Die britische Firma Dyson ist vor allem für ihre Staubsauger bekannt. Vor drei Jahren gab Firmenchef James Dyson überraschend bekannt, ein eigenes Dyson Elektroauto bauen zu wollen. Ende 2019 wurde das Projekt genauso überraschend gestoppt. Jetzt verriet James Dyson bisher unbekannte Details über das gescheiterte Vorhaben und veröffentlicht auch Fotos des Prototypen.

Es scheiterte an der Wirtschaftlichkeit

Zweieinhalb Milliarden Pfund wollte Dyson in die Entwicklung seines Elektroautos stecken. Das Auto sollte in Singapur gebaut werden und ab 2021 schon auf der Straße sein. Obwohl sich 2018 schon über 400 Mitarbeiter bei Dyson mit der Entwicklung des Fahrzeuges beschäftigten, kam 2019 das plötzliche Aus. Der Grund: Es sei nicht möglich, das Elektroauto wirtschaftlich rentabel zu bauen, teilte Dyson mit.

Große Räder und riesiger Akku

Wirklich viele Details, wie das Fahrzeug hätte aussehen können, gab es damals nicht. Jetzt hat James Dyson in der Times ein wenig mehr verraten. Wie er sagte, war ein sportliches Design vorgesehen sowie mit 24 Zoll „größere Räder als bei jedem anderem Auto auf dem Markt“. Auch die Reichweite hätte sich sehen lassen können: 600 Meilen, knapp 1.000 Kilometer, sollte das Dyson Elektroauto mit dem vorläufigen Namen N526 mit einer Ladung schaffen. Das ist sogar mehr als das Tesla Model 3 Long Range, das offiziell gute 600 Kilometer Reichweite hat. Das Dyson-Auto sollte Platz für 7 Personen bieten und sollte mit fünf Metern Länge, zwei Metern Breite und 1,70 Höhe deshalb ziemlich groß ausfallen.

Dafür hätte dann auch der Akku entsprechend dimensioniert sein müssen, um auf die hohe Reichweite zu kommen: 150 Kilowattstunden Kapazität waren vorgesehen, die Dyson dank des langen Radstands im Wagenboden untergebracht hätte. Das Gesamtgewicht des Elektroautos hätte deshalb bei stolzen 2,6 Tonnen gelegen. Das Akkugehäuse aus Aluminium war so flexibel geplant, dass der Hersteller verschiedene Arten und Größen von Batteriezellen hätte verbauen können.

150.000 Euro für die Basisversion

Mit zwei E-Motoren mit insgesamt 536 PS und 650 Nm Drehmoment sollte das Auto in 4,8 Sekunden auf Tempo 100 kommen. Die Höchstgeschwindigkeit sollte bei 200 km/h liegen. All das hätte jedoch auch den Preis in die Höhe getrieben – zu hoch, wie man bei Dyson letztendlich feststellte. Schon die Basisversion hätte mindestens 150.000 Euro gekostet und wäre damit nicht wettbewerbsfähig gewesen.

Warum es neue Elektroauto-Hersteller schwer haben

Das ist etwas, das viele Beobachter vorhergesehen hatten: Es ist für ein Unternehmen ohne jede Erfahrung im Automobilbau sehr schwierig, in wenigen Jahren ein konkurrenzfähiges Elektroauto auf den Markt zu bringen. Die Entwicklungskosten von 2,5 Milliarden Pfund sind demnach wohl nicht ausreichend. Dyson ist nicht der erste Hersteller, der mit einem solchen Projekt scheitert: Elektroauto-Start-ups wie Faraday Future, Byton oder Nio stehen immer wieder kurz vor der Pleite, weil der Finanzbedarf größer ist als ursprünglich angenommen. Wer sich letztendlich behaupten kann, ist längst nicht klar.

Quellen / Weiterlesen

James Dyson interview: how I blew £500m on electric car to rival Tesla | The Sunday Times
Ohne Beutel gegen Tesla: Warum Dysons Elektroauto starb | Focus Online
Das Staubsauger-Auto, das nie gebaut wird | auto motor und sport
Das Aus für das Dyson Elektroauto | car it
Zu viel Konkurrenz: Reichster Brite Dyson zeigt und erklärt gestopptes Elektroauto-Projekt | TeslaMag
Bildquelle: flickrEva Rinaldi

Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

3 KOMMENTARE

  1. Es ist gut für den Planeten, dass es ein solcher Unsinn nicht bis in den Markt schafft.

  2. 2,6 Tonnen? Meine Güte! Was ist denn an so einem Klotz von Ato umweltfreundlich? Da war ja mein Lieferwagen viel leichter! Bin froh, dass dieses Projekt gescheitert ist!

  3. So ein Auto braucht es eh nicht. Solange so gedacht wird, werden wir die Kurve zur Nachhaltigkeit nicht kriegen.

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