Die Zulassungszahlen von Elektroautos steigen, deshalb kommt in den nächsten Jahren eine riesige Zahl alter Batterien auf uns zu. Doch noch ist die Recyclingquote schlecht. Das Start-up Circunomics will mit einer Cloud-Plattform für die Wiedervermarktung und das Recycling von Batterien nachhelfen und eine echte Kreislaufwirtschaft schaffen.

Die Recyclingquote ist viel zu niedrig

Deutschland liegt bei den Neuzulassungen von Elektroautos mittlerweile auf Platz 2 noch vor den USA. Soweit die guten Nachrichten. Die Kehrseite ist, dass die Recyclingquote derzeit nur bei acht Prozent angesetzt ist, wie Circunomics angibt. Das Start-up schätzt deshalb, dass sich allein in den letzten zwei Jahren 17,5 Terawattstunden und mindestens 87 Megatonnen an Batteriepaketen nur durch vollelektrische Autos angesammelt haben. Das würde bedeuten, dass bei der aktuellen Quote gut 80 Megatonnen kostbarstes Material nicht recycelt werden, sondern auf dem Müll landen.

So will Circunomics ein Kreislaufsystem schaffen

Ein großes Hindernis für das Batterierecycling sind fehlende Standards sowie ein Mangel an Transparenz und Vertrauen unter den Marktteilnehmern in der Batteriewirtschaft. Das führt zu hohen Prozesskosten und sinkenden Wiederverkaufspreisen für Second-Life-Batterien. Eine Recycling-Rückverfolgung fehlt völlig.

Hier will Circunomics gegensteuern. Das 2019 gegründete Start-up entwickelt eine Plattform, auf der Akkupakete in Form von digitalen „Circular Twins“ registriert, verfolgt und bis zur endgültigen Verwertung gehandelt werden können. Für Batterien mit großer kWh-Leistung soll ein Kreislaufsystem entstehen: Von der Erstverwendung über Second-Life-Anwendungen als Großspeicher oder in einer Ladestation bis hin zum Recycling. Das rettet wertvolle Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel vor dem Müll und spart Ressourcen und Kosten.

Die Plattform ermöglicht es den Industriepartnern von Circunomics, ein integriertes Batteriemanagement zu einer Schlüsselfunktion zu machen. Circunomics liefert Lebenszyklus- und Preisalgorithmen und standardisierte Datenschnittstellen und verbindet Industriepartner über alle Stufen der Batterielieferkette miteinander. Das Ziel sind effiziente Prozesse für Datenverarbeitung, Materialhandel und Recyclingprozesse in der Batteriewirtschaft.

Ziel ist es, den Wiederverkaufswert von Batterien zu maximieren und die Recyclingkosten zu senken. „Damit lösen wir nicht nur Umweltprobleme, sondern gewinnen auch über die Lieferkette mehr Kontrolle und können die ethischen Probleme etwa bei der Kobaltförderung anpacken. Das ist unsere Aufgabe bei Circunomics“, erklärt Patrick Peter, Gründer und CEO von Circunomics.

Pre-Seed-Finanzierung erfolgreich

SAP und Google stufen Circunomics bereits als eines der fünf führenden Start-ups der Circular Economy weltweit ein. Zu den Investoren gehört Peter Mertens, der ehemalige Technikvorstand von Audi. An der Pre-Seed-Finanzierungsrunde im September 2020 waren auch The Blue Minds Company aus Wien und die Hüsges Gruppe aus Willich beteiligt. Außerdem wird Circunomics von EIT Raw Materials gefördert, dem weltweit größten Konsortium der Rohstoffindustrie. Mit dem Geld aus der Pre-Seed-Finanzierung will das Start-up seine Technologie gemeinsam mit den Industriepartnern weiter ausbauen.

Quellen / Weiterlesen
Circunomics erfolgreich bei Pre- Seed- Finanzierung
Die IoT-Plattform für die Batterie- Kreislaufwirtschaft Circunomics gewinnt weitere wichtige strategische Investoren für den Ausbau ihrer Plattform | Presseportal
The battery revolution is challenging existing supply chains of all industries |Circunomics
Circunomics GmbH | start green
Bildquelle: Wikipedia – John Seb Barber from Leeds, UK, CC BY 2.0

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1 KOMMENTAR

  1. Es fehlen einfach die Anreize. Und die werden aus der GroKo niemals kommen.

    Stromspeicherung durch Second-Life-Akkus muss kräftig bezuschusst werden. Müsste, wenn Mutti und der Dicke das wirklich wollten.

    Und dass die Recyclingquote so gering ist, liegt auch an dem vergleichsweise geringen Preis der Rohstoffe. Und daran, dass die Mengen (selbst wenn man sie über 10 Jahre und weltweit kumuliert) immer noch sehr gering sind. 2014 hatten wir noch keine 10.000 eAutos in Deutschland, und von denen fahren sicher 90 % immer noch. Also 1.000 Akkus in 6 Jahren, das ist alles noch Experimentalstadium. Für 150 Akkus pro Jahr, und das noch von allen möglichen Herstellern, baut niemand eine Fabrik.

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