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Umweltminister Peter Altmaier glaubt, dass erneuerbare Energien in Deutschland bald ohne Subventionen auskommen werden. Der CDU-Politiker sagte am Rande einer internationalen Energiekonferenz in Berlin, er erwarte, dass Erneuerbare in wenigen Jahren vollständig wettbewerbsfähig sind. Doch er sagte auch: Dafür muss der Netzausbau vorangetrieben werden.

In vier bis fünf Jahren keine Subventionen mehr

Konkret erwartet Altmaier, dass der Strom aus Quellen wie Sonne und Wind in vier oder fünf Jahren ohne zusätzliche Subventionen auskommt. Die Kosten für Onshore-Windkraft hätten sich halbiert, der Ausbau erneuerbarer Energien sei heute zu einem Bruchteil der Kosten in der Vergangenheit möglich. Die deutsche Energiewende werde in vielen Ländern bewundert, aus ihr solle ein Geschäftsmodell werden, so Altmaier. Mehr als ein Drittel des deutschen Stroms stammt inzwischen aus Sonne und Wind.

Aktuell erhalten Betreiber von Wind- oder Solaranlagen eine feste Vergütung für den eingespeisten sauberen Strom, die über der Vergütung für Atomstrom oder Kohle liegt. Finanziert wird das Ganze über die Ökostromanlage, die alle Stromkunden zahlen. Vielen Stromkunden und Unternehmen schmeckt das nicht, doch dieses Modell hat den Ausbau von Ökostrom in Deutschland beflügelt. Inzwischen gilt ein marktorientierteres Modell, in dem neue Anlagen keine feste Vergütung mehr erhalten. Stattdessen wird neue Kraftwerkskapazität über Ausschreibungen vergeben, wobei der günstigste Anbieter den Zuschlag bekommt.

Agora Energiewende: Der Preis für eine Tonne CO2 muss auf 30 Euro steigen

Experten wie die Organisation Agora Energiewende gehen davon aus, dass erneuerbare Energien in wenigen Jahren tatsächlich ohne Subventionen überleben können. Voraussetzung sei, dass die Tonne Kohlendioxid bis dahin EU-weit rund 30 Euro koste und dass dieser Preis kontinuierlich steige, sagte Agora Energiewende-Sprecher Christoph Podewils. Aktuell liegt dieser Preis bei 16 Euro, und ob er weiter so schnell steigt wie in letzter Zeit, ist schwer vorherzusagen.

Ohne Netzausbau keine Energiewende

Sicher ist jedoch, dass der schleppende Netzausbau die Energiewende ausbremst. Windstrom wird vor allem im Norden Deutschlands erzeugt, doch die Netze, die den Strom in den Süden transportieren sollen, müssen erst noch gebaut werden. Vielerorts gibt es allerdings große Proteste von Bürgern und Landwirten gegen neue Stromtrassen. Altmaier betonte, er wolle den Netzausbau beschleunigen. „Wir haben es geschafft, in den letzten Jahren die Kosten für erneuerbare Energien zu senken, wir haben es geschafft, den Ausbau besser zu organisieren, marktwirtschaftlich zu machen. Jetzt müssen wir erreichen, dass überall Leitungen gebaut werden“, sagte er. Die Energiewende könne nur funktionieren, wenn die notwendigen Leitungen vorhanden seien. Die Bundesregierung sei in den letzten Jahren bereit gewesen, auch stärker Erdverkabelungen zu akzeptieren. Diese sind deutlich teurer als neue Oberleitungen. Außerdem wolle man Genehmigungsverfahren beschleunigen, kündigte Altmaier an.

Zeitpunkt für Kohleausstieg immer noch unklar

Ein festes Ausstiegsdatum aus der Kohle gibt es hingegen weiterhin nicht, den Ausstieg will die Bundesregierung über eine Kommission steuern. Kritiker fordern schon lange ein festes Datum. 40 Prozent des deutschen Stroms kommt nach wie vor aus Kohlekraftwerken, weshalb Deutschland Probleme hat, seine Klimaziele zu erreichen.

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Quellen / Weiterlesen:
Altmaier: Bald keine Subventionen für Erneuerbare mehr | Zeit Online
Bald keine Subventionen für Erneuerbare mehr? | Frankfurter Allgemeine
Sonnen – und Windstrom bald ohne Förderung? | Deutsche Welle
Peter Altmaier: Bald keine Subventionen für Erneuerbare mehr nötig | shz.de
Bildquelle: Pixabay

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Prof. Dr. Johann Nagengast
Nach Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und Promotion zum Thema „Outsourcing von Dienstleistungen“ an der Universität Regensburg war Johann Nagengast in verschiedenen internationalen Unternehmen in führenden Positionen tätig. Seit 2001 ist er Professor für Internationales Management und Project Management an der Technischen Hochschule Deggendorf. Als Trainer, Coach und Berater ist er intensiv in verschiedenen internationalen Projekten tätig. Seine Schwerpunkte liegen in der praxisnahen und pragmatischen Vermittlung und unternehmensspezifischen Anwendung aller Aspekte des Projektmanagements.

