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Berlin hat ein großes Problem mit Stickoxiden und Feinstaub. Um Fahrverbote zu vermeiden, testet die Hauptstadt seit April Tempo 30 auf Hauptstraßen. Das soll die Luft verbessern. Doch eine riesige Quelle für Abgase wird nahezu ignoriert: Der Schiffsverkehr in Berlin ist für einen Großteil der Emissionen verantwortlich. Das stört bisher kaum jemanden.

Von 100 Schiffen haben 96 keinen Abgasfilter

In flussnahen Städten wie Berlin sorgen Schiffe für rund ein Drittel der Feinstaub– und Stickoxid-Emissionen, hat das Umweltbundesamt errechnet. Wie viele andere deutsche Städte überschreitet auch Berlin regelmäßig die Grenzwerte. Doch bei all den Diskussionen um Fahrverbote für Dieselfahrverbote wird über den Schiffsverkehr auf der Spree und den Kanälen nicht gesprochen. Die allermeisten der rund 100 Fahrgastschiffe in Berlin haben kein System zur Abgasnachbehandlung und blasen permanent Dieselabgase in die Luft.

Hohe Werte für Ultrafeinstaub durch Schiffe

Darauf wollte der Verband für Elektroschifffahrt aufmerksam machen und lud vor kurzem zu Messungen an Schiffsrouten entlang der Spree ein. Messungen auf der Weidendammer Brücke in Berlin Mitte zeigten: Fahren Schiffe vorbei, steigt die Zahl der Ultrafeinstaub-Partikel stark an. Ohne Schiffe lag der Wert bei 6.000 bis 7.000 Partikel pro Kubikzentimeter Luft, ein vorbeifahrendes Schiff ließ den Wert auf 64.000 ansteigen. Ultrafeinstaub ist besonders fein und gilt als noch gefährlicher als „normaler“ Feinstaub. Auch die Messungen für Ruß, große Feinstaubpartikel und Stickoxide ergaben Werte oberhalb der Grenzwerte, und das nicht nur in unmittelbarer Nähe der Schiffe. Der Wind trägt die Abgase weiter.

Verband für Elektroschifffahrt sieht Elektroschiffe benachteiligt

Abhilfe schaffen könnten Rußpartikelfilter für die Schiffe, doch beim Thema Luftverschmutzung geht es bisher meist nur um den Straßenverkehr. Der Verband für Elektroschifffahrt will nun erreichen, dass auch alte Schiffe ihre Emissionen von Feinstaub und Stickoxiden reduzieren müssen. Außerdem will sich der Verband dafür einsetzen, dass elektrische Schiffe in Berlin nicht mehr benachteiligt werden – zwei Anbieter dominieren die Fahrgastschifffahrt seit Jahrzehnten, so der Vorwurf. Unternehmen mit Elektroschiffen dagegen könnten nicht einmal Ladestellen errichten.

Senatsprojekt soll die Schifffahrt sauberer machen

Für die Berliner Reeder ist die Nachrüstung ihrer Schiffe durchaus ein Thema, doch bei der Reederei Stern und Kreis haben gerade vier Schiffe einen Filter – von 31. Auf der Veranstaltung sagte Geschäftsführer Andreas Behrens, man wolle nächstes Jahr das erste Hybridfahrgastschiff in Betrieb nehmen. Dann würde der Dieselmotor nur noch die Batterie laden, wenn es unterwegs nötig sei. Aufgeladen wird das Schiff über Nacht im Hafen an einer Ladestation, die Ökostrom nutzt. Auch der Senat will die Schifffahrt grüner machen. In einem Projekt sollen immerhin sechs Schiffe von Stern und Kreis mit einem Elektroantrieb oder Filter ausgerüstet werden.

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Quellen / Weiterlesen:
Alte Dieselschiffe verpesten die Hauptstadt | energiezukunft
Smog on the Water: Wie Ausflugsschiffe die Berliner Luft verpesten | Berliner Zeitung
Tempo-30-Bilanz So hat sich die Luft in der Leipziger Straße verändert | Berliner Zeitung
Stern und Kreisschiffahrt plant Elektroschiffe in Berlin | Binnenschifffahrt
Bildquelle: Pixabay

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

1 KOMMENTAR

  1. Schon erstaunlich, wie „plötzlich und unerwartet“ solche Erkenntnisse kommen.

    Das Gute an der Sache ist, dass diese wenigen Schiffe sehr schnell umgerüstet werden können. Könnten…

    Das gibt aber leider wieder den Verniedlichern Wasser auf die Mühlräder, die alle Andern, nur nicht sich selbst als verantwortlich sehen.

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