In Berlin sind immer mehr Elektrofahrzeuge unterwegs. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) meldet, dass 2019 satte 70 Prozent mehr Stromer zugelassen wurden als im Jahr zuvor. Trotz der hohen Zuwächse machen E-Autos nur einen Bruchteil der Neuzulassungen aus. Der Berliner Senat will die Förderung für die Elektromobilität ausweiten.

In der Hauptstadt sind etwa 12.000 Elektroautos unterwegs

Anfang 2019 waren laut KBA 3.293 batterieelektrische Fahrzeuge und 2.244 Plug-In-Hybride zugelassen. Anfang 2020 war die Zahl der batterieelektrischen Fahrzeuge auf 5.871 angewachsen, die der Plug-in-Hybride auf 3.539. Damit sind in der Hauptstadt knapp 10.000 Autos mit E-Antrieb unterwegs. Hinzu kommen etwa 2.000 E-Golfs, die VW für seinen Sharingdienst WeShare nutzt. Diese sind aber nicht in Berlin zugelassen und fallen damit aus der Statistik.

Verzögerte Kaufprämie bremste den Markt aus

Gernot Lobenberg, Chef der landeseigenen Agentur für Elektromobilität (emo) sagte der Berliner Zeitung, die Zunahme zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei. Die Zahlen hätten aber merklich höher ausfallen können. Lobenberg sagte, es habe offenbar eine gewisse Kaufzurückhaltung wegen der angekündigten Erhöhung der Umweltprämie gegeben. Weil sich die Erhöhung verzögerte, hatten potenzielle Käufer die Kaufentscheidung hinausgezögert. Außerdem hätten manche Hersteller nicht liefern können.

Senat verlängert Förderprogramm für elektrische Nutzfahrzeuge

Berlin verzeichnete auch bei elektrischen Nutzfahrzeugen einen Zuwachs. Der Senat fördert diese mit dem Programm „Wirtschaftsnahe Elektromobilität“, das Berliner Unternehmen bei der Anschaffung von E-Fahrzeugen und Ladestationen unterstützt. Darin sind auch E-Bikes, E-Roller und Elektrotransporter enthalten. Auch eine Beratung wird gefördert, um die Betriebe dabei zu unterstützen, Elektromobilität in die Geschäftsprozesse zu integrieren.

Das Programm ist so erfolgreich, dass die Senatswirtschaftsverwaltung es für zwei weitere Jahre fortsetzen will. Auch die Fördersummen steigen deutlich und werden 2020 auf 6 Millionen Euro verdoppelt. Kommendes Jahr stehen sogar 7,8 Millionen Euro bereit. Die Berliner Landesregierung will mit diversen Maßnahmen, zu denen das Förderprogramm gehört, die Stickoxid-Belastung in der Hauptstadt reduzieren.

Fehlende Ladesäulen sind ein Problem

Trotz des starken Wachstums machen reine Elektroautos nur knapp drei Prozent der Neuzulassungen in Berlin aus. Ein Problem dürfte sein, dass Ladesäulen fehlen. Bis 2030 braucht die Stadt zwischen 14.000 und 100.000 Ladestationen, hat die Agentur für Elektromobilität errechnet – wenn bis dahin 300.000 Stromer in der Hauptstadt unterwegs sind. Wie viele Ladesäulen genau nötig sind, hängt von der Zahl der Schnell-Ladesäulen ab. Aktuell gibt es dem Energieverband BDEW zufolge in Berlin 974 Ladepunkte, ein Viertel mehr als letztes Jahr.

Laternenladen verzögert sich

Das Start-up Ubitricity will 1.000 Berliner Straßenlaternen zu Ladepunkten umrüsten, doch der Aufwand ist offenbar größer als geplant. Vor allem technische Herausforderungen im historisch-gewachsenen Berliner Laternennetz verzögern den Umbau. Teilweise gibt es noch Gaslaternen, und wenn es Strom gibt, reicht die Netzleistung teilweise nicht aus, um Elektroautos aufzuladen. Aktuell sieht es so aus, als würde die erste solcher Straßenlaternen erst gegen Ende des zweiten Quartals 2020 fertig.

Quellen / Weiterlesen

Elektromobilität in Berlin: Was sich noch verbessern muss | Berliner Morgenpost
70 Prozent mehr Elektroautos in Berlin | Berliner Zeitung
Berliner Senat weitet Förderung für E-Mobilität aus | Der Tagesspiegel
Bildquelle: © Volkswagen AG
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

1 KOMMENTAR

  1. Immerhin, als ich meine erste Zoé kaufte (2014), gab es keine 10.000 in GANZ DEUTSCHLAND.

    Exponentielles Wachstum, das wir bei Corona so fürchten, ist bei eAutos durchaus erwünscht 😀

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