Über die Klimabilanz von Elektroautos wurde schon viel diskutiert. Nachdem aktuelle Forschungsergebnisse immer mehr für die Stromer sprechen, gibt es jetzt wieder Gegenwind. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) ist zu dem Schluss gekommen, dass Elektroautos das Klima nicht schonen. Die Kernthese: Andere Studien berücksichtigen den steigenden Stromverbrauch nicht, den Elektroautos mit sich bringen.

Aktuelle Studien: E-Autos schon heute grüner als Verbrenner

In die Klimabilanz von Elektroautos muss man die Emissionen mit einbeziehen, die bei der Herstellung entstehen. Durch die Batterie, deren Herstellung sehr ressourcenintensiv ist, starten die Stromer schon mit einem größeren CO2-Rucksack als Verbrenner. Je grüner dann aber der Strom, mit dem E-Auto-Fahrer ihr Fahrzeug laden, desto besser auch dessen Ökobilanz. Dabei spielen auch die Nutzungsdauer und die Größe der Batterie eine Rolle. Kleinere E-Autos mit kleinerer Batterie, die viel gefahren werden, sind am besten fürs Klima, wie diverse Studien zeigen. Konsens schien zudem: Mit immer grüner werdendem Strom werden auch Elektroautos immer grüner.

Aktuelle Untersuchungen, etwa vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung und vom Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung, kommen sogar zu dem Schluss, dass Elektroautos bereits mit dem heutigen deutschen Strommix eine bessere Umweltbilanz haben als Verbrennerfahrzeuge.

Das Institut für Weltwirtschaft widerspricht

Dem widerspricht nun Ulrich Schmidt vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel in seiner Stellungnahme „Elektromobilität und Klimaschutz: Die große Fehlkalkulation“. Schmidt hat den Energiebedarf sowie den deutschen Strommix untersucht. Und kam zu dem Schluss, dass Elektroautos in Bezug auf die CO2-Vermeidung sogar kontraproduktiv wirken. Schmidt argumentiert, dass andere Studien den erhöhten Stromverbrauch vernachlässigen, der aus dem Ausbau der Elektromobilität resultiert. Wenn man diesen berücksichtige, führten Elektroautos zu 73 Prozent höheren Treibhausgasemissionen als moderne Diesel-PKW. Statt Elektroautos mit Strom aus erneuerbaren Energien zu laden, sei es umweltschonender, diese dazu zu nutzen, die Kohleverstromung zu reduzieren.

Bei den Berechnungen, wie umweltfreundlich Elektroautos mit dem heutigen und dem künftigen Strommix sind, werde von einer proportionalen Erhöhung der erneuerbaren und fossilen Energien ausgegangen. Diesen höheren Strombedarf gäbe es ohne den Ausbau der E-Mobilität aber gar nicht, argumentiert Schmidt. Somit könne man den Ausbau der Erneuerbaren auch dafür einsetzen, weniger fossile Brennstoffe zu verwenden, insbesondere weniger Kohle.

Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden in Deutschland im Jahr 2018 insgesamt 630,84 Milliarden Kilometer allein mit PKW zurückgelegt. Legt man bei E-Autos einen durchschnittlichen Verbrauch von 15 Kilowattstunden je 100 Kilometer zugrunde, ergäbe dies bei vollständiger Umstellung auf Elektromobilität allein für die PKW einen Stromverbrauch von rund 94 TWh. Das entspricht 18,4 Prozent der Nettostromerzeugung in Deutschland, rechnet Schmidt vor.

Auch selbst erzeugter Solarstrom ändert laut IfW nichts

Es macht es auch nicht besser, sein E-Auto mit selbst erzeugtem Solarstrom zu laden: Laut Schmidts Analyse wäre es immer noch klimafreundlicher, diesen Strom ins Stromnetz einzuspeisen und damit den Anteil der Kohle zu reduzieren. Das Fazit des IfW: „Erst wenn die Energiewende weit fortgeschritten ist und der Strom nahezu ausschließlich aus erneuerbaren Energien besteht, ist das Elektroauto umweltfreundlicher als moderne Diesel-Fahrzeuge.“

„Förderung der E-Mobilität nicht zwangsläufig schlecht“

Schmidt räumt jedoch auch ein: Die Förderung der E-Mobilität als klimapolitisches Instrument sei nicht zwangsläufig schlecht. Dies liege am europäischen Emissionshandelssystem, bei dem die gesamten Emissionen im Energie- und Industriesektor vorgegeben sind. Der Verkehrssektor sei aber nicht integriert. Wenn die Emissionen im Energiesektor steigen, dann erzwinge dies eine Reduzierung der Treibhausgase im Industriesektor.

Indirekt führten damit Elektroautos am Ende doch zum Klimaschutz, allerdings: „Es ist fraglich ob man eine Technologie nur aufgrund dieses Zusammenhangs fördern sollte“, heißt es in der Analyse. Denn dann reduziere der Ausbau der Erneuerbaren zwar die Emissionen im Energiesektor. Er führe aber aufgrund des Emissionshandelssystems zu einer gleich hohen Steigerung der Emissionen im Industriesektor, so Schmidt. Das heißt, dass auch der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht klimaschützend wäre.

Quellen / Weiterlesen

Elektromobilität und Klimaschutz: Die große Fehlkalkulation | ifw Kiel
Forscher: Elektroautos bringen nichts fürs Klima | Frankfurter Allgemeine
IfW Kiel: Zusätzlicher Strombedarf hebelt Klimavorteile von Elektroautos aus | ecomento.de
Bildquelle: Wikipedia – Reinraum / CC BY-SA
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

10 KOMMENTARE

  1. Die Argumentation der „Wissenschaftler“ ist insofern einfach verlogen, da der Verkehr eben NICHT am Emissionshandel gar nicht erst teilnimmt.

