Um den Klimaschutz und die Energiewende in den Städten und Ballungsregionen voranzubringen, müssen dringend mehr Mieterstromprojekte realisiert werden. In der Politik wird die Schlüsselrolle von Mieterstrom klar unterschätzt. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Abwendung des Solardeckels solange auf sich warten ließ und es nach wie vor keine konkreten Verbesserungen des Mieterstromgesetzes gibt.

Laut Bundesnetzagentur gab es bis zum 22. Juni 2020 bundesweit 2028 PV-Mieterstromanlagen. Der 500 MW-Deckel des 2017 in Kraft getretenen Mieterstromgesetzes ist bisher bei weitem nicht erreicht. Er wurde in 2020 bis heute nur zu gut 1,6% ausgenutzt.

Dabei ist Mieterstrom in mehrfacher Hinsicht für mehr Klimaschutz wichtig. Mieterstrom ist die Lösung, die Energiewende in die Städte zu bringen und so Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Mieterstrom ist außerdem ein Steigbügel für Investitionen in energieeffiziente Gebäude. Weiterhin werden in Mieterstromprojekten zunehmend auch die Sektoren Wärme und Mobilität integriert und somit auch hier wieder CO2-Emissionen reduziert.

Dezentrale Energieversorgung ist die Basis

Der Umstieg auf erneuerbare Energien spielt eine wichtige Rolle bei dem Ziel der Bundesregierung, die CO2-Emissionen bis 2030 um 55% gegenüber 1990 zu senken. In der Umsetzung kommt der dezentralen Energieversorgung und mit Blick auf die Wohnsituation insbesondere Mieterstrom eine entscheidende Rolle zu. Schließlich entfallen 40% des Energieverbrauchs auf Gebäude und rund 60% der Haushalte in Deutschland leben im Mehrfamilienhaus.

Mieterstrom als Weiche für mehr Klimaschutz

Mieterstrom ist ein zentrales Mittel, um den städtischen Klimaschutz voranzubringen. Es verändert die Energieversorgung von Gebäuden nachhaltig, indem es oft Anlass zu weiteren Investitionen ist. Denn damit sich die längerfristigen Investitionen rechnen, empfiehlt sich eine Vernetzung mit anderen Anlagen und ein hoher Direktverbrauch. Und so ist die Investition in Energieerzeugungsanlagen oft nur der erste Schritt zur Investition in weitere Anlagen etwa zur Wärmeversorgung basierend auf erneuerbaren Energien.

Die Verpflichtung von Immobilienbesitzern, in Mehrparteienhäusern die Installation von Ladestationen zu erleichtern (Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes, GEIG), macht ebenfalls in Kombination mit Mieterstrom einmal mehr Sinn. Es steigert den Immobilienwert und eröffnet den Bewohnern die Chance, lokal erzeugten grünen Strom zu attraktiven Konditionen zu laden.

Höhere Energieeffizienz von Gebäuden

Obgleich Gebäude einen großen Einfluss auf das Erreichen der Klimaziele haben, wurde es im Gebäudeenergiegesetz (GEG) verpasst, einen strengeren Energiestandard zu definieren.

Damit Immobilienbesitzer nun freiwillig über die gesetzliche Pflicht hinausgehen, müssen sich die Investitionen rechnen. Und genau das unterstützt Mieterstrom. Es senkt die Energiekosten, erleichtert es die Kriterien diverser Förderungen wie KfW 40 Plus, die Mieterstromförderung und teilweise auch die KWK Förderung zu erfüllen und steigert den Immobilienwert. Gerade im Zuge von Digitalisierung und Vernetzung bietet Mieterstrom auch in Sachen Smart Home und der energieeffizienten Steuerung der Gebäudetechnik viel Potenzial für neue Service- und Geschäftsfelder des Immobilienbesitzers.

Mieterstrom unterstützt damit ganzheitlich den Weg in unserer Energiezukunft: die Umstellung auf erneuerbare Energieversorgung, energieeffiziente Gebäude und die effiziente Energienutzung in allen Sektoren.

Bildquelle: © Polarstern Energie

Manuel Thielmann
Manuel Thielmann arbeitet in der Geschäftsentwicklung von Polarstern. Er ist Ansprechpartner für die konzeptionelle Entwicklung und die praktische Umsetzung von Eigenstrom- und Mieterstromprojekten in ganz Deutschland. Sein Schwerpunkt ist die Integration verschiedener Energie- und Speichertechniken in dezentrale Energiekonzepte. Zuletzt hat er u.a. am Lehrstuhl für Elektrische Energiespeichertechnik der TU München die Integration von Batteriespeichern in Mehrfamilienhäusern erforscht.

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