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In deutschen Ballungsgebieten übersteigt die Feinstaubbelastung an manchen Tagen die maximal zulässige Konzentration. Schuld ist vor allem der Straßenverkehr, doch auch Kohlekraftwerke, Öfen und Heizungen in Wohnhäusern und die verarbeitende Industrie verursachen Feinstaub. Vielen Menschen ist nicht klar, wie massiv die Gesundheitsrisiken durch die belastete Luft sind. Schätzungen zufolge sterben in Deutschland jedes Jahr Zehntausende Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung.

Feinstaub entsteht im Straßenverkehr vor allem durch Brems- und Reifenabrieb, Ruß oder dadurch, dass Autos beim Fahren Staub aufwirbeln. Wenn vom schmutzigen Diesel die Rede ist, geht es vor allem um den Ausstoß von ebenfalls sehr giftigen Stickoxiden, die sich allerdings durch eine effektive Reinigung der Abgase reduzieren lassen. Manche Experten halten Feinstaub – der von Dieselfahrzeugen, Benzinern und Elektroautos gleichermaßen verursacht wird – für weitaus gefährlicher.

Das Risiko für Krebserkrankungen steigt

Die mikroskopisch kleinen Feinstaubpartikel dringen ungehindert über die Atemluft in den menschlichen Körper ein. Sie greifen vor allem die Atemwege an und lösen dort Entzündungen aus. Asthmatiker oder Menschen mit chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen sind besonders gefährdet. Wer ständig belastete Luft einatmet, hat ein erhöhtes Risiko, an einer chronischen Bronchitis oder sogar an Lungenkrebs zu erkranken. Die entzündlichen Reaktionen, die von den Feinstaubpartikeln ausgehen, begünstigen die Entstehung von Krebsgeschwüren.

Feinstaub führt zu einem Anstieg von Herzinfarkten und Schlaganfällen

Die Partikel schädigen jedoch nicht nur die Atemwege, sondern können auch auf das Herz- Kreislaufsystem wirken. Das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle steigt mit dem Anstieg der Feinstaubwerte, und zwar ganz unmittelbar: In den 24 Stunden nach Anstieg der Belastung treten vermehrt Herzinfarkte und Schlaganfälle auf. Der Grund dafür ist, dass die Partikel die Blutgefäße verengen. Außerdem begünstigen die Entzündungsprozesse die Entstehung von Arteriosklerose (Gefäßalterung), die ebenfalls zu Herzkrankheiten, Schlaganfällen oder Nierenschäden führen kann.

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Begünstigt Feinstaub die Entstehung von Demenz?

Inzwischen gibt es auch Studien, die nahelegen, dass Feinstaub in der Atemluft auch auf das Gehirn wirkt und das Risiko für Demenz und andere degenerativen Veränderungen des Gehirns erhöht. Sogar Depressionen oder Diabetes Mellitus bringt man inzwischen mit Feinstaub in Verbindung. Die schädliche Wirkung beginnt bereits im Mutterleib: Feinstaub vermindert das Geburtsgewicht, was zu Krankheiten und sogar Todesfällen führen kann.

An der Luftbelastung ist übrigens nicht nur durch der Feinstaub schuld, der direkt (z.B. durch Reifenabrieb) entsteht. Zu einem großen Teil wird er auch durch den Ausstoß gasförmiger Schadstoffe wie Ammoniak, Schwefeldioxid und Stickstoffoxiden gebildet, die in der Luft miteinander reagieren und den sogenannten „sekundären“ Feinstaub bilden. Da diese Stoffe ebenfalls teilweise stark gesundheitsschädlich sind, sind schnelle Lösungen zur Abgasreinigung nötig. Auch Fahrverbote für Diesel-PKW stehen zur Zeit im Raum.

Experten streiten, ab wann die Partikel die Gesundheit schädigen

feinstaub-partikelgröße-gesundheitsgefahrenAb welcher Konzentration ist Feinstaub noch ungefährlich? Darüber sind sich Experten nicht einig. Die EU hat sich auf einen Jahresmittelwert von maximal 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft geeinigt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält allerdings schon einen Wert von mehr als 20 Mikrogramm für bedenklich. Dieser Jahresmittelwert wurde laut Umweltbundesamt immerhin seit 2012 nicht mehr überschritten. Für Feinstaubpartikel der Größe PM10 (mit einem Durchmesser von 10 Mikrometern oder kleiner) darf die Konzentration von höchstens 50 Mikrogramm pro Kubikmeter im Tagesmittel nur an maximal 35 Tagen im Jahr überschritten werden. In trockenen Wintern oder heißen Sommern lag die PM10-Konzentration in Deutschland in der Vergangenheit allerdings teilweise weit über diesem Wert. Die WHO weist auch darauf hin, dass die besonders kleinen Feinstaubpartikel PM2,5 – egal in welcher Konzentration – immer eine Gesundheitsgefahr darstellen.

Feinstaub messen

Der Feinstaub wird in Deutschland in einem engen Netz von Feinstaubmessstationen erfasst. Die lokalen Werte können auf der Webseite des Umweltbundesamts eingesehen werden. Aber es ist auch möglich, mit wenig Aufwand ein eigenes Feinstaubmessgerät zu kaufen und selbst die Konzentration zu messen. Diese Partikelmessgeräte geben einen sehr genauen Überblick über die lokale Belastung und kosten weniger als hundert Euro.

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Quellen / Weiterlesen:
Warum Feinstaub töten kann | Deutsche Welle
Feinstaub: So gefährlich ist er für den Menschen | Focus Online
Schadstoffe: Was Dieselabgas mit uns anrichtet | Frankfurter Neue Presse
Feinstaub soll Stickoxid schlagen | klimaretter.info
Feinstaub-Belastung: Überschreitungssituation | Umweltbundesamt
Feinstaub: Folgen für die Gesundheit | Apotheken Umschau
Bildquelle: Pixabay

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

1 KOMMENTAR

  1. „Ab welcher Konzentration ist Feinstaub noch ungefährlich? Darüber sind sich Experten nicht einig. Die EU hat sich auf einen Jahresmittelwert von maximal 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft geeinigt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält allerdings schon einen Wert von mehr als 20 Mikrogramm für bedenklich.“

    Soll das etwa bedeuten, dass auch diese Grenzwerte willkürlich festgelegt wurden?

    Und warum gilt z.B. am Arbeitsplatz ein Grenzwert von satten 1,25 mg/m³, also ein um über das 30-fache höherer Wert – und das obendrein nicht nur maximal an 35 Tagen im Jahr? Sind das etwa Menschen zweiter Klasse?

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