3 KOMMENTARE

  1. Mit meinen Niedrigstenergiekonzepten NEH und NEW ist die Energiewende kostengünstig durchzuführen.
    Leider wird die Veröffentlichung blockiert. Die Bürgerinnen und Bürger können das für sie günstigste
    Niedrigstenergiekonzept nicht selbst bestimmen.
    Leider existiert die Technologieoffenheit nicht, weil die Energiekonzepte NEH und NEW blockiert werden.

  2. Ausgerechnet Altmaier, der schlechteste Umweltminister aller Zeiten!

    Der hat ja schließlich am allerwenigsten für die Energiewende getan. Wenn er sich jetzt damit brüstet, dass die Erneuerbaren marktfähig werden, ist das pure Heuchelei. Er selbst hat alles dafür gegeben, dass dem NICHT so wird. Z.B. indem die Vergütungen für regenerativen Strom zeitweise ZWEIMAL JÄHRLICH gekürzt wurden.

    Auf der anderen Seite redet niemand von den Milliarden Subventionen für Öl und Kohle. DIE sind nun wirklich volkswirtschaftlich katastrophal.

    Ganz abgesehen von den 9 Milliarden Subventionen jährlich allein für die Dieselfahrer…

  3. „Die deutsche Energiewende werde in vielen Ländern bewundert“
    Könnte der Autor bitte ein konkretes Beispiel nennen? Also ein einziges Land, das offiziell erklärt hat, dass es die „German Energiewende“ bewundert – und ihr womöglich sogar nacheifert, bzw. zumindest gerne nacheifern würde.

    Vollmundig zu behaupten, dass es in wenigen Jahren keine Subventionen mehr geben könnte, und gleichzeitig zu fordern, dass wir alle demnächst für den CO2-Ausstoß mehr zahlen sollen, ist schon ein wenig seltsam. Vor allem, wenn man dabei bedenkt, dass sich diese CO2-Strafsteuer so ähnlich entwickeln soll, wie die deutsche Straßenmaut: Zuerst nur für Ausländer und nur auf Autobahnen, dann nur für LKWs, dann auch auf Landstraßen, dann auch für PKWs und am Ende für alle Verkehrsteilnehmer auf jeder Straße (das wird ja aktuell dadurch vorbereitet, dass man die Straßenausbaubeiträge abschafft – und so geschickt den Kommunen den Schwarzen Peter in die Schuhe schiebt).
    Und genau das wird auch bei der CO2-Strafsteuer kommen. Die wurde ja schließlich von Anfang an erfunden, um jeglichen CO2-Ausstoß zu besteuern – selbstverständlich im Wissen, dass jeder Mensch schon allein durch die Atmung rund eine Tonne CO2 pro Jahr erzeugt. Und schon die 30 Euro mal 7,5 Milliarden Menschen sind immerhin 225 Milliarden Euro pro Jahr. Eine Steuer auf die Atemluft – da wird selbst der gute alte Vespasian blass vor Neid.
    Wer schonmal berechnen will, was da in Zukunft tatsächlich auf ihn zukommt, kann z.B. den CO2-Steuerrechner des Umweltbundesamtes nutzen (der die Atemluft allerdings noch nicht berücksichtigt):
    http://www.uba.co2-rechner.de/de_DE/

    Um festzustellen, wann der endgültige Ausstieg aus der Kohleenergie endlich umgesetzt werden kann, muss man sich doch nur die Entwicklung der gesicherten Kraftwerksleistung ansehen und diese in die Zukunft interpolieren. Genau das haben unsere Übertragungsnetzbetreiber selbstverständlich auch bereits gemacht:
    https://www.netztransparenz.de/portals/1/Content/Ver%C3%B6ffentlichungen/Bericht_zur_Leistungsbilanz_2017.pdf

    Da kann man dann u.a. lesen:
    „Die Prognose der verbleibenden Leistung ist für den kommenden Winter mit Berücksichtigung der Reservekraftwerke zunächst noch positiv (3,5 GW im Dezember 2017), nimmt aber stetig ab (2,1 GW im Januar 2018 und 1,8 GW im Januar 2019) und weist für Januar 2020 erstmals eine negative verbleibende Leistung von -0,5 GW auf (vergleiche Abbildung 10).
    Ohne Berücksichtigung der Reservekraftwerke ergeben sich -3,1 GW im Dezember 2017 bzw. -4,5 GW im Januar 2018. In der Prognose für die Folgejahre sinkt die verbleibende Leistung in 2019 bzw. 2020 ohne Berücksichtigung der Reservekraftwerke auf -6,3 GW bzw. -9,2 GW. Dabei wird vorausgesetzt, dass Inbetriebnahmen im konventionellen Bereich planmäßig erfolgen.“

    Aber seit wann interessiert einen Ideologen die Realität? Also kann man doch problemlos fordern, dass wir die „Inbetriebnahmen im konventionellen Bereich“ durch Abschaltung zusätzlicher vorhandeneer Kapazitäten ersetzen. Schließlich geht es ja eigentlich nicht darum, irgendwann den Strom ausschließlich mit Windrädchen und Solarplatten zu erzeugen (dass das nicht funktionieren kann, weiß man ja schon seit dem vergangenen Jahrtausend), sondern die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber den Kernkraftwerken zu verbessern. Und wenn wir die Energieversorgung endlich mittels der Zufallsstromerzeuger krachend gegen die Wand gefahren haben und gleichzeitig die einzige Konkurrenz der Kernkraftwerke – nämlich die Kohle- und Gaskraftwerke – in den Hirnen der Leute als Erbfeinde der Menschheit etabliert haben, dann ist der Weg für den Siegeszug der Kernkraftwerke endlich frei.

