von der Verpflichtung auf Treibstoffeffizienz-Standards, der Förderung der Elektromobilität und anderen dringend notwendigen Maßnahmen abzubringen, sagte er.

Quellen / Weiterlesen:
VW and Shell accused of trying to block EU push for electric cars | Environment | The Guardian
Volkswagen and Shell Argue for Biofuels Over Electric – Governors‘ Biofuels Coalition | Governors‘ Biofuels Coalition
Bildquelle: © Rainer Sturm / pixelio – www.pixelio.de

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

2 KOMMENTARE

  1. Ich verstehe unsere deutsche Automobilindustrie nicht, dass sie sich absolut weigern in die eForschung zu investieren. Vor allem VW, die nach dem „Stinkerskandal“ eigentlich mal etwas für ihre weiße Weste tun könnten (wenn sie denn doch mal der größte und stärkste Automobilhersteller der Welt werden wollen).
    Es mag aus heutiger Sicht vielleicht ok an Biosprit zu denken. Aber diese Denkweise kann maximal ein Autolebenszyklus von 10 vielleicht 12 Jahre dauern und lediglich als Übergangslösung oder Lückenfüller bis die vollständige Elektrifizierung des Automobilsektors vollzogen ist. Aber wie mein Vorredner schon geschrieben hat, generieren wir uns damit neue Probleme und Biosprit darf das keine flächendeckende Lösung für unsere automobile Zukunft in Europa sein.
    Ich finde Tesla macht das derzeit sehr gut. Und auch den Hybridmodellen von Toyota kann ich etwas abgewinnen, weil Toyota sich gerade sehr viel Wissen um die Leistungsfähigkeit der Akkus aufbaut. Denn auch die Hybrid Modelle können maximal eine Übergangslösung sein.

  2. Jetzt lassen sie die Katze aus dem Sack.

    Jede weiß, dass Biosprit überhaupt keine Lösung ist:
    – Ein Hektar Biosprit-Pflanzen „ernährt“ etwa ein Verbrenner-Auto,
    – Ein Hektar Solarenergie „ernährt“ 100 Elektro-Autos.
    – Da also das 100-Fache an Land gebraucht würde, explodieren die Nahrungsmittelpreise,
    – Mit Windenergie sieht es noch besser/schlimmer aus (je nach Sichtweise):
    – Windräder brauchen so gut wie gar keinen Platz am Boden,
    – „Ernähren“ aber noch mehr Autos:
    – Eine 8-MW-WKA erzeugt etwa 16.000 MWh pro Jahr,
    – Ein eAuto braucht etwa 2 MWh pro Jahr,
    – Ergibt also 8.000 Autos, die von einer einzigen 8-MW-Anlage „ernährt“ werden.

    Es klingt plakativ verkürzt, ist aber völlig korrekt:

    BROT GEHÖRT AUF DEN TELLER UND NICHT IN DEN TANK!

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