Strom aus den Stoßdämpfern soll die Reichweite von E-Autos auf 1.000 km erhöhen (Videos)

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stossdaempfer-reichweite-elektrofahrzeug-erhoehenMit den Stoßdämpfern von E-Fahrzeugen Strom erzeugen? Das geht, glaubt man dem Würzburger Entwickler German Gresser von der Intertronic Gresser GmbH. Er präsentierte auf der „E-mobility Reinvented“, einer Messe für Elektromobilität in Berlin, im April seine zum Patent angemeldete Idee: Die Bewegungsenergie, die von den Stoßdämpfern aufgefangen wird, soll in Strom umgewandelt werden, der in die Batterie des Elektroautos fließt. Damit sollen traumhafte Reichweitenverlängerungen möglich werden.

Umsetzung technisch anspruchsvoll

Normalerweise werden durch unebene Untergründe erzeugte Fahrzeugbewegungen von den Stoßdämpfern meist hydraulisch abgefedert, um den Komfort der Insassen zu erhöhen. Diese Bewegungsenergie wird in Wärme umgewandelt und nicht genutzt. Das will Gresser ändern: Sein Konzept sieht vor, am beweglichen Teil der Stoßdämpfer einen Magneten anzubringen, der sich durch die Fahrzeugbewegungen in einer Spule auf und ab bewegt. Der dadurch erzeugte Wechselstrom soll in Gleichstrom umgewandelt werden und entweder in die Fahrzeugbatterie oder direkt in den Antrieb fließen. Allerdings ist das Ganze technisch nicht so einfach umzusetzen: Da die elektromagnetischen Felder der Spule und des Magneten gegeneinander arbeiten und damit schon als Stoßdämpfer wirken, ist eine ausgeklügelte Elektronik nötig, die die Dämpfung so regelt, dass sie nicht zu stark und nicht zu schwach ist.

Zusätzlicher Strom soll Reichweite von 300 auf 500 Kilometer erhöhen

Gresser rechnet vor, dass ein zwei Tonnen schweres Elektroauto so auf eine Reichweite von 1.000 Kilometern kommen könnte. Ein Fahrzeug, dass 20 Kilowattstunden Strom verbraucht und dessen Batteriekapazität 60 Kilowattstunden beträgt, kann ihm zufolge durch den zusätzlich erzeugten Strom seine Reichweite von 300 auf 500 Kilometer steigern. Zusätzlich könne man bei Elektrofahrzeugen auf die Leichtbauweise verzichten: Diese soll das Gewicht der Fahrzeuge verringern, reduziert aber gleichzeitig möglicherweise auch die Sicherheit der Insassen. Je schwerer das Fahrzeug, desto mehr Strom werde durch das neuartige Federungssystem erzeugt, so Gresser. Je nach Straßenzustand könne sein System pro 100 Kilometer bis zu 18,6 Kilowattstunden produzieren. Das Konzept soll nun bis zur Serienreife weiterentwickelt werden.

Im nachfolgenden Video könne sie in einer 3D-Animation die technische Funktionsweise des Stromgewinnungs-Federungssystems sehen:

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In diesem Video sehen Sie ergänzend das Funktionsprinzip der Erfindung „Strom aus der Federung“ der INTERTRONIC Gresser GmbH. Zusätzlich wird der Kräfteverlauf gezeigt.

Quellen / Weiterlesen:
Kraftwerk auf Rädern: Stoßdämpfer sollen Strom für E-Autos erzeugen – Witschafts Woche
Unsere Innovationen: Strom aus der Federung – Intertronic Gresser GmbH
Bildquelle: © Harry Hautumm / pixelio – www.pixelio.de


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Stephan Hiller

Stephan Hiller ist erfahrener Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

10 KOMMENTARE

  1. @ Joao von Horn: Das ist bis zu dem Punkt ‚Nullsummenspiel‘ richtig, denn die Energie, die das Auto aufbringen muß, um die Akkus zu laden, geht bei herkömmlichen Autos in den Stoßdämpfern verloren – sie wird dort in Reibungswärme umgewandelt, deshalb werden Stoßdämpfer recht warm während der Fahrt. Diese Energie nützt dieses System nun, um Strom zu erzeugen und diesen wiederum dem Akku zuzuführen.

  2. Natürlich ist das kein Nullsummenspiel!

    Was da an Energie verloren geht, kann man sehr leicht an der Erwärmung der Stoßdämpfer erkennen. Das ist Energie, die in den Strömungswiderständen verloren geht. Und das mit voller Absicht.

    Diese Energie kann man nutzen. Das ist völlig korrekt.

    Fraglich ist nur die Größenordnung. Um 18,7 kW rückzugewinnen, muss ich sicher um die 200 kW reinstecken, also eine Rüttelteststrecke bei hoher Geschwindigkeit.

    Der Verweis auf die Schummelnorm NEFZ ist hinfällig. Dort wird schließlich nur auf spiegelglatten Strassen getestet.

