Nachdem vor kurzem bekannt gegeben wurde, dass der US-Amerikanische Autohersteller Tesla zukünftig auch stationäre Energiespeicher, neben Autobatterien, entwickelt, verkündet nun auch Daimler seinen Einstieg in das deutsche und internationale Geschäft.
Batterietechnik aus Daimler-Elektroautos für stationäre Versorgung
Dieselbe Batterietechnik, die bereits in den Elektroautos des Konzerns zum Einsatz kommt, soll zukünftig auch in den Hausspeichern verwendet werden. Für Entwicklung, Produktion und Vertrieb der Antriebsbatterien auf Basis der Lithium-Ionen-Technologie wurde im Jahr 2009 die Tochterfirma Deutsche ACCUmotive gegründet. In der Unternehmenszentrale im baden-württembergischen Nabern ist auch die Forschung und Entwicklung angesiedelt. Der erste industrielle Großspeicher befindet sich im sächsischen Kamenz. Mit der Entwicklung stationärer Energiespeicher soll ein neues Geschäftsfeld erschlossen und der Deutschen ACCUmotive größere Wachstumschancen ermöglicht werden. Zu diesem Zweck wurden Investitionen von 100 Millionen Euro angekündigt.
Ausweitung der Speicherkapazität und Kooperation mit Partnern
Die Partnerunternehmen The Mobility House AG und GETEC Energie AG betreiben den Großspeicher in Kamenz über das gemeinsame Joint Venture Coulomb. Als Alternative zu Kohle- und Atomkraftwerken wird er zur Netzstabilisierung und Glättung von Lastspitzen verwendet, kommt bisher also ausschließlich im industriellen Bereich zum Einsatz. In den kommenden Wochen soll die Kapazität des Energiespeichers von den bisher am Netz bestehenden 500 kWh auf 3.000 kWh ausgebaut werden. Neben der Anwendung in zahlreichen Märkten mit unsicherer Stromversorgung zählen zu den Verbrauchern im Großkundenbereich etwa Fußballstadien mit Flutlichtanlagen. Ein weiteres Anwendungsbeispiel ist die Stromversorgung auf Inseln.
Für den Einsatz in Privathaushalten und mittelständischen Unternehmen innerhalb Deutschlands plant Daimler eine Zusammenarbeit mit der EnBW AG. In Haushalten mit eigener Photovoltaikanlage soll überschüssiger Solarstrom zukünftig nahezu verlustfrei zwischengespeichert werden. Im Testbetrieb laufen bereits erste Anlagen zur dezentralen Stromversorgung.
Die Sicherheits- und Qualitätsanforderungen der Energiespeicher befinden sich bereits auf einem sehr ausgereiften Niveau, da sie schon jetzt den hohen Ansprüchen für den Einsatz im Automobil gerecht werden müssen. Für den privaten Einsatz verfügen die Batteriemodule über einen Energiegehalt von jeweils 2,5 kWh und können mit bis zu acht Modulen zu einem Speicher von 20 kWh kombiniert werden. Für die gewerbliche und industrielle Nutzung werden Module mit einem Energiegehalt von 5,9 kWh benutzt, die in einer beliebig skalierbaren Größenordnung anwendbar sind. Mehr über die Energiespeicher von Mercedes-Benz erfahren Sie in unserem Artikel „Mercedes-Benz Stromspeicher„.
Finanzielle Wettbewerbsfähigkeit und internationale Kooperationen
Laut dem Entwicklungsleiter der Elektrik bei Mercedes-Benz Cars, Harald Kröger, sind die Energiespeichersysteme bereits ab diesen Monat bestellbar und werden ab Herbst ausgeliefert (in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa). Für Prognosen über Preise und Umsatzerwartungen sei es noch zu früh, die Wettbewerbsfähigkeit mit Tesla wird jedoch angestrebt und vorausgesetzt. Teslas Systeme für Privathaushalte sollen für 3.000 US Dollar vertrieben werden.
Nachdem das Konkurrenzunternehmen Tesla außerdem eine Kooperation mit dem Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick angekündigt hatte, gibt auch Daimler an, seine Speicher international vertreiben zu wollen und bereits mit Versorgern und Vertriebspartnern in Verhandlung zu stehen.
Entwickelt wurde das Konzept in der hauseigenen Ideenwerkstatt Daimler Business Innovation, aus der in den vergangenen Jahren bereits einige erfolgreiche Unternehmensbereiche hervorgegangen sind, die sich aus Pilotprojekten entwickeln konnten. Das Kerngeschäft bleibt die Automobilherstellung, was auch an Projekten wie etwa der Mercedes-Benz Driving Academy erkennbar bleibt. Durch die Beobachtung von aktuellen Trends sowie sozialen, kulturellen und technologischen Entwicklungen sind neue Lösungen und Geschäftsideen aber auch in weniger direkten Zusammenhängen möglich. So konnte hier nun auch die Entwicklung stationärer Energiespeicher entstehen.
Bildquellen: © Daimler AG