Tesla hat es vorgemacht, jetzt ziehen andere Elektroauto-Hersteller nach: Sie beschaffen sich das nötige Kapital für die Produktion an der Börse. Nach Nikola Motors plant nun auch Fisker einen Börsengang. Beide nutzen dabei einen Trick, der Zeit spart.

Fisker nimmt eine Abkürzung an die Börse

Die Tesla-Aktie boomt, kein Wunder also, dass andere Hersteller von Elektroautos so schnell wie möglich nachziehen wollen. Fisker Inc., das zweite Unternehmen des dänischen Autokonstrukteurs Henrik Fisker, will sich an der Börse Geld für sein erstes Modell Fisker Ocean beschaffen. Dabei nutzt Fisker einen Weg, der in den USA gerade sehr beliebt ist: Er fusioniert mit einem Unternehmen, das bereits an der New Yorker Börse notiert ist, und zwar mit der Spartan Energy Acquisition Corporation.

Spartan gehört zu Apollo Global Management und ist eine Zweckgesellschaft, eine Special Purpose Acquisition Company (SPAC). Solche Unternehmen gehen ohne eigenes Produkt an die Börse, um dann ein anderes, vielversprechendes Unternehmen zu übernehmen. Welches das ist, steht zum Zeitpunkt des Börsengangs nicht fest, die beteiligten Investoren vertrauen also auf einen gewinnbringenden Deal. Unternehmen wie Fisker dagegen sparen sich so den hohen Aufwand eines traditionellen Börsengangs.

Fisker Ocean: Produktionsstart Ende 2022

Die Transaktion soll im 4. Quartal 2020 abgeschlossen sein und Fisker etwa 1 Milliarde US-Dollar einbringen. Das Geld fließt anschließend in die Fertigstellung des Elektro-SUV Fisker Ocean, der ab Ende 2022 gebaut werden soll. Er wird, wenn alles klappt, auf Volkswagens Elektro-Plattform MEB basieren. Fisker will so Kosten sparen und schneller in die Produktion einsteigen. In den USA soll der Elektro-SUV mit 480 Kilometern Reichweite nach Abzug von Vergünstigungen für unter 30.000 Euro zu haben sein. Ob und wann er nach Deutschland kommt, ist noch unklar.

Nicht nur Fisker setzt mit einer SPAC auf den Schnellstart an der Börse: Auch Nikola Motors, Hersteller von LKW mit Brennstoffzellen, ist im Juni über VectoIQ Acquisition an die Börse gegangen. Canoo, ein von Ex-BMW-Manager Ulrich Kranz geführtes Start-up, plant ebenfalls einen Börsengang über die Zweckgesellschaft Hennessy Capital Acquisition Corp. IV. Damit will Canoo 600 Millionen US-Dollar für seinen Elektro-Van einnehmen.

Quellen / Weiterlesen

Fisker nutzt geschickt den «Tesla-Boom» | Neue Zürcher Zeitung
Fisker Inc. To List On NYSE Through Merger With Apollo Affiliated Spartan Energy Acquisition Corp. | Fisker
Schnellstart an die Börse | ARD
Der unheimliche Boom des Börsengangs durch die Hintertür | Handelsblatt
As Tesla stock siars, Fisker intends to go public | Green Car Reports
Fisker IPO: Stock Coming to Market via Merger | Investment U
Bildquelle: © Fisker, Inc.
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

1 KOMMENTAR

  1. Die Elektromobilität kann nur mit Fahrzeugen gelingen, die auch für die überwiegende Masse der Bevölkerung erschwinglich sind. SUV gehören nicht in dieser Kategorie!

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