Ein Elektroauto in fünf Minuten laden? Ein Start-up aus Kanada verspricht genau das, und das ohne große Anpassungen am Fahrzeug. Die Technologie von GBatteries basiert nur auf Software und Elektronik und soll mit allen heutigen Lithium-Ionen-Batterien funktionieren.

Ein Elektroauto mit einer 60 kWh-Batterie soll in nur fünf Minuten wieder Strom für knapp 200 Kilometer nachtanken und in zehn Minuten wieder komplett vollgeladen sein. Eine solche Ladeleistung können heute selbst die schnellsten Ladesäulen noch nicht bereitstellen. GBatteries zufolge macht ein Adapter zwischen Ladekabel und Fahrzeug das ultraschnelle Laden möglich. Eine intelligente Software optimiert dann die Ladegeschwindigkeit – was normalerweise die Steuerungssoftware des Fahrzeuges übernimmt. Das Ganze funktioniert bei jedem Auto an gängigen Schnellladesäulen. „Unsere Technologie funktioniert mit den üblichen, bereits bewährten, getesteten und von Batteriefertigern produzierten Lithium-Ionen-Batterien“, so Kostya Khomutov, einer der Gründer von GBatteries.

Das Problem mit dem schnellen Laden

Beim Laden spielt die Temperatur eine große Rolle. Je schneller man Batterien lädt, desto mehr Wärme entsteht. Sowohl bei zu niedrigen als auch bei zu hohen Temperaturen begrenzt das Batteriemanagement die Ladeleistung, denn sonst laufen innerhalb der Batterie irreversible Reaktionen ab. Die Folgen sind eine schlechtere Zellchemie und eine sinkende Batteriekapazität.

Hier setzt die Technologie von GBatteries an. Das Start-up will mit seiner Technologie die unerwünschten chemischen Reaktion – das sogenannte Lithium-Plating – in der Zelle  verringern und so ultraschnelles Laden möglich machen. Beim Lithium-Plating lagern sich Lithium-Ionen nicht in der Anode ein, sondern bilden metallisches Lithium. Dieses lagert sich dann an der Anode an, was die Leistungsfähigkeit der Batterie mindert. Je schneller man die Batterie lädt, desto schneller läuft dieser Prozess ab.

Was macht GBatteries anders?

Experten vermuten, dass die Technologie von GBatteries entsprechend dem Ladezustand mit Ladepulsen arbeitet, das bestätigte auch einer der Gründer in einem US-Internetforum. Die Parameter der Pulse werden demnach durch künstliche Intelligenz gesteuert. Damit das möglich ist, wird das Lademanagement des Autoherstellers quasi außer Kraft gesetzt. Dies geht allerdings nur mit Zustimmung des Herstellers: Die Technologie könnte entweder direkt ins Elektroauto oder in die Schnellladesäule integriert werden. In beiden Fällen müsste der Fahrzeughersteller das ultraschnelle Laden gestatten. GBatteries plant deshalb nach eigener Aussage, die Lizenz für die Technologie direkt an Hersteller zu verkaufen. Ob das Ladepuls-Verfahren funktioniert, ist Experten zufolge allerdings nicht so einfach nachweisbar.

GBatteries gibt es seit 2014, zu den Gründern gehören Elektroingenieure und ein Raumfahrtingenieur. Das Ziel des Start-ups ist es, das Laden von Batterien mithilfe künstlicher Intelligenz zu optimieren. Zu den Investoren gehört unter anderem Airbus.

Quellen / Weiterlesen


GBatteries: Elektroauto laden so schnell wie tanken? | Edison
GBatteries verspricht Elektroauto-Vollladung in Minuten | ecomento.de
GBatteries | Hacker News
GBatteries let you charge your car as quickly as visiting the pump | Tech Crunch
GBatteries Claims Amazingly Fast Charging Times For Electric Cars | Inside EVs

3 KOMMENTARE

  1. OK, Optimierungen der Ladezeit mögen auf vielfältige Weise machbar sein, aber um eine Energiemenge von 60 kWh in 5 Minuten zu übertragen, braucht man eine Ladeleistung von 720 kW. Bei einer Spannung von – sagen wir – 400 Volt ergibt das einen Ladestrom von 1800 Ampere. Verluste nicht eingerechnet!
    DIE Ladesäule, DAS Ladekabel und DIE Batterie, die das leisten / verkraften, zeigen Sie mir mal!
    GBatteries – und auch der Autor des Artikels – sollten sich auf seriöse Aussagen besinnen und nicht versuchen, einfachste physikalische Gegebenheiten verbal außer Kraft setzen zu wollen.

  2. 350 kw sind heute schon in Betrieb siehe Fastned. Porsche hat einzelne Ladestationen mit 700 kw. Allerdings ist dort die Voltzahl viel höher.

  3. @Mv: Und welches heute verfügbare Serien-eFahrzeug kann mit 350 kW laden?
    Um nicht missverstanden zu werden: ich verfolge die Entwicklungen mit großem Interesse und denke, dass sowohl bei der Batterietechnologie als auch bei der Ladetechnik noch Einiges drin ist. Aber der Artikel ist mir zu reißerisch und zu unsachlich. Nur mit intelligenter Software geht’s nicht. Man muss die gewaltige Energiemenge schon auch hardwaremäßig handhaben können.
    Wenn mir GBatteries ankündigen würde, die 16 kWh Batterie meines C-Zero an einer 50 kW Ladesäule in 20 Minuten zu 100% laden zu können, das wäre was! Momentan dauern vor allem die letzten 20% von 80% auf 100% viel länger. Wenn da die intelligente Impulstechnik nachhelfen könnte, wäre es super!

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