Über das Start-up enyway können Stromkunden ihren Ökostrom direkt beim Produzenten einzukaufen, ohne den Umweg über einen Stromversorger. Jetzt geht die Tochter des Ökostromanbieters Lichtblick noch einen Schritt weiter. Jeder Bürger kann sich sofort einen Teil an einer großen Solaranlage kaufen und damit seinen ganz eigenen Ökostrom beziehen. Das Modell soll die Energiewende endlich gerecht machen.

Die Digitalisierung macht große Stromversorger überflüssig

Enyway wurde von Lichtblick-Gründer Heiko von Tschischwitz mit dem Ziel gegründet, Stromkunden direkt mit den Erzeugern von Ökostrom zusammenzubringen. Das läuft über den Online-Marktplatz von enyway, wo zum Beispiel Landwirte mit einer Windkraftanlage Abnehmer für ihren Strom suchen. Die Abwicklung übernimmt enyway, der klassische Versorger wird überflüssig.

Ab 39 Euro eigenen Solarstrom beziehen

Das neue Projekt „Change“ beteiligt nun Bürger selbst an den Anlagen. Die Idee: Enyway baut eine große Solaranlage, der erste Teil soll schon bald auf 9.000 Quadratmetern Fläche in Sachsen-Anhalt entstehen. Daran können sich Bürger mit 39 Euro bzw. 99 Euro beteiligen – die klassische Crowdfinanzierung – und bekommen dafür einen fest zuzuordnenden Teil von der Größe eines Pizzakartons oder einer Tischtennisplatte. Mit 1,5 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr produziert die Anlage rechnerisch genug Strom für über 500 Haushalte.

Damit sollen endlich auch diejenigen etwas von der Energiewende haben, die sich eben keine Solaranlage aufs Hausdach setzen können, etwa weil sie zur Miete wohnen. Denn bisher zahlen zwar alle Stromkunden über die EEG-Umlage für die Energiewende. Doch von den Einspeisevergütungen für Solarstrom profitieren vor allem Unternehmer und Eigenheimbesitzer. Zwar gibt es mittlerweile auch Mieterstromprojekte, über die Mieter Strom direkt aus Solar- oder Windkraftanlagen beziehen können. Mit enyway können sie jetzt aber garantiert und nachvollziehbar einen ganz bestimmten Teil einer Anlage erwerben und diesen Strom selbst beziehen. Die fälschungssichere Zuordnung der einzelnen Abschnitte will enyway über die Blockchain-Technologie abwickeln.

Enyway will am Strom nichts verdienen

Reicht der so produzierte Strom nicht für den einzelnen Kunden aus (ein pizzagroßes Stück kann ein Jahr lang höchstens einen Laptop versorgen), kommt der Reststrom zum Selbstkostenpreis ebenfalls von enyway. Natürlich Ökostrom. Um den ganzen Ablauf kümmert sich enyway und gibt nur die Beschaffungskosten, Netzentgelte sowie Steuern und Umlagen an den Kunden weiter. Mit dem Strom selbst will enyway kein Geld machen. Das Start-up verdient am Kaufpreis und an einer monatlichen Grundgebühr von 2,99 Euro sowie an Zusatzprodukten, die den Kunden angeboten werden könnten.

Das Ganze soll im Vergleich zu anderen Tarifen so günstig sein, dass man die Investition für einen „Pizzakarton“-Anteil schon nach ein paar Monaten wieder herausgeholt hat. Enyway nennt den Anbieter YelloStrom. Im Vergleich zu diesem könnten Kunden zwischen 80 und 200 Euro pro Jahr sparen, je nachdem, wo sie wohnen und was sie verbrauchen.

Eine Energiewende in Bürgerhand

Das Potential solcher Modelle ist noch weitaus größer. Die Anlage soll sich selbst finanzieren und ohne EEG-Vergütung auskommen – so fällt auch keine EEG-Umlage an, mit denen dann wieder andere Stromkunden belastet würden. Und Verbraucher könnten das Tempo der Energiewende endlich selbst bestimmen und sich unmittelbar daran beteiligen.

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Quellen / Weiterlesen


Ein Pizzakarton Strom | Spiegel Online
Ein Hamburger Start-up macht Bürger für 39 Euro zu Stromerzeugern | Handelsblatt
Wer wir sind: Visionäre mit Bodenhaftung. Wir demokratisieren die Energiewelt | enyway

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Prof. Dr. Johann Nagengast
Nach Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und Promotion zum Thema „Outsourcing von Dienstleistungen“ an der Universität Regensburg war Johann Nagengast in verschiedenen internationalen Unternehmen in führenden Positionen tätig. Seit 2001 ist er Professor für Internationales Management und Project Management an der Technischen Hochschule Deggendorf. Als Trainer, Coach und Berater ist er intensiv in verschiedenen internationalen Projekten tätig. Seine Schwerpunkte liegen in der praxisnahen und pragmatischen Vermittlung und unternehmensspezifischen Anwendung aller Aspekte des Projektmanagements.

4 KOMMENTARE

  1. Da gratuliere ich doch von hier aus ganz arg für den mutigen Schritt, das Stromkappel vom lokalen Stromversorger kappen zu lassen. Bis heute war mir niemand bekannt, der sich diesen Schritt getraut hat.

  2. Tja, ganz so einfach und übersichtlich ist dies schon nicht. Ich beziehe den Strom von der eigenen Solaranlage vom Dach.

  3. „können Stromkunden ihren Ökostrom direkt beim Produzenten einzukaufen, ohne den Umweg über einen Stromversorger“
    Na klar doch – weil übetragen wird dieser Strom durch die Luft oder so…

    „Das Potential solcher Modelle ist noch weitaus größer.“
    Allerdings – denn die Dummheit der angeblichen Ökostromkunden ist offenbar unbegrenzt. Wie sonst könnten die in Massen auf solch schwachsinnige Angebote hereinfallen? Am einprägsamsten haben es die Elektrizitätswerke Schönau auf eine Anfrage von mir erklärt:
    „Wenn Sie sich entscheiden Ökostrom zu beziehen, bekommen Sie immer noch den gleichen Strom wie vorher auch. “

    „Die Anlage soll sich selbst finanzieren und ohne EEG-Vergütung auskommen“
    Hmmm – und warum sollte der örtliche Netzbetreiber die Einspeisung des so erzeugten Stroms zulassen, wenn er nicht durch das EEG dazu verpflichtet wird?

    „Verbraucher könnten das Tempo der Energiewende endlich selbst bestimmen“
    Schön wär’s ja. Aber leider ist es noch immer nicht möglich, reinen Kohle-, Gas- und Atomstrom zu beziehen und die ganzen Abzock-Abgaben denen zu überlassen, die noch immer mit Zufallsstromerzeugern die Welt retten wollen. Dafür würde ich durchaus auch ein Pizzakarton großes Stück von einem Gaskraftwerk erwerben, wenn es denn sein muss.

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