Steht ein Mangel an Lithium-Ionen-Batterien bevor? Der Bedarf steigt stetig, doch schon jetzt reicht die Produktionskapazität teilweise nicht aus, um genügend Batterien für Elektroautos zu liefern. Hinzu kommen mögliche Engpässe bei der Rohstoffversorgung.

Ansätze für eine Batteriezellproduktion in Europa

Zwischen 2020 und 2030 könnte sich die Nachfrage nach Li-Io-Batterien verzehnfachen, schätzt das Marktforschungsunternehmen IDTechEx. Weltweit planen Autohersteller, ihre Flotten zu elektrifizieren, allein VW will bis 2025 insgesamt 1,5 Millionen Elektroautos herstellen. Der Autobauer hat sich deshalb mit dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt zusammengetan, um Batteriezellen am Standort Salzgitter zu produzieren. Zu Beginn soll die jährliche Produktionskapazität bei 16 Gigawattstunden liegen.

Damit will VW sich unabhängiger von großen asiatischen Batterieherstellern machen. Aus diesem Grund werden immer mehr Projekte gestartet, um eine Zellproduktion in Europa zu etablieren. Die EU treibt dieses Ziel mit den großen europäischen Batteriekonsortien „Summer“ und „Autumn“ voran.

Autohersteller berichten von fehlendem Batterienachschub

Bis auf weiteres kommen die meisten Batteriezellen allerdings aus Asien. An Li-Io-Zellen für Elektrobikes oder elektronischen Geräten besteht kein Mangel, doch bei Batterien für Elektroautos könnte es bald anders aussehen. Und hier besteht auch die größte Nachfrage. IDTechEx schätzt, dass einige der größten Batteriehersteller, darunter LG Chem, Panasonic, Samsung und CATL, zusammen im Jahr 2019 nicht genug Zellen produziert haben, um die Nachfrage aus der Elektroauto-Herstellung zu decken.

So ließe es sich auch erklären, dass einige Autohersteller von Engpässen bei der Batterieversorgung berichtet haben. Kurzfristig dürften weiterhin Engpässe bei Lithium-Ionen-Zellen für Elektroautos auftreten, doch mit umfangreichen Investitionen in den Bau weiterer Gigafactorys dürfte sich das nach 2021/22 erledigt haben, erwartet IDTechEx.

Problemrohstoff Kobalt

Während die Zellproduktion also nicht für Engpässe verantwortlich sein dürfte, sind Rohstoffe ein anderes Thema. Hier geht es vor allem um die wichtigsten Batterierohstoffe Lithium und Kobalt. Während Lithium in verschiedenen Gegenden der Welt verfügbar ist, droht eine Knappheit vor allem bei Kobalt. Hier stammt der größte Teil aus dem Bürgerkriegsland Kongo. Wegen der dort verbreiteten Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen wollen viele Batteriehersteller kein Kobalt mehr aus dem Kongo beziehen. Außerdem steigt der Preis des Rohstoffs auf dem Weltmarkt an, eine Entspannung ist nicht in Sicht.

Um hier Engpässe zu vermeiden, suchen Batteriehersteller nach Möglichkeiten, den Kobaltanteil in Batteriezellen zu verringern oder Zellen ganz ohne Kobalt zu entwickeln. CATL bietet inzwischen auch Eisenphosphat-Batterien (LFP) an, die kein Kobalt enthalten. Tesla soll für seine China-Produktion an diesen Batterien sehr interessiert sein. Unabhängig davon arbeitet Tesla selbst daran, mit Produktionspartner Panasonic den Kobalt-Anteil in den eigenen Batteriezellen zu reduzieren. Nicht zuletzt wird künftig auch Batterierecycling dabei helfen, Engpässe bei der Rohstoffversorgung zu verhindern.

Quellen / Weiterlesen

Could There be a Li-Ion Battery Shortage? | Electric Vehicles Research
Li-ion Batteries 2020-2030 | IDTechEx
Bildquelle: Public Domain Pictures.net

2 KOMMENTARE

  1. Kobalt kommt selbst im Kongo zu über 80 % aus reellem Anbau ohne Kinderarbeit. Mit steigendem Anteil.

    Dass Familien(!) aufgelassene Minen weiter ausbeuten für ihren Unterhalt, ist der Regierung schon länger ein Dorn im Auge. Die großen Einkäufer beziehen eh nur von den großen Firmen.

    Würden sich die Leute genauso über Kinderarbeit in anderen Branchen wie Textil aufregen, wäre viel getan.

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