China kürzt seine Elektroauto-Subventionen um 20 Prozent. Die Verkaufszahlen für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben legen dort wieder zu, nachdem sie letztes Jahr wegen der Corona-Pandemie eingebrochen waren. Das könnte Tesla seine Spitzenposition kosten.

Chinesische Autokäufer büßen etwa 500 Euro ein

In China werden „New Energy Vehicles“, zu denen neben reinen Elektroautos auch Hybride und Wasserstoffautos zählen, abhängig von ihrer Reichweite bezuschusst. Im Jahr 2020 lag der Zuschuss meist bei etwa 18.000 Yuan, rund 2.300 Euro. Dieser Zuschuss wird nun auf 14.400 Yuan gesenkt. Damit sparen chinesische Elektroauto-Käufer umgerechnet nur noch etwa 1.800 Euro.

Diese Kürzung wird zu mehr Wettbewerb im heiß umkämpften chinesischen Markt führen. Dort hat Tesla mittlerweile seine lokalen Konkurrenten überholt. Der US-Autobauer betreibt seit 2019 eine eigene Fabrik in Shanghai und stellt dort ein an den chinesischen Markt angepasstes Model 3 her.

Wegen Corona verlängert China seine E-Auto-Subventionen

Die großzügigen Subventionen in der Vergangenheit haben China geholfen, zum größten Markt für Elektroautos zu werden. Etwa die Hälfte aller E-Autos weltweit wurden dort verkauft. Eigentlich wollte die chinesische Regierung die staatliche Unterstützung bis Ende 2020 komplett auslaufen lassen und fährt sie deshalb seit Mitte 2019 nach und nach zurück. Die Hersteller sollen in die Lage kommen, sich aus eigener Kraft am Markt zu behaupten.

Die versuchte Entwöhnung der chinesischen Käufer von den Zuschüssen führte jedoch dazu, dass diese weniger E-Autos kauften. In der zweiten Jahreshälfte 2019 verzeichnete China fünf Monate lang sinkende Verkaufszahlen. Dann kam die Corona-Pandemie. Als Folge brachen die Verkäufe im Januar 2020 um 54 Prozent ein, im Februar um weitere 77 Prozent.

Dieser plötzliche Rückgang gefährdete das Ziel der chinesischen Regierung, bis 2025 ein Fünftel aller Fahrzeuge mit Elektroantrieb zu verkaufen. Um den Markt wieder in Schwung zu bringen, verlängerte Peking letztes Jahr die Subventionen um zwei Jahre. Mit der jetzt beschlossenen Kürzung um 20 Prozent wird eine neue Phase eingeleitet, in der die Zuschüsse nach und nach auslaufen sollen. 2022 soll endgültig Schluss sein.

Mehr Konkurrenz für Tesla

Die Verlängerung hatte die gewünschte Wirkung, der Elektroauto-Markt zog wieder an. Die chinesischen Hersteller schätzen ihre Verkäufe im Jahr 2020 auf 1,3 Millionen, 300.000 Autos mehr als im Jahr davor. Für 2021 gehen sie von über 1,8 Millionen verkauften Stromern aus.

Jetzt wo der Markt in China wieder wächst, muss Tesla seine Spitzenposition gegen lokale Hersteller verteidigen. Seit Kurzem bietet der Elektroauto-Pionier das für China geplante Model Y zu einem günstigeren Preis an. Tesla kündigte zudem an, sich ebenfalls um die staatlichen Subventionen bewerben zu wollen. Damit könnten sich chinesische Kunden über noch günstigere Preise freuen.

Normalerweise gelten die Zuschüsse nur für E-Autos, die unter 30.000 Yuan kosten, etwa 38.000 Euro. Eine Ausnahme gilt nur für Fahrzeuge mit Wechselakku. Von dieser Technologie hat sich Tesla 2015 verabschiedet und setzt stattdessen auf Batterien mit hoher Reichweite.

Der chinesische Konkurrent NIO dagegen hat Fahrzeuge mit Wechselakku zu seinem Geschäftsmodell gemacht. Nach eigenen Angaben hatte NIO bis Mitte 2020 bereits eine halbe Million Batteriewechsel durchgeführt und will dieses Jahr weitere 100 Wechselstationen in ganz China errichten. Damit hätte der Hersteller insgesamt 243 davon in Betrieb.

Dank dieser Ausnahme kann NIO seine Premium-Modelle mit staatlichen Zuschüssen anbieten. Der Elektro-SUV EC6 etwa ist ab 368.000 Yuan (etwa 47.000 Euro) zu haben, Käufer erhielten bisher etwa 22.500 (2.860 Euro) Zuschuss. Durch die gekürzten Subventionen wäre der EC6 teurer als Teslas Model Y. Neue Zahlen des chinesischen Industrie- und Informationsministeriums zeigen, dass die drei größten Elektroautohersteller Chinas – Nio, Li Auto und Xpeng – im letzten Jahr deutlich zulegen konnten.

Quellen / Weiterlesen

China is rolling back the subsidies that fueled its electric-vehicle boom | Fortune
Bildquelle: © NIO

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    Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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