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Der Strommarkt wandelt sich. Der Trend geht weg vom großen Stromversorger hin zur dezentralen Erzeugung von Ökostrom. Über neue Online-Marktplätze und Plattformen können Erzeuger und Verbraucher Ökostrom direkt miteinander handeln – klassische Stromversorger werden überflüssig. Wir stellen vier Anbieter vor.

Enyway: Peer-to-Peer Direktvermarktung von Ökostrom

Enyway ist eine Tochter des Ökostrom-Anbieters Lichtblick. Sie bringt Besitzer von Windkraft-, Photovoltaik-, Wasserkraft- oder Biogasanlagen mit Stromkäufern zusammen und funktioniert ohne zusätzliche Hardware für Stromkäufer. Diese suchen sich auf der Plattform den Stromerzeuger aus und der Strom kommt wie gewohnt aus dem vorhandenen Netz. Um die Abwicklung kümmert sich Enyway, von dort bekommt der Stromkunde auch seine Rechnung. Falls der ausgewählte Stromerzeuger einmal selbst nicht genug Strom erzeugt, kauft er zertifizierten Ökostrom zu. Der Stromkunde bemerkt davon nichts.

Die Plattform wurde im November 2017 gegründet und ist mit mittelgroßen Erzeugungsanlagen gestartet. Künftig könnten auch kleinere Anlagen in die Plattform eingebunden werden. Dieses Direktvermarktungs-Modell wird vor allem für Stromproduzenten interessant sein, die keine Einspeisevergütung nach dem EEG mehr erhalten. „Künftig wird es hunderttausende kleiner, privater Stromverkäufer geben, die ihre selbst erzeugte Energie ohne Umweg über einen Energieversorger direkt an ihre Nachbarn, Freunde und andere Menschen verkaufen“, sagt LichtBlick- und Enyway-Gründer Heiko von Tschischwitz.

Buzzn: Dezentraler Stromhandel über Energiegruppen

Buzzn ist ein ebenfalls eine Online-Plattform, die speziell kleine private Stromerzeuger – bei Buzzn Stromgeber genannt – mit Stromabnehmern verbindet. Dazu werden Geber und Nehmer in Energiegruppen vernetzt. Das funktioniert auf der einen Seite rein rechnerisch, wenn zum Beispiel jemand seinen selbst erzeugten Strom mit der Verwandtschaft woanders in Deutschland teilen will. Es funktioniert aber auch lokal, zum Beispiel über Mieterstromprojekte, wo der Besitzer einer Dach-Solaranlage seinen Strom über das Hausnetz direkt an die Mieter liefert. Das spart Geld, weil dieser Strom nicht mit Stromsteuer und Netzentgelten belastet wird. Wird mehr Strom benötigt, kommt dieser aus der Buzzn-Community, also von anderen Energiegruppen. An der Plattform sind mehrere tausend Menschen beteiligt.

Tal.Markt: Regionaler blockchainbasierter Peer-to-Peer Marktplatz

Auch Tal.Markt bringt Produzenten und Konsumenten von Ökostrom direkt zusammen. Die Wuppertaler Stadtwerke betreiben diesen Peer-to-Peer-Marktplatz ebenfalls seit November 2017 und wollen damit den Stromvertrieb revolutionieren. Im Gegensatz zu Enyway ist das Angebot momentan aber nur regional in Wuppertal verfügbar. Das Besondere: Statt sich für einen Erzeuger von Ökostrom zu entscheiden, können sich Tal.Markt-Kunden ihren individuellen Strommix aus Sonne, Wind, Biogas oder Wasserkraft selbst zusammenstellen. Tal.Markt nutzt dabei die Blockchain-Technologie, um sicherzustellen, dass jeder Verbraucher immer genau den bestellten Strommix erhält und dass keine Kilowattstunde Ökostrom doppelt verkauft wird. Die Abrechnung beim Nutzer erfolgt viertelstundengenau über einen Smart Meter.

SonnenCommunity: Strom­Sharing mit vernetzten Solarspeichern

Die sonnenCommunity ist die Plattform des Speicherherstellers sonnen. Sie vernetzt die Solarbatterien ihrer Mitglieder virtuell miteinander und ermöglicht ihnen so, Strom zu teilen. Je nach Bedarf speisen Mitglieder entweder Strom ein oder beziehen Strom von anderen Mitgliedern – und zwar nur den Strom, der nicht in den Stromspeicher fließt. Auch die sonnenCommunity will ihre Mitglieder vom klassischen Stromversorger unabhängig machen. Der Erlös für den Stromverkäufer liegt über der Einspeisevergütung, und Mitglieder, die Strom beziehen, zahlen ebenfalls im Schnitt weniger als an den Energieversorger. Bisher sind sonnen zufolge 120.000 Kunden in der sonnenCommunity.

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Quellen / Weiterlesen

Die Mit-Stromzentralen | Creditreform
LichtBlick-Gründer bringt mit enyway Erzeuger und Verbraucher zusammen | Cleanthinking
„Ökostrom direkt vom Erzeuger“ | Handelsblatt
Bildquelle: Pixabay
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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

1 KOMMENTAR

  1. „klassische Stromversorger werden überflüssig“
    … weil die Stromleitungen das Christkind bringt.

    Wobei – wenn man eh auf virtuellen Marktplätzen virtuellen Ökostrom von virtuellen Stromerzeugern an virtuelle Stromkunden verkauft, dann braucht man vermutlich gar keine realen Stromleitungen. Richtig?

    „Tal.Markt nutzt dabei die Blockchain-Technologie, um sicherzustellen, dass jeder Verbraucher immer genau den bestellten Strommix erhält und dass keine Kilowattstunde Ökostrom doppelt verkauft wird.“
    Hach, welch ein Glück, dass keiner weiß, was „Blockchain“ eigentlich bedeutet. So kann man wunderbar jeden beliebigen Blödsinn mit diesem Schlagwort aufwerten…

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