linkedin

Das schwedische Start-up Northvolt will Europas größte Zellfabrik bauen. Zwei ehemalige Tesla-Manager wollen so das größte Problem der europäischen Autoindustrie lösen: Die sichere Versorgung mit Lithium-Ionen-Batteriezellen, dem Kern jedes Elektroautos. Unterstützung bekommt Northvolt unter anderem von Volkswagen und Siemens.

Batteriezellen sind ein riesiger Markt

„Wir sehen den Markt in Europa im Jahr 2025 bei mindestens 200 Gigawattstunden“, sagt Peter Carlsson, einer der beiden Gründer von Northvolt. Gemeint ist der Bedarf an Batteriekapazität auf dem europäischen Markt, wenn die Elektromobilität an Fahrt aufnimmt. Damit dieser Bedarf nicht ausschließlich von asiatischen Batterieherstellern gedeckt wird, wird der Ruf nach einer europäischen Produktion immer lauter. Die hiesige Industrie soll sich möglichst unabhängig von Samsung, LG Chem und Panasonic machen.

So will Northvolt asiatischen Batterieriesen die Stirn bieten

Deshalb gründete Peter Carlsson im Jahr 2015 das Start-up Northvolt, gemeinsam mit seinem ehemaligen Kollegen Paolo Cerruti. Für Teslas erste Gigafactory in Nevada baute Carlsson einst die Lieferkette für Batterierohstoffe auf. Noch ist Northvolt ein kleines Unternehmen: Das im schwedischen Västerås ansässige Start-up hat im Moment rund 200 Mitarbeiter, die in einer Fabrik und einem Forschungslabor arbeiten. Doch schon nächstes Jahr will Northvolt mit 2.000 bis 2.500 Mitarbeitern Batteriezellen in Skellefteå herstellen, einer kleinen Stadt in Nordschweden. Dort gibt es nicht nur billige erneuerbare Energie, sondern auch die wichtigen Batterierohstoffe Nickel, Lithium und Kobalt.

Zu Beginn soll die Jahresproduktion acht Gigawattstunden betragen und nach Fertigstellung der Fabrik auf 32 Gigawattstunden steigen. Diese Menge an Batteriezellen reicht für gut 640.000 Elektroautos mit einer Durchschnittsbatterie von 50 Kilowattstunden Kapazität. Und diese erste Fabrik ist nur der Anfang. Northvolt plant weitere Zellfabriken in Europa, wobei auch Deutschland als Standort im Gespräch ist. Die Konkurrenz ist schon vor Ort: Der chinesische Hersteller CATL beginnt dieses Jahr mit dem Bau einer Batteriezellfabrik in Thüringen.

Um der Konkurrenz aus Asien etwas entgegenzuhalten und eine wettbewerbsfähige Produktion aufzubauen, braucht Northvolt Know-how und vor allem Geld. Insgesamt rund vier Milliarden Euro, wovon bis Jahresmitte 1,6 Milliarden zusammenkommen sollen. Northvolt hat sich um Fördermittel des Bundeswirtschaftsministeriums für die Massenproduktion von Batteriezellen beworben. Bis zu einer Milliarde Euro will Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bereitstellen, um die Zellproduktion nach Europa zu holen. Auch die EU stellt Fördermittel für die Zellforschung und -Entwicklung bereit. Die Testlinie von Northvolt wurde bereits mit einem Kredit der europäischen Investmentbank EIB gefördert.

Gemeinsames Forschungskonsortium mit Volkswagen angekündigt

Für seine Pläne hat Northvolt gerade einen prominenten Partner gewonnen. Volkswagen will die Zellproduktion in Europa zusammen mit den Schweden vorantreiben. Der Konzern plant eine Elektro-Offensive, und dafür braucht er Batteriezellen. Dabei zieht VW auch eine eigene Fertigung in Betracht, etwas, womit die meisten anderen Autohersteller noch zögern. Zusammen mit weiteren Partnern gründen Northvolt und VW deshalb das Konsortium „European Battery Union“, das die gesamte Wertschöpfungskette von Batterien von den Rohstoffen bis zum Recycling abdecken will. Das Ziel ist die gemeinsame Produktion von Batteriezellen. Das Konsortium will seine Forschungsaktivitäten Anfang 2020 starten.

Namhafte Unterstützer aus der Industrie

Unterstützung bekommt Northvolt außerdem von Industriegrößen wie Siemens und ABB, die bei den Themen Robotik, Prozess- und Energietechnik, Automatisierung und digitale Fabrik mithelfen. Denn die geplanten Fabriken werden Batteriezellen vollautomatisiert produzieren. Siemens und ABB investieren außerdem jeweils etwa zehn Millionen Euro in Northvolt. Im Gegenzug hofft Siemens auf Folgeaufträge, wenn Northvolt weitere Fabriken baut, und strebt eine Partnerschaft bei der Lieferung von Batterien an, etwa für Energieanlagen oder Züge. Denn Northvolt will nicht nur Batterien für Elektroautos, E-Busse oder E-LKW bauen, sondern auch für Baumaschinen, Bergbauausrüstung oder Energiespeicher. Weitere Investoren von Northvolt sind der Energieversorger Vattenfall und Scania, die LKW-Sparte von VW.

Neben finanzieller und praktischer Unterstützung haben die beiden Gründer noch etwas anderes Entscheidendes: Das nötige Selbstbewusstsein. „Wir können die Asiaten innerhalb von zehn Jahren übertreffen in Europa“, ist Carlsson überzeugt. Dabei dürfte auch eine Rolle spielen, dass Carlsson und Cerruti während ihrer Arbeit für den Elektroautobauer Tesla gesehen haben, wie man aus dem Nichts ein Unternehmen aufbaut, das eine ganze Industrie aufrüttelt.

>>>> Energyload-Newsletter abonnieren <<<<

Quellen / Weiterlesen

Volkswagen forms European Battery Union with Northvolt | Northvolt
Diese Fabrik soll Europas Batterieproblem lösen | Welt
Northvolt: Finanzierung künftiger Akkufabrik im Fokus | electrive.net
Batterieforschung: VW gründet Konsortium mit Northvolt | Automobilwoche
Bildquelle: © Northvolt AB
TEILEN
linkedin

Ihre Meinung zum Thema? Diskutieren Sie mit uns und anderen Lesern in den Kommentaren.

Wir bleiben an dem Thema dran und werden Sie aktuell informieren. Tragen Sie sich hierzu in unseren Newsletter ein

>>>> Energyload-Newsletter abonnieren <<<<

Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here