    Am 14. April 1988 hielt der CSU-Angeordnete Matthias Engelsberger (der Miterfinder des Stromeinspeisegesetzes, also dem Vorgänger des EEG) im Deutschen Bundestag eine Rede, in der er u.a. ausführte:
    „es war doch aber in den siebziger Jahren, als noch Kernkraftwerke gebaut wurden, unsere gemeinsame Auffassung, auch die der SPD und vor allen Dingen die Ihres Bundeskanzlers Helmut Schmidt, der diese Auffassung ja heute noch hat, daß wir zur Vermeidung z. B. des Kohlendioxidanstiegs in der Erdatmosphäre und zur Verhinderung klimatischer Veränderungen, die nicht mehr beherrschbar sein würden, Kernenergie einsetzen müßten, um den Einsatz fossiler Brennstoffe zu reduzieren. Das war die gemeinsame Meinung.
    Seit Tschernobyl wollen Sie diese Argumente nicht mehr wahrhaben. Kein einziger Ihrer Redner ist auf diese Gefahren eingegangen. Ich kann, wenn mir die Redezeit bleibt, ja dazu vielleicht noch etwas sagen.
    Meine Damen und Herren, auf Grund dieser Überlegungen hat sich die Vollversammlung der UNO am 11. November 1986, also nur ein halbes Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, einstimmig dafür ausgesprochen, die friedliche Nutzung der Kernenergie zu fördern. 142 Nationen haben dafür gestimmt.
    Auch der Club of Rome, der Anfang der siebziger Jahre so entschieden auf die Grenzen des Wachstums hingewiesen hat und dem man blinde Technologiegläubigkeit bestimmt nicht nachsagen kann, hält einen gewaltigen Ausbau der Kernenergie für notwendig, um die in 50 Jahren auf etwa 8 Milliarden angewachsene Menschheit am Leben zu erhalten.
    Eine zukunftsbezogene verantwortbare Energiepolitik darf das Restrisiko der Kernenergie nicht durch ein Dauerrisiko fossiler Energieträger ersetzen. Schließlich wird die Gesundheit der Menschen durch das Verbrennen von Kohle, Gas und Öl auf die Dauer weit mehr geschädigt als durch Kernenergie. Das wird von Ihnen allen nicht in Betracht gezogen.
    Hören Sie gut zu: Der amerikanische Medizinprofessor Gale, der durch seine Knochenmarktransplantationen an den Strahlenopfern von Tschernobyl weltberühmt wurde, traf vor Jahresfrist die bemerkenswerte Feststellung, daß jede Energiequelle ihren Preis habe und daß, so gesehen, die Kernenergie einen sicheren Weg der Energieversorgung darstelle. Selbst die höchsten abschätzbaren Personenschäden durch Tschernobyl lägen um das 50- bis 500fache unter den weltweiten Schäden der fossilen Energiegewinnung, der Verkehrsunfälle und des Rauchens.
    Gale stellte fest, daß ein Ersatz der sowjetischen Kernkraftwerke durch Kohle- und Ölkraftwerke eine zusätzliche Luftverschmutzung ergäbe, die in den nächsten 50 Jahren rund 1 Millionen Todesfälle erwarten lasse. Verehrte Frau Kollegin, Sie haben in Ihre Überlegungen nicht mit einbezogen, was Professor Gale sagte. Das sagt nicht die Union, und das sagt nicht die Rechte in diesem Bundestag, sondern das sagt ein neutraler medizinischer Sachverständiger und Wissenschaftler.
    Damit wird einmal mehr auf die äußerst bedrohlichen Gefahren […] hingewiesen, die durch den Einsatz fossiler Brennstoffe entstehen. Ich erinnere nur an die verzweifelte Situation der Energieversorgung im anderen Teil Deutschlands, wo in den Wintermonaten ganze Städte und Landstriche von Ruß- und Qualmwolken eingedeckt sind und wo die Lebenserwartung im Raum Halle nach Aussagen renommierter Energiewissenschaftler allein aus diesem Grund etwa sechs Jahre unter dem DDR-Durchschnitt liegt. Das muß man doch alles mit einbeziehen.
    Es wird deshalb höchste Zeit, daß diese alarmierenden Tatbestände von uns endlich gebührend zur Kenntnis genommen werden; denn die dort lebenden Menschen wären heilfroh, wenn ihnen statt qualmender und stinkender Braunkohlenkraftwerke saubere Kernkraftwerke zur Verfügung stünden.“
    http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/11/11071.pdf

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