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Bei der Diskussion um Dieselfahrverbote dreht sich alles um Stickoxide. Sie werden zu einem guten Teil von Dieselfahrzeugen verursacht und gelten als stark gesundheitsschädlich. Jedes Jahr werden die europaweiten Grenzwerte in vielen Städten überschritten. Was genau richten Stickoxide im Körper an?

Stickstoffoxid ist ein Reizgas, das in den Augen und den Atemwegen Reaktionen auslöst. Es dringt tief in die Lunge ein, greift dort Zellen an und löst Entzündungen aus. Dies erhöht das Risiko für Allergien und chronische Krankheiten und ist besonders für bereits vorbelastete Menschen ein Problem. Menschen etwa, die schon unter Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Auch Kinder sind besonders gefährdet.

Studie in Jena: Stickoxide erhöhen das Herzinfarktrisiko stark

Es ist ebenfalls belegt, dass Krankenhäuser bei hoher Stickoxid-Belastung mehr Patienten wegen Asthma, chronischer Bronchitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufnehmen. Außerdem besteht ein direkter Zusammenhang zwischen einem Anstieg der Stickoxid-Belastung und der Herzinfarkt-Häufigkeit. Das haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Jena herausgefunden: Sie schauten sich zwischen 2003 und 2010 für knapp 700 Herzinfarkt-Patienten die Schadstoffbelastung der Luft zum Zeitpunkt des Einsetzens der Beschwerden an. Das erschreckende Ergebnis: Wenn sich die Stickoxid-Belastung innerhalb eines Tages um 20 Mikrogramm/m³ erhöhte, stieg das Herzinfarkt-Risiko um 121 Prozent. Wenn der Wert um 8 Mikrogramm anstieg, erhöhte sich das Risiko noch um 73 Prozent. Umgekehrt sank die Zahl der Herzinfarkte um 60 Prozent, sobald die Belastung mit Stickoxid um mehr als 8 Mikrogramm zurückging. Beim Feinstaub war hingegen kein Zusammenhang erkennbar.

Dabei gilt Jena noch als relativ saubere Stadt, die die erlaubten Grenzwerte nur an einigen Tagen im Jahr überschreitet. Dr. Florian Rakers, Seniorautor der Studie am Universitätsklinikum sagte dazu, dass die Auslöser ein ungewöhnlich hohes Verkehrsaufkommen sein könnten oder eine Wetterlage, die Smog begünstigt. Die aktuellen EU-Grenzwerte legen zwar fest, dass die Stickoxidbelastung im Jahresdurchschnitt 40 Mikrogramm/m³ nicht überschritten werden darf. Gleichzeitig sind jedoch Werte von 200 Mikrogramm innerhalb einer Stunde erlaubt. Rakers fordert deshalb Untersuchungen auch in anderen Regionen und in größerem Maßstab, um die EU-Grenzwerte gegebenenfalls um eine dynamische Komponente zu erweitern.

<<< Hier finden Sie alle Beiträge zu Feinstaub, Stickoxide und Luftqualität >>>

Stickoxide können zu Diabetes, Bluthochdruck, Schlaganfällen führen

Die EU führt jährlich 10.000 Todesfälle in Deutschland auf Stickoxide zurück, eine vom Umweltbundesamt beauftragte Studie aus dem Jahr 2014 geht von 6.000 Menschen aus. Die Studie zeigt außerdem, dass Stickoxide neben Atemwegserkrankungen auch im Zusammenhang mit Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Schlaganfällen stehen. Demnach sind acht Prozent der Diabetes mellitus-Erkrankungen im Jahr 2014 auf Stickstoffdioxid zurückzuführen waren. Das sind etwa 437.000 erkrankte Menschen. Bei Atemwegserkrankungen liegt der Anteil mit 14 Prozent und 439.000 Krankheitsfällen noch höher. Um das herauszufinden, hat das UBA viele bestehende epidemiologische Studien ausgewertet: Diese vergleichen Menschen, die einer hohen Stickoxid-Belastung ausgesetzt sind mit Menschen, die einer niedrigeren Konzentration ausgesetzt sind. Dies zeigt zwar keine ursächlichen Beziehungen auf, wohl aber statistische Zusammenhänge zwischen gesundheitlichen Problemen und der Schadstoffbelastung.

Allerdings halten viele Mediziner trotz dieser Ergebnisse nicht Stickstoffoxid, sondern Feinstaub für den viel gefährlichen Schadstoff. Hier spricht die EU nicht von 10.000, sondern von 60.000 Sterbefällen pro Jahr, die damit zusammenhängen. Dieser entsteht zum Beispiel durch Reifenabrieb, stammt aber auch von Benzinfahrzeugen mit Direkteinspritzung. Aus Stickoxiden selbst kann ebenfalls Feinstaub entstehen.

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Quellen / Weiterlesen:
Diesel-Skandal: Was Stickoxide gefährlich macht | Frankfurter Neue Presse
Stickoxide: Auch bei kurzer Belastung gefährlich | Pharmazeutische Zeitung
Stickstoffdioxid führt zu erheblichen Gesundheitsbelastungen | Umwelt Bundesamt
Bildquelle: Pixabay

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

3 KOMMENTARE

  1. Achja Alex1, wie üblich keinerlei Ahnung vom Thema, aber dennoch ein unkontrollierbarer Zwang zur Meinungsäußerung – auch wenn sie wie üblich meilenweit am Thema vorbei geht.
    Dass Sie den Treibhauseffekt kapiert haben, nach dem irgend eine warme Wand hinter dem CO2 dafür sorgt, dass die von der Sonne stammende Energie vervielfacht wird, ist ja durchaus beeindruckend, hat aber mit Wissenschaft nichts zu tun. Dass dann ausgerechnet so jemand andere als Wissenschaftsfeinde betitelt, ist an Absurdität kaum noch zu überbieten.

