Für eine klimabewusste Zukunft brauchen wir mehr Solarenergie – weltweit. Und hier sieht es auf den ersten Blick gar nicht schlecht aus. Die Internationale Energieagentur IEA erwartet für 2022 einen weltweiten Photovoltaikzubau von rund 190 bis 200 GW. Das sind 60% des Anstiegs der globalen erneuerbaren Energieerzeugung.

Leider mangelt es Entwicklungsländern wie Madagaskar an Kapitalkraft, um diesen zukunftweisenden Weg einzuschlagen. Die Industrienationen haben ihre bisherigen Klimaschutz-Finanzversprechen für ärmere Staaten nicht eingehalten. Dabei brauchen diese dringend das Kapital, um auch künftig ihren Beitrag zu leisten und die Erderhitzung zu stoppen. Ihr Wirtschaftswachstum und der damit einhergehende Energiebedarf müssen direkt auf das richtige Gleis gesetzt werden. Ein Wachstum, das auf fossiler Energie gründet, wäre fatal. Deutschland darf aus Sicht von Polarstern weder hierzulande noch weltweit neue Kraftwerke zur fossilen Energiegewinnung unterstützen.

Solarkraftanlagen fördern die Entwicklung ganzer Dörfer

Fakt ist, die Politik ist zu langsam, um zeitnah die Kraft der Energiewende zu entfesseln. Die meisten Investitionen im Zusammenhang mit der Energiewende werden von privaten Entwicklern, Verbrauchern und Kapitalgebern ausgehen müssen, resümiert die IEA.

Die beiden deutschen Social Business Energie-Unternehmen, Polarstern und Africa GreenTec, tun genau das. Sie bündeln ihre Kräfte, um in Madagaskar die solare Energiewende voranzubringen. Ziel ist es, mit der Installation einer nachhaltigen Energieversorgung die Infrastruktur zu verbessern, die lokale Wirtschaft zu stärken, Arbeitsplätze zu sichern und damit auch Fluchtursachen zu bekämpfen und das Klima zu schützen. Bisher haben in Madagaskar nur 16% der Bevölkerung Zugang zu einer stabilen Stromversorgung.

Im Dorf Mahavelona mitten im Landesinneren haben die beiden nun eine 120 kWp Photovoltaikanlage installiert. Ein 115 kWh Stromspeicher sorgt dafür, dass auch nachts Energie vorhanden ist. Mit der Installation eines 5,5 kilometerlangen Stromnetzes können im ersten Schritt 155 private Haushalte, 16 öffentliche Institutionen wie Schulen, Rathaus und Kirche sowie rund 23 kleine und mittlere Unternehmer*innen versorgt werden.

Die Solarenergie wird dabei zu günstigeren Strompreisen verkauft, als sie bisher mit Dieselgeneratoren erzeugt wurde. Den Bewohner:innen stehen verschiedene Tarife je nach Strombedarf zur Verfügung. Nach anfänglichen Investitionen in die Anlagentechnik soll sich die Energieversorgung vor Ort selbst tragen, so dass Polarstern und Africa GreenTec die lokale Energiewende in weiteren Dörfern vorantreiben. Sie sind bereits mit weiteren Dorfgemeinschaften im Gespräch.

Mehr als nur Solarstrom

Eigentlich ist im nördlichen Landesteil von Madagaskar alles vorhanden: gute Böden, eine reiche Tier- und Pflanzenwelt und der Anbau von Obst und Gemüse. Doch durch die fehlende Energieversorgung kann die Bevölkerung unter anderem die reifen Früchte nicht lange genug lagern, so dass ein großer Teil der Ernte verrottet. Auch stellt die Wasserversorgung ein zunehmendes Problem dar. Welche Anlagen ergänzend zur Stromversorgung wichtig sind, um die nachhaltige Entwicklung vor Ort zu entfesseln, wird in Umfragen ermittelt. So besteht bei Bedarf die Möglichkeit, auch eine Anlage zur Trinkwasseraufbereitung, ein Kühlhaus sowie elektrische Wasserpumpen zu errichten – betrieben mit der Solaranlage und dem Speicher.

Wie wichtig Energie für eine nachhaltige Entwicklung ist, beschreibt die UN in den Sustainable Development Goals (SDG). Es geht um den Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle. Denn Energie ist der Schlüssel zu mehr Gesundheit, Wohlstand, Bildung und Klimaschutz. Kund:innen des Ökoenergieversorgers Polarstern unterstützen automatisch die weltweite Energiewende-Initiative in Madagaskar. Dazu investiert das Unternehmen pro Jahr und Kund:in 20 Euro in die Projekte.

Quelle / Weiterlesen:

Bildquelle: © Africa GreenTec.

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    Manuel Thielmann arbeitet in der Geschäftsentwicklung von Polarstern. Er ist Ansprechpartner für die konzeptionelle Entwicklung und die praktische Umsetzung von Eigenstrom- und Mieterstromprojekten in ganz Deutschland. Sein Schwerpunkt ist die Integration verschiedener Energie- und Speichertechniken in dezentrale Energiekonzepte. Zuletzt hat er u.a. am Lehrstuhl für Elektrische Energiespeichertechnik der TU München die Integration von Batteriespeichern in Mehrfamilienhäusern erforscht.

    7 KOMMENTARE

    1. Zu einer Anlage mit 120kWp-PV-Modulen gehört in derartigen Breiten mMn ein mindestens 500kWh (netto) Stromspeicher. Dann passen auch die Zahlen besser zusammen.

