Das Elektroauto laden: Einfach Stecker in die Steckdose und fertig? So einfach ist es leider nicht. Beim Laden von Elektroautos gibt es einiges zu beachten, und zwar schon vor dem Kauf.

Der wichtigste Unterschied: Gleichstrom und Wechselstrom

Strom ist Strom? Nicht beim Elektroauto. Denn die Art des Stroms, der aus der Ladestation kommt, entscheidet über schnell oder langsam. Gleichstrom (DC) zu laden heißt, dass das Aufladen deutlich schneller geht. Gleichstrom ist der Strom, den der Akku eines Elektroautos direkt aufnehmen kann, deshalb muss er – anders als Wechselstrom – nicht noch vom Fahrzeug umgewandelt werden. Der im Auto integrierte Bordlader bleibt beim Gleichstrom-Laden außen vor.

Schnell-Laden mit Gleichstrom – was ist zu beachten?

Das heißt: Schnellladen mit Gleichstrom bietet sich besonders auf langen Fahrten als Zwischenladung an, da sich in kurzer Zeit schnell genug Strom für eine längere Strecke tanken lässt. Deshalb finden sich Gleichstrom-Ladesäulen oft an Autobahnen oder Hauptverkehrsachsen. Der Nachteil ist, dass das Aufladen hier oft teurer ist als an AC-Ladesäulen mit Wechselstrom und dass es deutschlandweit nur etwa 2.000 Gleichstrom-Ladesäulen gibt.

Das Elektroauto bestimmt das Ladetempo

Wie schnell die Ladesäule den Akku füllen kann, hängt zunächst von ihrer eigenen Leistung ab. Gleichstrom-Ladesäulen laden mit 50 bis 100 kW, neuere Modelle schon mit 350 kW. Trotzdem hängt es am Ende vom Fahrzeug ab, wie schnell der Strom in den Akku fließt, genauer gesagt vom Batteriemanagement. Diese interne Software regelt, wie viel Ladeleistung das Fahrzeug bzw. der Akku verträgt. Denn je mehr Strom auf einmal fließt, desto schneller erhitzt sich der Akku, was ihn beschädigen kann. Dabei spielt auch die Umgebungstemperatur eine Rolle.

Neuere und teure Elektroautos vertragen meist mehr Ladeleistung als ältere, weil sie oft mit einer Akkukühlung ausgestattet sind. Fehlt diese, kann es bei Elektroautos ohne Kühlung nach längerer Fahrt auch an Schnellladesäulen deutlich länger dauern.

Wer also regelmäßig lange Strecken mit dem Elektroauto zurücklegen will, sollte sich vor dem Kauf umfassend über die Schnellladefähigkeit seines Modells informieren. Bei einem Stadtauto dagegen wird vermutlich meist zuhause geladen und Schnellladen ist weniger wichtig.

Tipps für das Laden mit Wechselstrom

Wechselstrom-Laden (AC) ist das gängigste Laden. Wechselstrom kommt aus der Steckdose, Wallbox und aus den meisten Ladesäulen. AC-Laden dauert länger, weil der interne Bordlader des E-Autos den Wechselstrom noch in Gleichstrom für den Akku umwandelt. Dafür zahlt man weniger als beim Laden mit Gleichstrom.

Wie lange das Laden mit Wechselstrom dauert, hängt vom im E-Auto verbauten Bordlader ab. Es gibt sie mit 3,6 kW, 7,2 kW, 11 kW und 22 kW Leistung. Je höher die Zahl, desto schneller fließt der Strom. Bordlader mit höheren Ladeleistungen kosten oft einen Aufpreis, lohnen sich aber vor allem bei großen Batterien. Denn einen 90 kWh-Akku mit nur 7,4 kW zu laden, dauert über 12 Stunden.

Je nachdem, wie Sie Ihr Elektroauto nutzen wollen, sollten Sie sich also überlegen, in einen schnelleren Bordlader zu investieren. Denn sonst lohnt sich das kostenlose Stromtanken auf dem Supermarkt-Parkplatz kaum, und auch an einer öffentlichen Ladesäule kommen Sie in ein paar Stunden nicht besonders weit. Vor allem dann, wenn Sie zuhause keine Lademöglichkeit haben und nicht regelmäßig über Nacht aufladen können, ist ein leistungsfähigerer Bordlader wichtig.

Elektroauto zuhause aufladen

Ja, das E-Auto lässt sich auch an einer Haushaltssteckdose laden. Je nach Akkugröße kann das aber ziemlich lange dauern, weil die Leistung von Steckdosen gering ist. Außerdem können die Kabel oder der Stecker durch Hitze beschädigt werden. Vor der Dauerbenutzung zum Laden sollte also besser ein Fachmann die Steckdose prüfen. Ansonsten ist eine Wallbox für die Garage oder den Carport eine lohnende Investition.

Eine Wallbox wird direkt an den Sicherungskasten angeschlossen und verfügt über ein integriertes Kabel. Es gibt fast kein Risiko der Überhitzung. Ein weiterer Vorteil ist, dass Wallboxen höhere Ladeleistungen liefern. Die Spanne reicht von 3,7 kW bis 22 kW.

Welche Wallbox ist die Richtige?

