Was sich die deutsche Autoindustrie nicht traut, macht die Konkurrenz aus China vor: Der chinesische Batteriehersteller CATL hat mit dem Bau seiner Gigafabrik in Thüringen begonnen. Dort soll Anfang 2022 mit der Herstellung von Lithium-Ionen-Batteriezellen für Elektroautos anlaufen. CATL investiert in den nächsten Jahren 1,8 Milliarden Euro in das Projekt.

Der Standort in Thüringen ist für CATL strategisch günstig

CATL ist einer der größten Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien weltweit. Weil die deutschen Hersteller ihre Batteriezellen nicht selbst herstellen, sondern ohnehin aus Asien importieren, hatte sich CATL Mitte 2018 entschieden, einen Produktionsstandort in Europa aufzubauen. Die Wahl fiel auf Arnstadt bei Erfurt, weil sich vom Gewerbegebiet „Erfurter Kreuz“ aus alle deutschen Autohersteller innerhalb von vier Stunden erreichen lassen.

BMW hat bereits eine Bestellung bei CATL aufgegeben und kauft Batteriezellen im Wert von 4 Milliarden Euro. Aus der Fabrik in Arnstadt sollen dabei Zellen für 1,5 Milliarden Euro kommen. Andere Kunden des chinesischen Herstellers sind Bosch und Volvo. Der Standort in Erfurt dürfte auch für VW und Porsche in Zwickau und Leipzig sowie für Nissan und Renault interessant sein.

Die Zellproduktion wird der Nachfrage nach Elektroautos angepasst

Nach und nach sollen in der Batteriefabrik 2.000 Jobs entstehen, die ersten Stellen sind schon ausgeschrieben. Wenn die Fabrik Anfang 2022 die Produktion aufnimmt, kann das Werk 14 Gigawattstunden Batteriezellen pro Jahr herstellen. Später sollen es 24 GWh sein, perspektivisch sogar bis zu 100 GWh. CATL will die Produktion je nach Nachfrage der Autohersteller hochfahren. Es hängt also Ende davon ab, wie schnell sich Elektroautos verkaufen.

„Große Chance für Thüringen“

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee sieht die Batteriefabrik von CATL als große Chance für das Bundesland. Thüringen investiert vor allem in Jena selbst in die Batterieforschung. Dank der Fabrik könnte das Land zu einem der wichtigsten europäischen Standorte für Batterietechnologie aufsteigen, so die Hoffnung von Tiefensee.

Deutsche Autobauer sind von asiatischen Zellherstellern abhängig

Wenn CATL in Thüringen erfolgreich ist, dürfte der Druck auf die deutsche Autoindustrie weiter wachsen, ihre Batteriezellen selbst herzustellen. Dass die Hersteller bei den Batteriezellen komplett von Asien abhängig sind, stört auch die Politik. Die hiesigen Hersteller dürften sich nicht abhängig machen, heißt es immer wieder. Autozulieferer Bosch hat seine Pläne für eine eigene Zellfertigung wegen der hohen Investitionen wieder aufgegeben. Auch andere Hersteller scheuen das Risiko.

VW hat allerdings inzwischen eine Pilotfertigung von Batteriezellen in Salzgitter errichtet. Der Autobauer plant, gemeinsam mit dem schwedischen Unternehmen Northvolt in Salzgitter eine eigene Zellfabrik zu bauen.

Quellen / Weiterlesen

Spatenstich für Milliardenprojekt im Industriegebiet Erfurter Kreuz | Thüringer Allgemeine
Baubeginn für milliardenschwere chinesische Batteriezellen-Fabrik in Deutschland | RND
CATL prescht mit Batterie-Zellfabrik in Deutschland vor | heise online
Bildquelle: flickrDirk Adams
Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

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