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Das Heizungsunternehmen Viessmann aus dem hessischen Allendorf feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Inzwischen will das Traditionsunternehmen nicht mehr nur Heizungen verkaufen, sondern geht mit der Zeit: Max Viessmann, der das Unternehmen als Juniorchef gemeinsam mit seinem Vater Martin Viessmann leitet, stellt die Weichen auf Digitalisierung und das Smart Home. Dabei kooperiert Viessmann auch mit deutschen Startups.

Kunden wünschen sich mehr Vernetzung auch beim Thema Energie und Wärme

Das hessische Familienunternehmen ist neben Heiztechnik auch mit Kühl- und Energiesystemen erfolgreich. Viessmann hat weltweit über 12.000 Mitarbeiter, der Umsatz liegt bei 2,2 Milliarden Euro. Die Digitalisierung bringt einen Strukturwandel für die gesamte Branche mit sich: Kunden erwarten inzwischen weit mehr als nur den Einbau und die Wartung einer Heizungsanlage. Sie wollen sich unkompliziert über das Internet beraten lassen, ihre Wärmeversorgung von zuhause über das Smartphone steuern und selbst erzeugten Strom einbinden. Sie wünschen sich Technologien, die den Energieverbrauch optimieren und so Geld sparen helfen. Max Viessmann will das Familienunternehmen deshalb in eine neue Richtung steuern und das Geschäftsmodell diversifizieren. Dafür hat Viessmann in diesem Jahr 50 Millionen Euro in ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum am hessischen Stammsitz investiert. Dort sollen neue Systeme für die Energiewende und die Digitalisierung entwickelt werden.

Heizungssteuerung per App

Beim Produktportfolio setzt Viessmann schon jetzt auf Vernetzung. Mit dem WLAN-Modul Vitoconnect und der ViCare-App lässt sich die Heizungsanlage von unterwegs steuern und das Zuhause schon vor dem Heimkommen auf die richtige Temperatur bringen. Außerdem werden Störungen oder notwendige Wartungsarbeiten automatisch an den Fachpartner gemeldet. Idealerweise sollen Fehler oder gar Ausfälle so schon im Vorfeld erkannt und vermieden werden. Die Heizungsanlage lässt sich individuell an den persönlichen Tagesablauf anpassen und programmieren. Außerdem liefert die App Tipps für einen möglichst effizienten Betrieb der Anlage.

Das Traditionsunternehmen setzt auf Kooperationen mit Startups

Über Investitionen in deutsche Startups erhofft man sich bei Viessmann den Zugang zu neuen Innovationen. Mit WATTx hat man in Berlin einen Company Builder geschaffen, wo digitale Talente Ideen und Konzepte im Bereich Internet of Things und Energie entwickeln. Die daraus entstehenden Produkte sind nicht zwangsläufig für Viessmann gedacht, doch das Unternehmen bekommt so einen sehr guten Zugang zu entsprechenden Talenten. Gleichzeitig hat Viessmann in München den Venture-Capital-Fonds Vito Ventures gegründet und beteiligt sich damit an kleineren Startups. Das Ziel: Zugang und Einblick in die Startup-Welt und eine Zusammenarbeit der Startups mit den eigenen Entwicklern, woraus neue Ideen entstehen sollen.

Die Viessmann-Stammbelegschaft soll ins neue Zeitalter mitgenommen werden

Bei der digitalen Transformation des Kerngeschäftes setzt Viessmann darauf, die Stamm-Belegschaft mitzunehmen. Das bedeutet: Fachleute der jeweiligen Bereiche werden in eine neue Digital Business Unit geholt, wo neue Geschäftsmodelle entwickelt werden. Nach einer bestimmten Zeit wird dieses in die bestehende Geschäftseinheit zurückgegeben. Es gibt auch eine Akademie zur Schulung von Mitarbeitern und Kunden, und regelmäßig Gespräche zwischen Mitarbeitern aus dem Bereich Digitalisierung und der Stammbelegschaft über die Auswirkungen der Digitalisierung.

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Quellen / Weiterlesen:
Viessmann ist in den vergangenen zwölf Jahren stark gewachsen | HNA
Digitalisierung für den Mittelstand | Handelsblatt
Bildquelle: © Viessmann Werke

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

3 KOMMENTARE

  1. Seit wann braucht es zum angeblichen Bezug von Ökostrom die Möglichkeit für den Hersteller, alle lokalen Daten abgreifen und weiterverarbeiten zu können?
    Sind Infrarotheizungen wirklich inzwischen so kompliziert, dass eine lückenlose Überwachung durch den Hersteller notwendig ist, während Holz-, Gas- und Ölheizungen problemlos autark funktionier(t)en?
    Kann man tatsächlich nur dann Energie sparen, wenn man gleichzeitig die informationelle Selbstbestimmung aufgibt?
    Und was kommt als nächstes? Die Aufgabe der Demokratie zur Rettung der Menschheit – was ja durchaus in manchen Ideologien bereits umgesetzt wurde und aktuell von „Klimaforschern“ gefordert wird?
    Ich finde es faszinierend, wie großzügig Menschen mit Informationen über sich selbst um sich werfen. Ich vermute aber, dass die meisten von ihnen lediglich erst einmal aus eigener Erfahrung lernen müssen, was das in der Praxis bedeuten kann. So lange diese Leute es wissentlich und freiwillig und nur mit ihren eigenen Daten tun, soll mir das aber egal sein. Wir haben aber längst die Situation, dass der Staat solche Überwachungssysteme per Gesetz vorschreibt (Smart Meter, eCall).
    Gilt diese Demutshaltung gegenüber Datensammlern eigentlich auch gegenüber Gestapo und Stasi? Also waren das auch nur Informationssammler zum Wohle der Menschheit? Und die Leute, die sich nicht nach dem Willen der Mehrheit gerichtet haben, mussten (und müssen) eben die unvermeidlichen Konsequenzen tragen?

  2. Ich bin ein absoluter Fan von intelligenten Heizsystemen. Sie helfen nicht nur Geld zu sparen, sondern sind auch gut für die Umwelt. Wir heizen mit einer Infrarotheizung in Kombination mit Ökostrom und digitalen Thermostaten. Dadurch ist die Raumtemperatur immer total angenehm und wir sparen an Heizkosten. Ich kann diese paranoide Anti-Stimmung einfach nicht verstehen.

  3. Wohin diese „Ditigalisierung“ (was für eine Verharmlosung für die längst grenzenlose Datensammelwut) führen soll, zeigt mal wieder der Vorreiter China:

    http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2017-11/china-social-credit-system-buergerbewertung

    Es ist schon erstaunlich, wie harmlos dagegen der „Überwachungsstaat“ in George Orwells „1984“ erscheint, obwohl der eigentlich eine umfassende Überwachung der Bürger darstellen wollte.

    Und dabei hätten wir in Deutschland doch eigentlich bereits ausreichend Erfahrung aus Gestapo und Stasi gesammelt, auf die wir zurückgreifen könnten.

    Aber so ist das halt bei allen totalitären Systemen: Am Anfang will keiner etwas mitbekommen, dann kann keiner mehr was machen und hinterher will keiner etwas gewusst haben – egal, ob es sich nun um Nazis, Stalinisten oder Öko-Faschisten handelt. Auch die Begründung für diese systematischen Unterdrückungssysteme spielt dabei keine Rolle – egal ob es nun die angebliche Rettung der Evolution der Menschheit, die angebliche Befreiung der „arbeitenden Klasse“, oder die angebliche Rettung der Welt vor der demnächst anstehenden Klimakatastrophe ist.

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