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Warum verbreiten sich Elektroautos immer noch so langsam? Für die Autoindustrie ist die Sache klar: Es gibt immer noch zu wenige öffentliche Ladestationen. Dem widerspricht jetzt die Strombranche. Der Branchenverband BDEW hat ermittelt, dass es in Deutschland immer mehr öffentliche Ladesäulen gibt – sogar mehr, als Experten empfehlen. Er sieht die Verantwortung für die schleppenden Verkäufe der Stromer bei der Autoindustrie.

Die Ladeinfrastruktur muss ausgebaut werden, das forderte Autoverbandspräsident Bernhard Mattes noch Anfang Dezember. Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, sind innovative Produkte nicht genug, sagte Matthes. Er meinte: Die Autoindustrie baut ja Elektroautos. Es gibt nur immer noch zu wenige Ladestationen und deshalb schrecken Autokäufer vor Elektroautos zurück.

In den letzten fünf Monaten wurden 2.600 Ladestationen gebaut

Doch die Zahl der Ladestationen in Deutschland steigt stetig, die Quote ist inzwischen sogar besser, als es Experten empfehlen. Wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) jetzt mitteilte, gibt es deutschlandweit inzwischen über 16.100 öffentliche und teil-öffentliche Ladepunkte. Zwölf Prozent davon sind Schnellladestationen. Bei 160.000 gemeldeten Elektro- und Plug-in-Hybridautos sind das rechnerisch also zehn Autos je Station. Die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) empfiehlt 12,5 Autos je Station, die EU-Kommission 10. Und auch das Tempo kann sich sehen lassen: Ende Juli 2018 waren erst 13.500 Ladepunkte registriert, es gab seitdem also einen Zuwachs von fast 20 Prozent. In der Datenbank des BDEW werden die Ladepunkte von Energieunternehmen, Parkhaus- und Parkplatzbetreibern, Supermärkten und Hotels erfasst. Hinzu kommen die privaten Ladestationen.

Ladestationen sind oft ein Verlustgeschäft

„Die Energieunternehmen drücken beim Ausbau der Ladeinfrastruktur weiter aufs Tempo“, sagt deshalb BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer. Er wies darauf hin, dass sich der Betrieb der Ladesäulen bisher kaum rentiert – dafür gibt es immer noch zu wenige Elektroautos, die den Strom tanken. Er nannte Thüringen, Hamburg und Berlin als Beispiele, wo gerade einmal eine Handvoll E-Autos auf einen Ladepunkt kämen. Aus seiner Sicht ist hier die Autoindustrie in der Pflicht: „Es fehlen nach wie vor Modelle, die in Preis und Leistung mit Verbrennern konkurrieren können“, sagte Kapferer. Die Verbreitung von E-Autos müsse schneller voran gehen, sonst werde der Verkehrssektor die Klimaschutzziele 2030 „um Lichtjahre“ verfehlen.

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Quellen / Weiterlesen


Immer mehr Ladestationen für Elektroautos | Süddeutsche Zeitung
Starker Anstieg bei Ladestationen für Elektroautos | wallstreet:online
BDEW-Manager: „Ausbau der Ladestationen, aber kaum E-Autos“ | Automobil Produktion
Bildquelle: Wikipedia – Von AvdaEigenes Werk, CC BY-SA 3.0

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Prof. Dr. Johann Nagengast
Nach Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und Promotion zum Thema „Outsourcing von Dienstleistungen“ an der Universität Regensburg war Johann Nagengast in verschiedenen internationalen Unternehmen in führenden Positionen tätig. Seit 2001 ist er Professor für Internationales Management und Project Management an der Technischen Hochschule Deggendorf. Als Trainer, Coach und Berater ist er intensiv in verschiedenen internationalen Projekten tätig. Seine Schwerpunkte liegen in der praxisnahen und pragmatischen Vermittlung und unternehmensspezifischen Anwendung aller Aspekte des Projektmanagements.

2 KOMMENTARE

  1. Hallo,
    bei öffentlichen Ladesäulen zählen für den Kunden eigentlich nur die Schnell.Ladesäulen, da er nicht stundenlang laden will. Bei ca. 1.700 Ladepunkten sind das also ca. 850 Säulen, wobei es auch auf die Definition ankommt (bereits alle über 50 kW?). Ich darf auf einen jüngst erschienen Artikel über unser Start-up Jolt Energy hinweisen: https://www.dstgb.de/dstgb/Homepage/Publikationen/StuG%20digital/StuG_0119%20Web.pdf S. 17 ff. Fakt ist z.B.: In München gibt es eine bzw. demnächst zwei Schnell-Ladesäulen!

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