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Bisher weniger als ein Prozent des Fördertopfes zur Mieterstrom-Direktförderung genutzt

Politisch, wirtschaftlich und sozial gefördert und gefordert, aber praktisch hinter den Erwartungen zurück, so kann man die bisherige Mieterstromentwicklung beschreiben. Die Zahl realisierter PV-Mieterstromprojekte steigt zwar, doch sie bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Im letzten halben Jahr wurde beispielsweise laut Bundesnetzagentur für 53 PV-Mieterstromprojekte zur Direktförderung in Betrieb genommen. Damit wurde weniger als ein Prozent des Fördertopfes von 500 Megawatt in Anspruch genommen. Das liegt sicherlich auch an der späten beihilferechtlichen Genehmigung durch die EU-Kommission Ende 2017, aber nicht nur.

Ausreden gibt es 2018 jedenfalls keine. Die Voraussetzungen zum Mieterstromjahr zu werden sind super. Und das nicht nur für PV-Mieterstromprojekte. Gerade die technologieoffene Auslegung von Mieterstrom verspricht viel Potenzial etwa für BHWK-Mieterstromprojekte.

Attraktive Investitionsphase

Die Zinsen sind niedrig und die Preise für Solaranlagen und Speicher sind drastisch gefallen. Gleichzeitig ist das Delta der Ausgaben für die benötigte Anlagentechnik und der EEG-Vergütung sehr attraktiv. Das verbessert einmal mehr die derzeitige Rentabilität der Investitionen.

Gebäude-Effizienzkriterien wirtschaftlich sinnvoll erfüllen

Die Zusammenlegung von Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV), des Energieeinsparungsgesetzes (EnEG) und des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG) im neuen Gebäudeenergiegesetzes (GEG) war im Frühjahr letzten Jahres gescheitert und steht nun für 2018 auf dem Plan. Mit dem neuen Gesetz gehen verschärfte energetische Vorgaben einher, um angepeilten Niedrigstenergiestandard zu erreichen. Die Regelungen sollen zunächst nur für öffentliche Gebäude gelten, die ab 2019 den Niedrigstenergiestandard erfüllen müssen. Mit den strengeren Kriterien will der Staat seine Vorbildfunktion gegenüber den Bürgern erfüllen. Doch mit jeder weiteren Verzögerung des GEGs kann das auch schnell schon für private Gebäude zutreffen. Denn für alle restlichen Neubauten muss der Niedrigstenergiestandard bis Ende 2018 festgelegt werden und gilt ab 2021.

Technisch gesehen, können die Anforderungen bereits seit vielen Jahren erfüllt werden. Die sinkenden Investitionskosten in Anlagentechnik zur Mieterstromversorgung erleichtern es 2018 Immobilienbesitzern, die geltenden Effizienzkriterien sogar zu übertreffen und sich rechtzeitig für die Zukunft zu rüsten.

Hohe Attraktivität von Mieterstrom mit BHKW

Während durch die neue Direktförderung vor allem PV-Mieterstromprojekte eine große Aufmerksamkeit genießen, wird oft vergessen, dass auch andere Technologien in Mieterstromprojekten zum Einsatz kommen können. Teilweise reduzieren sie – wie im Fall von BHKWs – die Mieterstromkosten noch stärker.

Denn BHKW-Mieterstromprojekte ermöglichen einen Autarkiegrad von rund 50 Prozent, bei PV-Mieterstromprojekten liegt er meist zwischen 35 und 45 Prozent. Das liegt vor allem an der kontinuierlichen Stromerzeugung beim BHKW, so dass auch in den Abendstunden, wenn der Stromverbrauch besonders hoch ist, selbst erzeugter Strom genutzt werden kann.

