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Bosch steigt nicht in die Zellfertigung ein: Diese Entscheidung des Autozulieferers schwächt die künftige Position der deutschen und europäischen Autoindustrie gegenüber asiatischen Herstellern. Zu groß ist die Unsicherheit wegen der hohen Investitionen. Einen Ausweg könnte in einigen Jahren die Festkörpertechnologie liefern.

Eigene Zellfertigung „zu riskant“

Bosch hatte sich lange Zeit genommen mit der Entscheidung um eine eigene Fertigung von Batteriezellen für Elektroautos. Ende Februar gab Bosch-Geschäftsführer Rolf Bulander das Ende der Pläne bekannt und nannte wirtschaftliche Gründe: Allein die Anfangsinvestitionen in eine wettbewerbsfähige und marktrelevante Zellfertigung lägen bei rund 20 Milliarden Euro. Hinzu kämen Betriebskosten in Millionenhöhe. Dies sei zu riskant, sagte Bulander. Bosch will sich stattdessen auf die Herstellung der Schlüsselkomponenten für den E-Antrieb konzentrieren, also Elektromotor, Leistungselektronik und Batteriesysteme. Die Zellen dafür sollen weiterhin zugekauft werden. Auch das Tochterunternehmen Seeo, das Bosch 2015 gekauft hatte, soll wieder abgestoßen werden. Seeo arbeitet an einer Lithium-Festkörperbatterie, die statt Flüssigkeiten feste Polymere enthält. Dieser Batterietyp ist leichter, sicherer und günstiger und hat eine viel höhere Energiedichte als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Diese Technologie ist ein großer Hoffnungsträger, die Akkus sind aber noch nicht marktreif.

Die Zelle entscheidet über die Leistungsfähigkeit des Elektroautos

Dass Bosch aussteigt, ist ein herber Rückschlag. Die Batterie ist das Herzstück und der teuerste und wertvollste Bestandteil jedes Elektroautos, und von der Batteriezelle wiederum hängt die Leistung, die Energiedichte, die Lebensdauer und die Ladefähigkeit der Batterie ab. Damit bestimmt die Batteriezelle die Leistungsfähigkeit des Elektroautos selbst.

EU will europäische Abhängigkeit beenden

Diesen Markt drohen nun weiterhin allein asiatische Hersteller unter sich aufzuteilen. Wenn sich Elektroautos endgültig durchsetzen, hätten europäische Hersteller womöglich das Nachsehen bei Lieferengpässen. Die EU-Kommission bemüht sich deshalb in Gesprächen mit Industrievertretern darum, den Weg für eine europäische Batteriefertigung freizumachen. Energiekommissar Sefcovic fordert mindestens zehn große Batteriefabriken in Europa, und sein Kollege, Forschungskommissar Moedas, kündigte 10 Millionen Euro Preisgeld für die Entwicklung einer sicheren und nachhaltigen Batterie an. Auch Wirtschaftsminister Altmeier forderte mehrere große Zellfabriken und kündigte an, dafür auch „Geld die Hand zu nehmen“.

Zu großer Vorsprung asiatischer Hersteller

Die hohen Anfangsinvestitionen verbunden mit der Unsicherheit, wann sich Elektroautos endgültig durchsetzen, schrecken deutsche und europäische Hersteller jedoch vom Aufbau einer eigenen Zellfertigung ab. Der weltweite Batteriemarkt wird Schätzungen zufolge schon 2025 etwa 250 Milliarden Euro schwer sein, doch auch Bosch begründete den Rückzug damit, dass die führenden asiatischen Hersteller aufgrund ihrer Erfahrung und der automatisierten Produktion signifikante Wettbewerbsvorteile hätten – zumindest bei der Lithium-Ionen-Technologie.

Continental hat Interesse an der Festkörperbatterie

Für die Forschung an der Festkörperbatterie, die Bosch ebenfalls aufgibt, gibt es allerdings noch Hoffnung. Continental hat zumindest Interesse bekundet, diesen Batterietyp inklusive Zellen künftig herzustellen. Auch Conti-Chef Elmar Degenhart sagte in diesem Zusammenhang, bei Lithium-Ionen-Zellen sei der Vorsprung der asiatischen Hersteller viel zu groß. Losgehen könnte es bei Conti ab 2024, allerdings nicht in Deutschland: Die Stromkosten hierzulande seien zu hoch.

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Quellen / Weiterlesen:
Batteriezellen: Bosch setzt auf Zukauf statt Eigenfertigung | Robert Bosch GmbH
Details zur Batteriezell-Entscheidung | Robert Bosch GmbH
Bosch stellt Batteriezellen-Forschung komplett ein | Handelsblatt
Batteriefabrik würde Bosch 20 Milliarden Euro kosten | Frankfurter Allgemeine
Bosch gibt Forschung zu neuen Batteriezellen auf | Süddeutsche Zeitung
Bosch baut keine eigenen Batteriezellen | golem.de
Festkörperzellen für Elektroautos: Continental prüft Akku-Produktion | ecomento.de
Bildquelle: © Robert Bosch GmbH

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3 KOMMENTARE

  1. Schon 1970 war absehbar ,daß die Verbrennungsmotortechnologie an Grenzen stößt .Damals war Mercedes-Benz mit einem Handwerkertransporter auf Basis Hanomag auf der richtigen Spur . Leider wurde damals auf Grund der Fallenden Spritpreise das Konzept nicht weiter verfolgt,dafür hat jetzt der Asiatische Raum die Nase vorne .Daselbe Passiert im Moment mit den Forschungen im Bereich der Lichtensteiner Energieflüssikeitsentwicklung in Verbindung mit NiederspannungsAntrieb.Die Vorteile dieser Technologie sind klar auf der Hand : Ungefährliche Handhabung beim Servis , durch Kleinere Betriebsspannung .Weniger Zellen ( bei 100 Zellen ist die Wahrscheinlichkeit eines Zellenschadens um ein vielfaches höher als bei 12 Zellen ) weniger Ausfallquote geringere Wartungskosten. Dieses Konzept passt der Industrie und den Ölkonzernen möglicherweise nicht ins Konzept , könnte doch jeder Autofahrer seine eigene Energieflüssikeit in der Garage herstellen und in 2 Tanks bunkern.
    Alles in allem sind die Europäischen Großkonzerne zu zögerlich , die Klein und Mittelständischen Betriebe werden teilweise durch mangelndes Kapital ausgebremst .
    Dazu kommt in Deutschland daß es im Bereich der Chemie immer weniger Arbeitsplätze gibt.
    Dadurch sind wir auch bei den Universitäten /Lehre/ Entwicklung auf dem faschen Wege!!
    Von dem notwendigen Wirtschaftswunder der 50/60er Jahre sind wir sehr weit entfernt.

    Horst Kamptmann

  2. Wird wohl enden wie bei AGFA.
    Und hinterher wieder jammern und die
    Anderen schlecht machen.

  3. Schade, dass die deutsche Industrie dies nicht Stemmen vermag.
    Vielleicht kommt ja demnächst Tesla mir einer Gigafabrik in Deutschland.
    Aber vermutlich sind Chinesen schneller.

    Schade Deutschland. Zu Riskant ist es nicht, andere könnens ja auch…

    rog

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