Für Ultrafeinstaub in der Luft gibt es keine Grenzwerte, deshalb werden die Partikel nicht systematisch gemessen und erfasst. Dabei spricht einiges dafür, dass gerade diese besonders kleinen Feinstaubpartikel die Gesundheit massiv gefährden. Kaum im Fokus ist bisher, dass Flugzeuge große Mengen davon verursachen könnten. Ein Bürgerverein in München misst in der Nähe des Münchener Flughafens auf eigene Faust – mit beunruhigenden Ergebnissen.

Rekordwerte für ultrafeine Partikel am Flughafen München

Ultrafeinstaubpartikel (UFP) sind kleiner als 0,1 Mikrometer. Zum Vergleich: „Normale“ Feinstaubpartikel, für die EU-weite Grenzwerte gelten, sind 25 bis 100mal größer. Der „Bürgerverein Freising zur Vermeidung von Lärm- und Schadstoffbelastungen“ ist seit letztem Jahr mit mobilen Messgeräten am Flughafen und im Umland unterwegs. Auf dem Land sind 3.000 Partikel pro Kubikzentimeter üblich. In umliegenden Orten wie Freising und Hallbergmoos wurden jedoch teilweise Werte von bis zu 89.000 Partikel/cm³ festgestellt. Der Bürgerverein macht den nahen Flughafen bzw. die bei der Verbrennung von Kerosin entstehenden Ultrafeinpartikel dafür verantwortlich. Die gesamten Schadstoff-Emissionen am Flughafen entsprächen 75 Prozent der Emissionen der gesamten Stadt München.

Ultrafeinstaub ist in jeder Konzentration schädlich

Ultrafeine Feinstaubpartikel gelten als besonders gesundheitsschädlich, weil sie im Gegensatz zu „normalen“ Partikeln nicht ausgehustet werden können, sondern tief ins Gewebe eindringen. Sie stehen im Verdacht, schwere Krankheiten bis hin zu Demenz auszulösen und sind Medizinern zufolge in jeder Konzentration gefährlich. Bisher werden hauptsächlich der Straßenverkehr und die Industrie für Feinstaub und Ultrafeinstaub verantwortlich gemacht. Die Problematik der ultrafeinen Partikel hat sich erst in letzter Zeit verstärkt, da sie durch immer feinere Einspritzungen in Motoren entstehen.

Wie verlässlich sind die Messwerte des Freisinger Bürgervereins?

Folglich kämpft der Bürgerverein gegen eine geplante dritte Startbahn in München und für eine umfassende Untersuchung der Belastung durch Ultrafeinstaub sowie der damit verbundenen Gesundheitsrisiken. Die Messungen der Luftqualität, die die Flughafen München GmbH selbst durchführt, berücksichtigen noch keine ultrafeinen Partikel. Deshalb gilt die Luft um den Flughafen offiziell als sauber. Allerdings gibt es Kritik an den Messungen des Bürgervereins: Dessen Messgeräte unterscheiden nicht zwischen löslichen und nicht löslichen, bzw. organischen und nicht organischen UFP-Partikeln. Doch nur die festen Partikel wie Metalle sollen sich in den Organen ablagern. Hohe UFP-Werte können auch kurzzeitig in Wäldern vorkommen, dann handelt es sich um organische Partikel. Es müssten also zunächst standardisierte und systematische Messungen und umfangreiche Studien zu etwaigen Gesundheitsschäden geben. Auf dieser Basis könnte der Gesetzgeber Grenzwerte festlegen.

Erste Untersuchungen werden bald vorgestellt

Nicht nur in München ist Ultrafeinstaub am Flughafen ein Thema. Auch in Frankfurt und Düsseldorf haben Mess-Stationen eine erhöhte Belastung in der Umgebung der Flughäfen erfasst. Untersuchungen in der Nähe der Flughäfen in Amsterdam und Los Angeles weisen ebenfalls darauf hin. Fest steht aber: Noch gibt es kaum gesicherte Erkenntnisse, weder zur Konzentration und Auftreten von Ultrafeinstaub, noch zu deren gesundheitlichen Auswirkungen.

Im UFOPLAN-Vorhaben FKZ 3716 52 200 0 „Einfluss eines Großflughafens auf zeitliche und räumliche Verteilungen der Außenluftkonzentrationen von Ultrafeinstaub“ wurde die Verteilung ultrafeiner Partikel in der Umgebung des Großflughafens Frankfurt am Main modelltechnisch untersucht. Die Methoden und erste Ergebnisse sollen auf einem Workshop Mitte April vorgestellt werden. Bei der Schadstoffbelastung soll jedoch zunächst „keine auffällige Abhängigkeit vom Flugverkehr“ feststellbar gewesen sein. Ohnehin ist es in Ballungsräumen schwer zu ermitteln, ob die Partikel nun von Flugzeugen, Autos, Fabriken, Heizungen oder dem Schiffsverkehr stammen. Eine weitere Studie des Umweltbundesamtes zum Thema Feinstaub im Umfeld großer Flughäfen soll dem Münchner Merkur zufolge in diesem Jahr erscheinen.

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Quellen / Weiterlesen:
Angst vor einem unsichtbaren Killer | Merkur
Luftverschmutzung durch Ultrafeinstaub | Süddeutsche Zeitung
Ultrafeinstaub: Alarmierende Werte | Süddeutsche Zeitung
Ultrafeinstaub aus Flugzeugturbinen | Süddeutsche Zeitung
Leiter der FMG-Abteilung Umwelt hält nichts von Ultrafeinstaub-Messungen | Süddeutsche Zeitung
Bildquelle: Wikipedia – Von Thomas KniessEigenes Werk, CC BY-SA 3.0

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

2 KOMMENTARE

  1. „Bei der Schadstoffbelastung soll jedoch zunächst „keine auffällige Abhängigkeit vom Flugverkehr“ feststellbar gewesen sein.“
    Und die Welt ist eine Scheibe!

  2. Schön, dass sich Energyload endlich dem Thema Chemtrails annimmt.
    Bin schon auf die Folgeartikel gespannt.

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