    Wie schon gesagt, diese Zahlenartisten sind für reale Probleme nicht geeignet.

  2. Sorry für die krude Grammatik, aber diese Knallchargen können einen schon aufregen mit ihren frechen Lügen.

  3. Die Vermeidung von Produktion fossiler Brennstoffe wie Diesel und Benzin hätte einen enormen Stromüberschuss zur Folge. Von diesem Überschuss ließen sich nicht nur sämtliche Fahrzeuge elektrisch bewegen, es könnten sogar zusätzlich noch jede Menge Kohlekraftwerke eingespart werden.
    Beispiel: ein durchschnittl. Diesel-PKW verbraucht 6 Liter auf 100km. Für diese 6 Liter müssen etwa 42 kWh aufgewendet werden (vom Bohrloch bis in den Tank). Ein durchschnittl. Elektroauto fährt mit diesen 42 kWh etwa 250 km weit. Der Diesel hat sich da noch nicht einen Meter bewegt. Vielleicht kommt Herr Schmidt vom IfW ja doch noch ins Grübeln, falls er davon hört. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  4. Falsch an den Feststellungenist, dass die Effizienz der elektrischen Antriebe wohl nicht berücksichtigt sind: Wirkungsgrad der Motoren um 90%, Stromrückgewinnung, kein Verbrauch an Ampel und im Stau. Zudem
    die rasante Entwicklung bei der Photovoltati (Meyer Burger, INSLIGHT, u.a.m.) und die Entwicklung von Stromspeicher steckt in den Kinderschuhen. Zudem wird es in naher Zukunft keinen Strommix mehr geben,
    denn jede Liegenschaft wird auf dem Dach und den geeigneten Fassaden selber den nötigen Strom erzeugen und die Windparks und Wasserkraftwerke beliefern den ÖV und die Industrie. – Ich habe das SOLARAUTO Sion bestellt und bekomme dereinst die Produktionsnummer 0077, und freue mich.

  5. Leute, die Wissenschaftler vom Instituts für Weltwirtschaft haben RECHT! Elektro ist in Wirklichkeit Kacke…. viel zu sauber, man kann nicht soviel verdienen wie an den Verbrennern.
    Fazit: ich reiß mir die Fotovoltaik wieder vom Dach, den Akku haue ich auch raus….. Bei den Amis habe ich mir die Bohrwerkzeuge für Fracking bestellt, mit einem Zertifikat vom größten aller Wissenden, Trump. Den Garten buddle ich entsprechend um. Statt der Photovoltaik verwende ich in Zukunft einen Dieselgenerator, da riecht MAN(N) wieder was… und bringt Strom ohne Ende UND, macht auch die Saudis wieder glücklich…. ähh, ja auch einen schönen Sonntag.

  6. Das hört sich so an als wenn der Herr Schmidt vom IfW von falschen Standpunkt aus geht.
    Wir müssen den CO² Ausstoß nicht verringern sondern ganz abschaffen, wenn wir davon ausgehen und danach
    handeln und nicht sagen die Technik in der Wasserstoffwirtschaft für die Endkarbonisierung der Industrie ist noch nicht
    so weit also warten wir noch zehn Jahre bis die Technik ausgereift und erschwinglich ist DAS IST DER FALSCHE WEG.
    Wir müssen den Ausbau mindestens verdreifachen, den bau von Kohlekraftwerken verbieten, den Bau von Speichern und Mieterstrom jeder art ermöglichen nicht verhindern. Den bau und betrieb von Dieselfahrzeugen kann man nicht sauber hinbekommen, den von Elektrofahrzeugen schon also machen und nicht rumheulen das es noch nicht so ist.

  7. Eine seriöse Studie zur Ökobilanz, über die Förderung, die Verarbeitung und den Transport von fossilen Treibstoffen wäre einmal interessant.
    Gibt es so etwas, oder wird das von den zuständigen Konzernen erfolgreich verhindert?

  8. Wenn ich das richtig verstehe, ist die Kernaussage hier:
    Es ist umweltfreundlicher, für 100 km 6 Liter Diesel (~60 kWh) in einem Auto zu verbrennen, als die nötige elektrische Energie (~15 kWh) in einem Kohlekraftwerk zu erzeugen.
    Mit diesem Wissen müssten eigentlich Kohlekraftwerke sofort geschlossen werden; besser den Strom mit Dieselgeneratoren erzeugen…

    Natürlich wissen wir nicht was der Hr. Schmidt hier alles eingerechnet hat. Ich nehme an, auch er wird sich mit dem Thema befasst haben (Bereitstellung vom Kraftstoff, Strom, Wirkungsgrade usw.), wie auch die Ersteller vieler anderer Studien.
    Achtung beim Vergleich der „42 kWh Energie für die Produktion von 6 Litern Diesel“ -> auch für die Erzeugung und Bereitstellung von Strom wird viel mehr Energie reingesteckt als im Akku ankommt. Es gibt hier „Studien“ und Publikationen (google: „Well-To-Wheel“, „Well-To-Tank“); entscheidend ist die Art der Stromerzeugung.

  9. Was ist das wieder für ein Unsinn? Zum einen vergessen die Herren „Wissenschaftler“ komplett, dass für E-Fahrzeuge auf lange Sicht kein zusätzlicher Strom produziert werden muss und zum anderen lassen sie mal wieder den enormen Strombedarf für die Herstellung fossiler Kraftstoffe unter den Tisch fallen (wie Wännä schon richtig erwähnt hat). So was regt mich auf! Ich wüsste gern, wer diese „Studie“ bezahlt hat.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here