Das Start-up Canoo aus Los Angeles geht mit einem bisher noch ungewöhnlichen Geschäftsmodell ins Rennen. Den Elektro-Van Canoo kann man nicht kaufen, sondern nur gegen eine monatliche Gebühr mieten. Hinter dem Unternehmen steckt unter anderem der ehemalige BMW-Manager Ulrich Kranz. Der Canoo kommt 2021 in den USA auf den Markt, auch ein Börsengang ist geplant.

Canoo profitiert vom Know-how ehemaliger BMW-Manager

Canoo ging aus dem Start-Up EVelozcity hervor, dass Kranz 2017 gemeinsam mit Stefan Krause gründete, dem ehemaligen Finanzvorstand bei BMW. Krause sitzt heute im Aufsichtsrat von Canoo. Kranz selbst hat bei BMW maßgeblich die Elektro-Modelle i3 und am i8 mitentwickelt, genauso wie Canoo-Mitstreiter Richard Kim, der am Design beteiligt war.

Elektroauto im All-inklusive-Abo

Statt große Elektro-SUVs oder Sportwagen zu bauen, setzt Canoo mit seinem elektrischen Minibus auf einen anderen Markt. Der Van für 7 Personen ist schlicht und praktisch, und ist nur im Abo mit monatlicher Gebühr zu haben. Die genauen Tarife sind noch nicht offiziell, doch sie sollen laut Canoo auch für junge Menschen erschwinglich sein. Wartung und Versicherung sollen offenbar in der Gebühr enthalten sein, unter Umständen auch der Ladestrom. Das Abo hat keine feste Laufzeit und kann monatlich gekündigt werden. Das wird das Fahrzeug vermutlich für viele Menschen attraktiv machen, die vorm Kauf eines Elektroautos momentan noch zurückschrecken.

Viel Platz dank Skateboard-Architektur

Im Canoo sitzen Fahrer und Beifahrer normal im Cockpit, die übrigen Passagiere nehmen im Fond wie in einer Lounge auf einem halbrunden Sofa Platz. Das geht, weil der Elektro-Van eine Skateboard-Architektur nutzt. Batterien, Elektromotor und Steuerungstechnik befinden sich um Unterboden. Das spart Platz und erlaubt eine flexible Karosseriegestaltung. Wenn die Technik im Unterboden sitzt, kann der Canoo theoretisch jeden beliebigen Aufbau bekommen. Das Mietmodell gibt dem Hersteller zusätzliche Flexibilität für solche Anpassungen.

Auch die Steer-by-Wire-Technologie ohne mechanische Rückfallebene eröffnet ganz neue Möglichkeiten: Der Canoo gibt Lenkbefehle nicht mechanisch weiter, sondern elektrisch. Deshalb hat das Fahrzeug keine Lenksäule mehr, was ebenfalls Platz schafft. In diesem Fall für den Blick nach draußen, denn die Frontscheibe des Canoo reicht bis zum Boden. Außerdem hat der Van ein großes Glasdach, das Licht ins Innere lässt.

Technische Daten und Reichweite des Canoo

Der Elektro-Van bekommt einen Akku mit 80 Kilowattstunden und 400 Kilometern Reichweite. Er soll nach 28 Minuten wieder zu 80 Prozent geladen sein. Der E-Motor leistet 304 PS und sitzt an der Hinterachse. Die Höchstgeschwindigkeit geben die Macher mit 200 km/h an.

Das Leergewicht des Canoo liegt bei 2 Tonnen, es sind 580 Kilogramm Zuladung möglich. Das Fahrzeug ist 4,42 Meter lang, 1,90 Meter hoch und 1,85 Meter breit und hat einen Radstand von 2,85 Metern.

Nach den USA kommt China

Einen Prototyp des Canoo haben die Hersteller schon 2019 präsentiert. Nächstes Jahr soll es zunächst in Los Angeles und San Francisco losgehen, auch China hat das Start-up als möglichen Markt im Blick. Ob und wann der Canoo nach Europa kommt, hat das Start-up noch nicht bekanntgegeben. Die Herstellung will Canoo nicht in eigenen Fabriken, sondern über Auftragsfertiger abwickeln.

Börsengang soll neues Geld bringen

Ulrich Kranz will Canoo auch an die Börse bringen und nutzt dazu einen Trick. Das Start-up fusioniert mit der bereits börsennotierten Hennessy Capital Acquisition Corp. IV, einem Unternehmen, das nur für solche Zwecke gegründet wurde. Durch den Deal wird das fusionierte Unternehmen mit 2,4 Milliarden Dollar bewertet und rechnet mit einem Bruttoerlös von 600 Millionen Dollar. Mit dem Börsengang will Canoo die Entwicklung und die Produktion des Elektro-Vans finanzieren.

Quellen / Weiterlesen

Smooth Sailing In The City | Canoo
Canoo: Elektroauto im Abo | kicker
Elektroauto-Neuerfinder Canoo fusioniert sich an die Börse | manager magazin
Elektroauto-Startup Canoo: Elektro-Van zum Mieten | freenet.de
Dieses Elektroauto gibt´s wirklich – aber nur im Abo | Augsburger Allgemeine
Bildquelle: © Canoo
Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

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