Schlechte Nachrichten für Autokäufer und Hersteller: Die von der Bundesregierung geplante höhere Kaufprämie für Elektroautos könnte sich um Monate verzögern. Der Grund ist eine beihilferechtliche Prüfung der EU – und Uneinigkeit in Berlin, welche E-Autos überhaupt gefördert werden.

Ende November kündigte die Bundesregierung an, die Elektroauto-Prämie deutlich aufzustocken. Für batterieelektrische Autos soll es künftig 6.000 Euro Zuschuss geben, für Plug-in-Hybride 4.500 Euro. Die neuen Zuschüsse sollten ab Anfang 2020 gelten, doch daraus wird offenbar nichts. Wann die Erhöhung umgesetzt wird, ist momentan völlig unklar.

Noch gar kein entsprechender Antrag in Brüssel

Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, dass die EU-Kommission die Erhöhung der Subvention für E-Autos gerade prüfe. Das ist ein üblicher Vorgang. Doch offenbar wurde in Brüssel noch gar kein entsprechender Antrag gestellt, wie ZEIT Online und andere Medien berichten. Angeblich, weil sich die Bundesregierung noch nicht einig darüber ist, welche Stromer überhaupt förderfähig sein sollen. Es gäbe Wünsche für neue Fahrzeugarten, die in die Prämie eingeschlossen werden sollen. Darüber müsse man sich im Wirtschaftsministerium zunächst abstimmen, heißt es.

Das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) schreibt auf seiner Homepage: „Zum jetzigen Zeitpunkt liegen dem BAFA keine Informationen vor, wann und wie die Richtlinie zur Förderung von elektrisch betriebenen Fahrzeugen geändert wird.“ Was wie und in welchem Umfang gefördert wird, ist erst nach abgeschlossener Prüfung durch die EU-Kommission sicher. Nach Recherchen der ZEIT kann das Ganze noch Wochen, wenn nicht Monate dauern. Die ZEIT beruft sich dabei auf Schriftwechsel des zuständigen Amtes und auf eine Anfrage bei der EU-Kommission.

Die Ungewissheit lässt Elektroauto-Verkäufe stocken

Das heißt: Die Verkäufe von Elektroautos werden so lange stagnieren, bis die Prämie auszahlbereit ist. Das stellt Händler und Käufer vor große Probleme, auch weil nach Freigabe plötzlich mit einem Ansturm und damit mit langen Lieferzeiten zu rechnen ist. Für die Autohersteller ist die Blockade äußerst ärgerlich, weil sie darauf angewiesen sind, schnell viele Elektroautos zu verkaufen. Andernfalls überschreiten sie die neuen CO2-Grenzwerte der EU für ihre Fahrzeugflotten. Damit riskieren sie hohe Strafzahlungen.

Renault verärgert über die Verzögerung

Entsprechend ungehalten zeigte sich Renault Deutschland-Chef Uwe Hochgeschurtz gegenüber BILD: „Die bürokratische Verzögerung der erhöhten Elektro-Umweltprämie verhindert den schnellen Umstieg auf das Elektroauto und damit eine sofortige – wenn auch vorerst nur kleine – Reduzierung der CO-Emissionen in Deutschland. Viele E-Auto-Käufer werden so vom Umstieg auf ein absolut emissionsfreies Auto abgehalten.“

Die Bundesregierung möchte mit der höheren Kaufprämie mindestens 650.000 bis 700.000 Elektroautos fördern. Denn um die Klimaziele 2030 zu erreichen, müssen in Deutschland sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen sein, schreibt die Bundesregierung auf ihrer Homepage.

Quellen / Weiterlesen

Die Verwirrungstaktiker | Zeit Online
Start ins E-Auto-Jahr verpatzt: EU blamiert Deutschland bei neuer Prämie | Focus Online
Elektroauto-Prämie: Erhöhung verzögert sich wohl um Wochen oder Monate | t3n
Bildquelle: flickrMarco Verch
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

4 KOMMENTARE

  1. Zitat:
    „Viele E-Auto-Käufer werden so vom Umstieg auf ein **absolut** emissionsfreies Auto abgehalten.“

    Wenn sogar schon Hersteller so etwas sagen – das ist doch absolute Augenwischerei! Angefangen bei der bekannten Problematik Herstellung voN Li-Ion Batterien („schmutzige“ Gewinnung der Rohstoffe), Produktion und Rohstoff-Gewinnung verschlingen bereits enorme Ressourcen und Strom.

    Ob das Auto dann später auch nur „annähernd“ Emissionsfrei ist hängt dann davon ab, ob die Bundesregierung endlich wirklich mal etwas dafür tut, dass Normalbürger und Hausbesitzer (Steuer-)unbürokratisch eine Solaranlage auf Ihrem Hausdach installieren dürfen! Ich finde hier müsste Pionierarbeit geleistet werden in Form eines Gesetz, welches Solarstrom als Grundrecht definiert.

    Bis dahin sind angeblich „absolut Emissionsfreie“ E-Auto jedenfalls genau so Emissionsfrei wie ein herkömmliches Kfz mit leerem Tank beim Verkauf.

  2. Es zeigt sich noch einmal, dass gerade Politik der größte Bremser für alle Umweltaktivitäten ist: Reagiert viel zu langsam oder überhaupt nicht, reagiert falsch, reagiert sporadisch ohne einen langfristigen Plan, etc. etc.

  3. @gkn: Du verbreitest hier Falschnachrichten.

    Ein eAuto ist sogar beim deutschen kohlelastigen Strommix schon nach 30.000 km besser im CO2 als jeder Verpester.

    Die Rohstroffproblematik ist real, wird aber überproportional gehyped. Niemand geht auf die viel schlimmere Rohstoffproblematik der Verpester ein.

    Würdest Du nur noch Bus, Bahn oder Fahrrad nützen, wärst Du natürlich besser als ein eAuto. eAutos sind die bei Weitem umweltfreundlichste Motorisierte Individualmobilität.

    Was hindert Dich, eine Solaranlage aufs Dach zu bauen?

    Wo Du Recht hast, ist, dass die Einspeisevergütung für Solar- und Windstrom teilweise mehrfach jährlich massiv gekürzt wurde.

  4. Das soll wohl den deutschen E Autoherstellern helfen ,die noch nicht liefern können oder wollen.
    Sie haben wahrscheinlich Angst vor der Welle von lieferbaren preiswerten ausländischen E Autos aus Amerika und Asien.
    Es soll sich nicht die Blamage der Abwrackprämie wiederholen als von den Deutschen Käufern preiswerte besser ausgestattete Komplett PKW in ca. 4 wählbaren Farben und Garantien von bis zu 5 Jahren von ASIATISCHEN HERSTELLERN gekauft wurden.
    Basisausstattung deutscher Hersteller ist meist sehr dürftig ,es gibt lange Zubehör und Austattungslisten
    Farben für innen und Außen etc. sie verteuern die Fahrzeuge teilweise um bis zu 5000€.
    Teslas Mod 3 hat zum Beispiel schon die Technik und Kameras für „autonomes“ Fahren man kann sie später
    für Aufpreis freischalten lassen.

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