Vor einem halben Jahr hatten wir über die größte Batterie der Welt berichtet: Im Ostfriesland wollte die Firma EWE Ökostrom in unterirdischen Salzkavernen speichern. 700 MWh Leistung sollte die Redox-Flow-Batterie aus nachhaltigen Materialien haben. Jetzt hat EWE den Bau gestoppt.

Die Gerüchte haben sich bestätigt

Die Technologie, die EWE bei ihrem Projekt nutzen wollte, war neu: Statt wie üblich mit giftigen Schwermetallsalzen sollte die Redox-Flow-Batterie mit gesättigtem Salzwasser laufen. Dieses ist in den Salzkavernen sowieso vorhanden. Darin gelöst werden spezielle Polymere, die günstig und recycelbar sind. EWE wollte einen Prototyp des Kavernenspeichers eigentlich 2025 in Betrieb nehmen, um überschüssigen Ökostrom darin zu speichern. Ende 2018 gab es bereits Meldungen, das Projekt werde gestoppt. Damals dementierte EWE, räumte aber ein, die Elektrolyte erfüllten die Anforderungen noch nicht.

EWE: Es ist sehr schwierig, mit Energiespeichern Geld zu machen

Nun hat EWE das Projekt doch gestoppt, unbemerkt von der Öffentlichkeit. Das Unternehmen, das schon länger Erdgas in unterirdischen Kavernen speichert, nennt vor allem wirtschaftliche Gründe für die Entscheidung. Projektentwickler Timo di Nardo sagte, mit der Situation, die sich momentan in der Energiewirtschaft abzeichne, sei es sehr schwierig mit dem Thema Speicherung an sich Geld zu machen. Diese neue Technologie müsse irgendwie bezahlt werden. Für Großprojekte wie dieses sei es momentan schwierig zu sagen, wie sich die Zukunft entwickele. Schon zum Start des Projektes hatte EWE angemahnt, es brauche einen gesetzlichen Rahmen für Energie- beziehungsweise Stromspeicher. Di Nardo ist aber weiter vom Potenzial der Batterie überzeugt.

Redox-Flow-Batterien als Zukunftstechnologie

Redox-Flow-Batterien haben viele Vorteile gegenüber anderen Speichertechnologien, ihr größter Nachteil ist aber ihre geringe Energiedichte. Im Fall des Salzstockes wäre das kein Problem gewesen, da dort genug Platz vorhanden ist. Flüssigbatterien sind langlebiger als Lithium-Ionen-Akkus und kommen ohne heikle Rohstoffe wie Kobalt aus. Deshalb arbeiten Forscher weltweit daran, ihre Energiedichte zu verbessern.

An der Kavernenbatterie von EWE ist auch die Universität Jena beteiligt. Auch dort arbeitet man an einer umweltfreundlichen Redox-Flow-Batterie mit in Salzwasser gelösten organischen Molekülen. Es wäre ein Durchbruch für die Forscher gewesen, in Ostfriesland die größte Batterie der Welt zu errichten. EWE hoffte auch, den Markt für Regelenergie und den Speichermarkt an sich grundlegend zu verändern. Auch Deutschland als Wirtschaftsstandort hätte profitieren können. Hierzulande steht man aktuell vor der schwierigen Herausforderung, asiatischen Batterieherstellern im Bereich Li-Io-Batterien Marktanteile abzujagen.

An dem Plan, die größte Batterie der Welt zu bauen, will EWE zwar weiter festhalten. Einen neuen Zeitplan dafür gibt es aber noch nicht.

Quellen / Weiterlesen

Größte Batterie der Welt wird vorerst nicht gebaut | mdr
EWE: Redox-Flow-Speicherprojekt nicht gestoppt | energate messenger
Größte Batterie der Welt vorerst auf Eis | Solarify
Bildquelle: Pixabay

2 KOMMENTARE

  1. 700 kWh klingt ja jetzt nach nicht besonders viel. Das schaffen 10 Teslas. Sollten es 700 MWh sein?

  2. Sehr geehrter Herr Fenzl
    Vielen dank für den Hinweis. Wir haben das korrigiert.
    Viele Grüße
    KD

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