Allerdings gibt es auch hier einen saisonalen Einfluss, weil die Stromerzeugung eines BHKW an die Wärmeerzeugung gekoppelt und so im Winter größer ist als im Sommer. Um das etwas auszugleichen, wird ein BHKW meistens nicht nur zum Heizen, sondern vor allem zur Warmwassererzeugung genutzt. Der Warmwasserverbrauch von Haushalten ist ganzjährig stabil. Um Spitzenlastzeiten des Wärmebedarfs zu decken, sprich die Versorgung mit Heizenergie an sehr kalten Tagen zu gewährleisten, wird das BHKW in diesen Fällen oftmals durch eine Gas-Brennwertheizung unterstützt. Sie kann fallweise zugeschaltet werden.

Besonders wirtschaftlich und energetisch attraktiv ist die Kombination von PV-Anlage und BHKW zur Mieterstromversorgung. Allerdings ist solch eine Anlagenkombination zur Mieterstromversorgung deutlich komplexer in der Planung und Umsetzung als Angebote mit einer einzelnen Technik. Für den Mieter bedeutet die Stromversorgung über eine PV-Anlage und ein BHKW einen Autarkiegrad von bis zu 60 Prozent. Schließlich erzeugt die PV-Anlage in den Sommermonaten den meisten Strom, während das beim BHKW im Winter der Fall ist.

Nachfrage durch die Mieter steigt

Immer mehr Mieter haben davon gehört, dass sie Strom vom eigenen Dach beziehen können. Die mediale Berichterstattung zu Mieterstromprojekten fördert ihr Interesse. Zumal die Mieten in großen Städten und Ballungsräumen steigen. Laut Verband der Wohnungswirtschaft Deutschland (GdW) waren es bei den Angebotsmieten 2016 mehr als 6,5 Prozent und eine Änderung ist nicht wirklich in Sicht. Neue Möglichkeiten, die Wohnkosten zu senken, sind damit gefragter denn je. Auch weil die Energiekosten daran einen hohen Anteil haben.

Neben den Spareffekten, die Mieterstrom attraktiv machen, ist es auch das Image und damit einhergehend die Wertsteigerung eines zukunftsweisenden und modernen Gebäudes. Oft werden gerade im Neubau im Zuge von Mieterstromprojekten weitere Angebote etwa im Bereich der Elektromobilität gemacht oder smarte Services angeboten, die das Leben erleichtern.

Vielfalt des Angebots und der Anbieter

Die allmählich steigende Mieterstromnachfrage ruft bereits immer neue Mieterstrom-Dienstleister auf den Plan. Das ist Fluch und Segen zugleich. Denn es fördert die Umsetzung von Projekten, je mehr Anbieter dafür trommeln. Gleichzeitig steigt damit die Zahl derjenigen Anbieter, die sich schlecht auskennen, die Immobilieneigentümer schlecht beraten und Projekte in die Länge ziehen und so dem Ruf von Mieterstrom als „Lieblingsprojekt“ denn als rentable und sinnvolle Zusatzinvestition schaden. Diese Entwicklung droht 2018 zuzunehmen, weil Mieterstromprojekte immer komplexer werden. Es wird verschiedene Anlagentechnik kombiniert, mehr intelligent vernetzt und Mieterstrom muss mehr Anforderungen genügen. So zahlt sich am Ende einmal mehr aus, als Immobilieneigentümer auf erfahrene Partner zu setzen und Lockangebote genau zu prüfen.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Mieterstrom von Polarstern.

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Bildquelle © Bürger-Energie Unterhaching e.G.

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Manuel Thielmann
Manuel Thielmann arbeitet in der Geschäftsentwicklung von Polarstern. Er ist Ansprechpartner für die konzeptionelle Entwicklung und die praktische Umsetzung von Eigenstrom- und Mieterstromprojekten in ganz Deutschland. Sein Schwerpunkt ist die Integration verschiedener Energie- und Speichertechniken in dezentrale Energiekonzepte. Zuletzt hat er u.a. am Lehrstuhl für Elektrische Energiespeichertechnik der TU München die Integration von Batteriespeichern in Mehrfamilienhäusern erforscht.

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