Das hängt wieder davon ab, welche Ladeleistung das Elektroauto verträgt. Verträgt es schnelles Laden, geht es mit einer 22 kW-Wallbox (400 V, dreiphasig, 32 A) auch am schnellsten. Ein Akku mit 30 kWh wäre damit in 1,5 Stunden geladen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Hausinstallation stärkere Zuleitungen bekommt, was der örtliche Netzbetreiber genehmigen muss. Außerdem ist diese Variante teurer.

Der ADAC empfiehlt eine Wallbox mit 11 kW. Solche Wallboxen können ein, zwei- oder dreiphasig laden und füllen im Normalfall auch größere Batterien innerhalb einer Nacht. Eine höherwertige Variante (400 V, dreiphasig, 16 A, 11 kW) schafft es in gut drei Stunden, einen 30 kWh-Akku voll zu laden. Mit der einfachsten Wallbox-Variante (230 V, einphasig, 16 A, 3,7 kW) dauert es dagegen mindestens 10 Stunden, bis ein komplett leerer Akku wieder voll ist.

Eine Wallbox kostet etwa zwischen 500 und 2.500 Euro. Sie muss von einer Fachfirma installiert werden.

Was kostet es, ein Elektroauto zu laden?

Zuhause kostet das Aufladen den Preis des normalen Haushaltsstroms, geschätzt 4 Euro pro 100 Kilometer. Das ist auch normalerweise die günstigste Variante. An öffentlichen Ladesäulen wird unterschiedlich abgerechnet: Möglich ist pro Minute, pro Ladevorgang oder pro Kilowattstunde. Der Preis pro Kilowattstunde kann sich je nach Anbieter und Ladesäule zwischen 30 und 60 Cent bewegen, der Preis pro Minute zwischen 5 und 15 Cent. Der Preis pro Aufladevorgang beträgt ungefähr 6 bis 8 Euro. Auf Dauer dürfte sich die Abrechnung pro Kilowattstunde durchsetzen, so dass Kunden auch besser vergleichen können.

Quellen / Weiterlesen

Elektroauto laden: Über diese Dinge sollten Sie unbedingt Bescheid wissen | tz
Das sollten Sie beim Aufladen von Elektroautos beachten | R+V
Elektroauto laden: Alles, was Sie wissen müssen | Smarter fahren
Elektroauto laden – Das musst du beachten | inside digital
Wallbox: Elektroauto-Ladestation für zu Hause – Die wichtigsten Tipps | ADAC
Bildquelle: flickrMarco Verch
Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

3 KOMMENTARE

  1. Der Artikel ist wohl für Einsteiger gedacht und insofern schon OK. Ein paar Dinge möchte ich aber kommentieren.
    „… sollten Sie sich also überlegen, in einen schnelleren Bordlader zu investieren. Denn sonst lohnt sich das kostenlose Stromtanken auf dem Supermarkt-Parkplatz kaum“: Das ist Quatsch, denn die Supermärkte, die Lademöglichkeiten anbieten, stellen Triple-Charger auf (z.B. Aldi, siehe Titelbild). Damit kann insbesondere schnell DC geladen werden (via CCS oder ChaDeMo) – ohne Bordlader!
    „Der ADAC empfiehlt eine Wallbox mit 11 kW. Solche Wallboxen können ein, zwei- oder dreiphasig laden“: Die 11 kW kann nur ein Auto nutzen, das auch 3phasig laden kann. 11 kW einphasig würde (bei 230 V) eine Stromstärke von 48 Ampere bedeuten. Das funktioniert nicht! Selbst bei einer 22 kW Wallbox sind einphasig nur 7,4 kW abrufbar.
    „An öffentlichen Ladesäulen wird unterschiedlich abgerechnet: Möglich ist pro Minute, pro Ladevorgang oder pro Kilowattstunde.“
    Zum Glück sind in Deutschland seit April 2019 die Zeit- und die Session-Tarife nicht mehr zulässig. Die Betreiber MÜSSEN energieabhängig abrechnen, und das ist auch das einzig Vernünftige.

  2. In der Nacht laden bedeutet Atomstrom. Sauberen Strom bekommt man totsicher nur von der eignen PV Anlage vom Dach. In der Nacht lädt die aber nicht, und Speicher sind zu teuer. Also möglichst 3 Autos gemeinsam am Tag aufladen aber langsam, sonst frisst der Smartzähler teuren Tagstrom dazu wenn die Sonne mal weg geht. So muss man organisieren, dass mindestens zwei Wägen am Abend geladen da stehn. Einer kommt dann erst von der Arbeit wieder zurück. Und vielleicht ein anderer am nächsten Mittag.

  3. @Strauss: klar, wenn Sie den Ehrgeiz haben, 3 Autos über die eigene PV-Anlage zu laden, ohne Zuspeisung aus dem Netz, dann brauchen Sie Ihre eigene Lade-Organisation. Darum geht’s aber im Artikel eher nicht.
    „Speicher sind zu teuer“, schreiben Sie. Gerade in Ihrem Fall würde sich ein Speicher (z.B. 30 kWh) vielleicht rechnen. Mit den Kosten kenn‘ ich mich allerdings nicht aus. Habe weder eine PV-Anlage noch einen Batteriespeicher.

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