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Der Gashersteller Linde gibt seinen Carsharingdienst „BeeZero“ auf. Das Unternehmen teilte mit, der Betrieb werde zum 1. Juli 2018 eingestellt. BeeZero besteht seit Sommer 2016 und setzt ausschließlich auf Wasserstoffautos. Linde begründete den Schritt damit, dass das Modell wirtschaftlich nicht tragfähig sei.

Das Interesse an den Brennstoffzellenautos war hoch

BeeZero hat 50 Hyundai ix35 Fuel Cell in der Flotte und ist nur in München aktiv. Seit 2016 haben die Kunden des Carsharingdienstes in 850.000 Stunden insgesamt 400.000 emissionsfreie Kilometer zurückgelegt. „Wir sind sehr stolz auf diese Ergebnisse. Die Vielzahl an Anfragen, die wir zu unseren Fahrzeugen bekommen haben, hat zudem bestätigt, dass großes Interesse an Wasserstoffmobilität besteht“, teilte BeeZero mit. „Wir haben aber auch gelernt, dass sich solch ein Modell langfristig nur betreiben lässt, wenn es auch wirtschaftlich tragbar ist.“

Linde wollte mit dem Angebot beweisen, dass Brennstoffzellenfahrzeuge alltagstauglich sind. Die Betankung der Fahrzeuge übernimmt Linde selbst, was entsprechende Personalkosten verursacht. BeeZero bietet wie DriveNow und Car2Go ein Freefloating-Modell an, bei dem die Fahrzeuge nach der Miete nicht an eine feste Station zurückgebracht werden müssen. Stattdessen können Kunden sie innerhalb des Geschäftsgebietes beliebig an öffentlichen Stellplätzen abstellen. Manche BeeZero-Fahrzeuge sollen allerdings zwei Wochen lang nicht gebucht worden sein, was auch für herkömmliche Autos im Carsharing deutlich zu wenig ist.

Die Erkenntnisse sollen in öffentliche Diskussionen einfließen

Die 50 Stromer, die eine Reichweite von 400 Kilometern haben, sollen aber weiter im Einsatz bleiben. Man habe zahlreiche Anfragen erhalten, hieß es. Details will Linde zeitnah bekannt geben. Die Erfahrungen aus zwei Jahren Wasserstoff-Carsharing sollen aber nicht verloren gehen, teilte BeeZero weiter mit. „Im Rahmen unserer Kooperationen mit Automobilunternehmen werden wir unsere gewonnen Erkenntnisse einbringen“ hieß es. An geeigneter Stelle sollen die Erkenntnisse auch in öffentliche Diskussionen einfließen.

Elektroantriebe im Carsharing haben es noch schwer

Alternative Antriebe haben im Carsharing einen schwereren Stand, weil die Fahrzeuge in der Anschaffung noch deutlich teurer sind als herkömmliche Fahrzeuge. Hinzu kommt der Mangel an öffentlichen Ladestationen und die Angst der Kunden, mit leerem Akku liegenzubleiben. Für Brennstoffzellenfahrzeuge gibt es deutschlandweit nur wenige öffentliche Wasserstofftankstellen, weswegen sie im Carsharing praktisch nicht vorkommen.

Es fehlen öffentliche Ladesäulen

Im Oktober hatte der Carsharing-Anbieter Multicity aufgegeben, der in Berlin 230 Elektroautos in der Flotte hatte. Das Unternehmen, das zum PSA-Konzern gehört, gab die fehlende Infrastruktur als Grund an. DriveNow, der Carsharing-Dienst von Daimler, hat aktuell in fünf deutschen Städten insgesamt 430 BMW i3 im Angebot, will aber aufrüsten: In Hamburg sollen bis zu 550 Elektroautos in die Flotte aufgenommen werden. Die Stadt will bis 2019 rund 1.000 öffentliche Ladepunkte errichten, und wenn sich dieser Ausbau positiv auf den Betrieb der E-Flotte auswirkt, zieht DriveNow nach. Die Auslastung hänge bei Elektroautos stark von der Zahl der Ladestationen ab, hieß es.

Fahrtguthaben für BeeZero-Kunden

Wer jetzt noch schnell ein Wasserstoffauto testen will, bevor BeeZero den Betrieb endgültig einstellt, kann sich noch bis 15. Mai kostenlos neu registrieren. Kunden erhalten außerdem 20 Euro Fahrtguthaben in der App mit dem Gutscheincode „DANKE2018“, das dann bis 30. Juni gültig ist.

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Quellen / Weiterlesen:
Münchner H2-Carsharing BeeZero stellt Betrieb ein | electrive.net
Carsharing mit Wasserstoffautos: Linde-Tochter BeeZero stellt den Betrieb ein | Chip
Brennstoffzellen-Carsharing vor dem Aus | auto motor und sport
Wasserstoff-Carsharing BeeZero hört auf | ecomento.de
BeeZero-Aus: Warum sich grünes Carsharing nicht rechnet | bizz energy
Bildquelle: Wikipedia – Von LindehcEigenes Werk, CC BY-SA 4.0

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

1 KOMMENTAR

  1. Ei wer hätte das gedacht, dass H2 nicht wirtschaftlich ist…

    Dazu braucht es doch keinen Großversuch. Ein einfacher Taschenrechner hätte den Herren (und Damen) geholfen: H2 als Energieträger ist mindestens doppelt so teuer wie Strom und verschenkt die Hälfte der Energie.

    Ich möchte echt mal wissen, wieviele Steuergelder („Forschung“) für diese Totgeburt verschwendet wurden.

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