    Dass die WHO bereits 1959 einen Vertrag mit der IAEO geschlossen hat, wissen Sie wenigstens? In dem wurde vereinbart, dass beide Organisationen sich gegenseitig bei Angelegenheiten von allgemeinem Interesse konsultieren werden, um gemeinsam die Verwirklichung der in ihren jeweiligen Satzungen festgelegten Zielen zu erreichen. Insbesondere erklärt die WHO darin ausdrücklich, dass sie anerkennt, dass es in erster Linie Aufgabe der Internationalen Atomenergie-Organisation ist, Forschung, Entwicklung und praktische Nutzung der Atomenergie für friedliche Zwecke weltweit zu ermutigen, zu fördern und zu koordinieren.
    https://www.iaea.org/publications/documents/treaties/co-operation-agreements-between-agency-and-specialized-agencies-un-system
    Und wie man effektiv weltweit dazu ermutigt, doch statt fossiler Energieträger endlich verstärkt Kernenergie zu nutzen, muss ich ausgerechnet Ihnen ja nicht erklären, denn bei dem Thema fressen Sie der IAEO ja bekanntlich aus der Hand.
    https://www.iaea.org/topics/climate-change

    Außerdem hat die IAEO selbstverständlich auch einen ähnlichen Kooperationsvertrag mit der WMO und der UNESCO geschlossen. Warum wohl?
    https://public.wmo.int/en/about-us/FAQs/faqs-climate
    http://unesco.de/wissenschaft/bis-2009/herne06.html

    Und dass die IAEO aktuell auch noch mit der UNIDO zusammenarbeitet, um eine Grüne Ökonomie zu propagieren, schreibt der Verein ja auch selbst auf seiner Website:
    https://www.iaea.org/technicalcooperation/Partnerships/Relation-UN/index.html

    Es ist letztlich wie bei dem anderen Typen aus Österreich, der ja bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts seine Ansichten und Pläne in einem zweiteiligen Bestseller ausführlich geschildert hat – und trotzdem hat noch 1945 angeblich keiner geahnt, was er vor hatte. Der wusste halt auch schon, wie man mit der dummen Masse umgehen muss, damit sie ihm wie eine Hammelherde hinterher läuft (und auch das beschreibt er ausgiebig in besagtem Bestseller). Das beste Rezept ist und bleibt nunmal: Ängste schüren.

    Aber wem erzähle ich das?

  2. Oh je, war ja zu erwarten, dass unser Wissenschaftsfeind und Klimatroll wieder mal nichts verstanden hat.

    Wer den Treibhauseffekt nicht kapiert, kapiert natürlich auch andere wissenschaftliche Herangehensweisen nicht.

  3. All die genannten „Studien“ habe nicht die Wirkung von Stickoxiden isoliert betrachtet. Sie treffen also überhaupt keine Aussage darüber, ob die beschriebenen Wirkungen tatsächlich von den Stickoxiden selbst, oder von anderen Luftbestandteilen ausgelöst werden. NOx gilt insbesondere als Indikator für die Luftqualität, gerade weil es in der Regel zusammen mit anderen Stoffen auftritt. Eine isolierte Senkung des NOx-Anteils, wie er aktuell gefordert wird, ist also letztlich ein Betrug an den Menschen. Seltsamerweise stören sich daran aber noch nicht einmal die Organisationen, die ansonsten hinter jeder Ecke einen Skandal wittern.
    Im Gegenteil: Der Versuch, die behauptete Wirksamkeit der Stickoxide unter Laborbedingungen zu analysieren, wurde ja erst kürzlich mit erheblichem medialen Rummel und zur Schau gestellten Entrüstung eben jener Organisationen als Todsünde gebrandmarkt. Da gilt wie so oft: Cui bono?
    Stickstoffmonoxid bindet übrigens Ozon. Und Ozon ist nun tatsächlich dafür bekannt, alle möglichen Atemwegserkrankungen auszulösen oder zumindest zu verschärfen.
    Die ganze NOx-Panik, die aktuell mit erheblichem Aufwand erzeugt wird, ist also wissenschaftlich ähnlich fundiert, wie die CO2-Blödelei – und stammt ja auch aus der selben Quelle.
    Warum sich ausgerechnet Personen und Organisationen, die eigentlich (oder doch nur angeblich?) gegen die Nutzung von Kernenergie sind, so einfach vor den Karren der Atomlobby spannen lassen, ist eine Frage, die mich schon lange beschäftigt. So naiv, dass man nicht bemerkt, was hier eigentlich gespielt wird, kann man doch gar nicht sein. Geht es also darum, dass man erstmal den gemeinsamen Feind „fossile Energieträger“ niederringen will und dabei nach dem guten alten Grundsatz verfährt: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“? Na dann viel Glück mit dieser Allianz…

    Achja: Laut WHO sterben jährlich weltweit 3 Millionen Menschen an verschmutzter Außenluft – und 4,3 Millionen Menschen an der Innenluft von Haushalten.

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