Die Verkehrswende ist auf eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur angewiesen. Dabei kommt es nicht nur auf öffentliche Ladesäulen an, sondern der Ausbau von privaten Lademöglichkeiten ist mindestens genauso wichtig. Die Bedingungen dafür sind sehr gut, wie das KfW-Energiewendebarometer 2020 zeigt. Passend dazu startet im November eine neue KfW-Förderung für private Ladestationen.

Fehlende Ladesäulen machen Elektroautos unattraktiv

Nach wie vor sind die meisten Autos klassisch mit Benzin und Diesel unterwegs, Elektrofahrzeuge haben nur einen kleinen Anteil am Gesamtbestand. Dabei ist eine umweltfreundliche Mobilität entscheidend, damit Deutschland seine Klimaziele erreicht. Einer der wichtigsten Gründe, warum sich Autokäufer gegen ein Elektroauto entscheiden, ist ein unzureichend ausgebautes Ladenetz. Im KfW-Energiebarometer gaben fast zwei Drittel der befragten Haushalte an, dass dies ein Hindernis darstellt. An der repräsentativen Umfrage zum Thema Energiewende waren 4.000 Haushalte beteiligt.

Die meisten E-Autofahrer laden zuhause

Die Befragung zeigt, dass Elektroautos meistens an nicht-öffentlichen Ladestationen geladen werden. Rund 73 Prozent der Ladevorgänge entfallen auf das Zuhause und den Arbeitsplatz. Am Arbeitsplatz finden 19 Prozent der Ladevorgänge statt, weitaus mehr (54 Prozent) jedoch zuhause. Insgesamt laden gut 70 Prozent der E-Autofahrer anteilig auch an einer eigenen Ladestation, bei reinen Elektroautos sind es 80 Prozent. Die Zahlen zeigen, wie wichtig die private Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität ist.

Große Unterschiede zwischen Stadt und Land

Erfreulicherweise zeigt das KfW-Energiebarometer auch, dass die Bedingungen für einen Ausbau der privaten Ladesäulen gut sind. Gut zwei Drittel der Haushalte mit Auto haben einen festen Stellplatz, und fast die Hälfte davon (46 Prozent) verfügt auch über eine Steckdose. Erwartungsgemäß gibt es dabei ein Stadt-Land-Gefälle: Je kleiner der Ort, desto wahrscheinlicher haben Haushalte einen eigenen Stellplatz mit Steckdose. Mit 25 Prozent trifft dies in Großstädten am seltensten zu. Demgegenüber liegt der Anteil in Landgemeinden mit 66 Prozent viel höher.

Die Ergebnisse zeigen, dass gerade in Städten neue Ansätze nötig sind, um die Verkehrswende zu fördern. Flächen mit Stellplätzen sind knapp, deshalb muss dort besonders die öffentliche Ladeinfrastruktur gestärkt werden. Diese lässt sich dort durch höhere Nutzerzahlen besonders kosteneffizient betreiben. Zusätzlich sollte es Alternativen zum Auto geben, etwa durch eine Stärkung des ÖPNV oder den Ausbau von Rad- und Fußwegen, so das Fazit aus dem KfW-Energiewendebarometer. Ein Schritt in die richtige Richtung ist auch die Reform des Wohnungseigentumsgesetzes. Künftig kann Wohnungseigentümern und Mietern von Mehrfamilienhäusern der Einbau einer Ladestation in der Tiefgarage nicht mehr verwehrt werden.

Gute Bedingungen für klimafreundliches Laden

Auf dem Land ist es jedoch wichtig, die private Ladeinfrastruktur auszubauen. Schließlich ist ein Auto dort oft unverzichtbar, da es an Alternativen wie dem ÖPNV oft fehlt und Radfahren in vielen Fällen eher nicht praktikabel ist. Da Elektroautos vor allem Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ersetzen, ist es besonders wichtig, das vorhandene Potenzial auf dem Land zu nutzen. Denn auch die Bedingungen für klimafreundliches Laden sind gut: Wie das KfW-Energiewendebarometer weiter zeigt, nutzen bereits 60 Prozent aller E-Autofahrer Ökostrom oder besitzt selbst eine Solaranlage.

Das Laden mit grünem Strom ist entscheidend, damit Elektroautos ihren Klimavorteil voll ausspielen können. Je grüner der Ladestrom, desto umweltfreundlicher das Fahrzeug. In Deutschland lag der Anteil von Ökostrom am Strom-Mix in den ersten 6 Monaten dieses Jahres erstmals bei über 50 Prozent. Noch besser ist es, wenn das Fahrzeug nur mit selbst erzeugten, idealerweise überschüssigem grünen Strom geladen wird. Laut KfW-Energiewendebarometer verfügen 9 Prozent der deutschen Haushalte über eine Photovoltaikanlage, 35 Prozent beziehen Ökostrom. Auf 42 Prozent trifft mindestens eines dieser beiden Merkmale zu, bei E-Autofahrern sind es sogar 60 Prozent.

Neues KfW-Förderprogramm für private Ladestationen

Um den Ausbau der privaten Ladestationen voranzubringen, startet die KfW im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur ab 24.11.2020 ein neues Förderprogramm. Dann erhalten Privatpersonen für Erwerb und Errichtung eines Ladepunktes und dessen Anschluss an das Stromnetz einen Zuschuss in Höhe von 900 EUR. Die Förderung soll Privatpersonen motivieren, auf Elektroautos umzusteigen. Auf der KfW-Website ist eine Liste aller förderfähigen Ladestationen einsehbar.

Quellen / Weiterlesen

Private Ladeinfrastruktur ist eine wichtige Säule für den Ausbau der Elektromobilität | KfW
KfW Research: Großes Potential für Ausbau der Elektromobilität in Deutschland durch private Ladestationen | Presseportal
Bildquelle: © The Mobility House GmbH

Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

1 KOMMENTAR

  1. Imposant! Ich hätte nicht gedacht, dass so viele deutsche Haushalte Ökostrom beziehen oder PV-Anlagen haben. So langsam wird das was.

    Jetzt müssen nur Mutti und Altmaier ihre Blockadepolitik aufgeben.

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