  3. Und ob das funktioniert! Schauen sie mal (vom Beifahrersitz aus) bei langsamer Fahrt auch auf scheinbar völlig ebener Straße auf die Räder ihres Autos – sie bewegen sich unaufhörlich auf & ab, alleine die Wankbewegungen durch Abbremsen und Beschleunigen sind massiv und daher potenziell stromgewinnungstauglich. Und die Behauptung mit dem Fahrrad, daß bis zu 130 km/H ohne Federung/Dämpfung auskommt – na ja, wenn es keine Federung hat, was soll da dann auch federn? Dann wirken die Unebenheiten der Straße 1:1, nur ein bißchen gedämpft von den dünnen Reifen, auf den Fahrer, der mit seinem Körper alles ausgleichen muß. Hätte das Fahrrad eine Federung, würde es selbstverständlich einfedern und zwar genauso wie ein Auto.

  4. Um die elektrische Energie generieren zu können, muss die magnetische Kraft überwunden werden. Wenn nun ein Akku das Auto antreibt, so muss das Auto diese Energie aufbringen, die dieses System braucht um die Akkus zu laden!! Somit ist dies ein Nullsummenspiel! Ich selbst habe ein ähnliches System mit den Antriebsachsen bereits vorgeschlagen! Es wird NICHT funktionieren, da das Massen- bzw. Energiererhaltungsgesetz gegenüber steht! LEIDER!!

  5. Unfug!

    Spätestens dann, wenn irgendwelche Dumm-Investoren in das Projekt eingestiegen sind, der Prototyp getestet wird und er (natürlich) nicht die versprochenen Leistungswerte bringt, ist deren Geld schon nutzlos verbrannt.

    Dabei ist die plausible Berechnung, dass das nicht funktionieren kann, derart simpel:

    Ein Elektroauto Tesla Model S (2 Tonnen) verbraucht bei 120 km/h auf normalen Straßen ab Batterie ca. 20,7 kWh/100 km. Der Energieverbrauch für die Überwindung des Luft- und Rollwiderstands beträgt laut einfachen physikalischen Formeln ca. 16,7 kWh/100 km. Macht eine Differenz von ca. 4 kWh/100 km, der verloren geht, was bei den angesetzten 80% Wirkungsgrad ab Batterie auch zu 100% im Antriebsstrang (Batterieentladung, Motor, Peripheriegeräte) passiert. Da bleibt für die Stoßdämpfer nahezu nichts mehr übrig.

    Wo da überhaupt “durchschnittlich 15 kWh/100 km” herkommen sollen, wird nicht beantwortet. Und es ist somit nachweislich falsch.

    Berechnungsgrundlage:

    http://www.nie-mehr-benzin.de/files/nefz-fahrzyklus.xls

    Ermittelter Fahrwiderstand durch Luft- und Rollwiderstände: Zeile 24. Gesamtverbrauch: Zeile 26.

  6. @Stefan: Wie hast Du das nur rausgefunden? Schappo! 😆
    @Opelfahrer: Schau Dir mal auf der Autobahn an, wie die Stoßdämpfer arbeiten. Und ich kenne jede Menge Landstraßen, die erhebliches Potenzial für diese Technik bieten…
    @Mathias: Mit einem Linearmotor geht das viel eleganter.

  7. Das angebliche Problem mit der elektronischen Dämpfungsregelung ist keines – das ist ein Denkfehler. Die Dämpfungsstärke ist bei herkömmlichen Autos keineswegs adaptiv. Abgesehn davon könnte man die Auf-und-Ab-Bewegung des Federbeins spielend einfach z.B. mittels Welle oder Hydraulik/Welle in eine Drehbewegung umwandeln. Eine Kombination der seit Jahrzehnten erprobten Citroen-Hydropneumatik mit einem Generator könnte die Lösung sein.

  8. Die Idee ist eigentlich gut, bei hoher Geschwindigkeit könnte im reinen Offroad – Betrieb einiges an Energie zurückgewonnen werden. Bei Offroad-Rallyes werden z.B. mehrere Stoßdämpfer pro Rad verwendet um die Wärme besser ableiten zu können.
    Auf der Strasse ist einen Energie-Rückgewinnung sinnlos, z.B. wurden schon über Tempo 120 mit Rennrädern ohne Federung und mit 23mm Reifen erreicht.
    Energie Rückgewinnung könnte im z.b. in Hybrid – Geländefahrzeugen Energie sparen, (die Versorgung im Kriegs-Falle ist recht teuer, vgl. Afghanistan).

  9. Hier passt aber der energieerhaltungssatz nicht ganz: wenn ich 12,5kWh benötige um 18kWh zu erzeugen, dann Verstöße ich frappant gegen den 1. Energieerhaltungssatz

  10. 18,6 kWh pro 100 km aus den Stoßdämpfern? Das wäre super! Da ich nur 12-12,5 brauche, ist der Akku am Ende der Fahrt wieder voll. Haben will!

    Im Ernst, eine sehr gute Idee. Sie ist allerdings nicht allzu neu. Die Regeltechnik scheint aber ziemlich schwierig zu sein, sonst wäre das längst auf dem Markt.

    Drücken wir ihm die Daumen!

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