      Mit kontinuierlich bereitgestellter Elektroenergie (ohne Generatoren) werden die Bedürfnisse ganz schnell auf 2 kWh pro Nacht und Teilnehmer ansteigen. Die PV-Module können dort im Mittel ca. 800-1.000kWh am Tag bringen (ca. Ertragsfaktor 7-8 x Installierte Leistung). Ca. 400-500 kWh davon werden für die Batterie benötigt. Bleiben 500-600kWh. Bei 150 Teilnehmern also ca. 3-4kWh pro Teilnehmer für den Tagesbedarf.
      Wenn man die Generatoren ersetzen möchte, sollte man das Neue nicht gleich unterdimensioniert beginnen.

    2. „Madagaskar hat das ganze Jahr über 11 bis 13 Tagesstunden.“

      Jeder Ort auf dieser Erde hat im Jahresmittel etwa 12 Tagesstunden.

      Während aber Madagaskar auch im Sommer 11 Nachtstunden ohne jede solare Stromproduktion überbrücken muss, sind es in Deutschland nur gut 7 Stunden.

      https://www.laenderdaten.info/Europa/Deutschland/sonnenuntergang.php

      Aktuell produzieren in Deutschland 64,92 GW installierte Nennleistung

      https://www.energy-charts.info/charts/installed_power/chart.htm?l=de&c=DE&chartColumnSorting=default&legendItems=0000000000001&partsum=1&expansion=installed_power

      z.B. am 19.12.2022 lediglich 9,6 GWh pro Tag

      https://www.energy-charts.info/charts/energy/chart.htm?l=de&c=DE&chartColumnSorting=default&interval=day&day=w51&legendItems=0000000000000000010&source=total&partsum=0&sum=1

      (also z.B. etwa 11 % der Tagesproduktion der paar noch übrig gebliebenen Kernkraftwerke – oder etwa 25 % der bundesdeutschen Laufwasserkraftwerke, welche bekanntlich den Strom für die Ökostromtarife liefern, die auf ihren Prospekten und Fahrzeugbeklebungen gerne Windräder und Solaräcker abbilden).

      Also vielleicht sollten wir erst einmal unsere Energieversorgung nach über 30 Jahren „Energiewende“ auf einen vernünftigen Stand bringen, bevor wir in gewohnt besserwisserischer Herrenrassemanier irgend einem Kaff am Äquator, laut Artikel bewohnt von einem unterentwickelten Buschvolk, erzählen wollen, wie sie sich so mit Energie zu versorgen haben, dass dabei für unsere Firmen möglichst langfristige Wartungsverträge herausspringen.

    3. „Mit der Installation … sowie rund 23 kleine und mittlere Unternehmer*innen versorgt werden.“

      Was hat denn die Körpergröße von Unternehmensinhabenden damit zu tun?

    4. @Hentinger:
      Hallo „Dieter“,
      mein Beitrag sollte doch nur klar machen, dass 115kWh Speicher zu klein dimensioniert sind für eine PV-Bestückung mit 120kWp in der geographischen Lage von Madagaskar. Und Du bestätigst das ja implizit auch.

      Und deinen Satz mit der „Herrenrassenmanier“ hatte ich dabei durchaus leider auch im Hinterhirn.

      Aber man muss den Leuten von Manuel Thielmann derartige Intentionen nicht unterstellen. Speicher kann man schließlich nachrüsten, wenn man denn darauf aufmerksam gemacht wurde, dass er vermutlich (viel) zu klein dimensioniert wurde. Wichtig ist doch zunächst, dass ein Technologietransfer stattfindet, der den Betroffenen vor Ort neue Erwerbsmöglichkeiten eröffnet, und ihnen nicht (wegen falscher Dimensionierung) zu einer Abängigkeit (Diesel) eine zweite hinzufügt (Amortisationskosten für eine unfertige Anlage).

      Ich würde mich daher gerne näher mit @Manuel Thielmann unterhalten, auch wegen unserer eigenen Projekte in DE (Mieterstrom).

    5. @bitman
      Wer ist Dieter?

      Meine Ergänzung zielt vor allem darauf, dass die Nutzung von Solarenergie letztlich überall auf dieser rotierenden Erde das selbe Problem hat: Nachts ist es nunmal dunkel, und Solarzellen, die die Gegenstrahlung (also den Treibhauseffekt) nutzen könnten und somit auch nachts ordentlich Strom erzeugen, hat leider auch 200 Jahre nach Erfindung dieses Effekts noch niemand entwickelt.

      Und eines weiß ich nunmal aus erster Hand: Technologietransfer, der wieder einmal zwangsläufig zu einer langfristigen Abhängigkeit von den Herren dieser Technologie führt, ist ganz sicher das letzte, was diese Regionen für ihre Entwicklung benötigen. Solche Spielereien, wie die hier beschriebene, sind eher etwas für Nationen, die jederzeit genügend Sondervermögen aus dem Hut zaubern können. Aber auch nach 30 Jahren „Energiewende“ gibt es selbst in Deutschland noch immer kein Dorf (oder Hochhaus), das sich energetisch autark versorgt (natürlich real und nicht nur bilanziell). Stattdessen stößt dieser Ansatz offenkundig zunehmend an physikalische und monetäre Grenzen.

      Aber das ist ein ganz anderes Thema.

    6. Der Versuch von Polarstern ist bewundernswert und nötig, um zu sehen, ob Solarenergie hilfreich ist.
      Aber die Rechnung geht an der Westküste nicht auf, weil alle paar Jahre schwere Zyklone durch das Land fegen und Solarpanele und die Wellbleche der Dächer wie Spielkarten durch die Luft segeln. Man spricht von Rasierklingentod, wenn unvorsichtige Dorfbewohner im Auge des Zyklons versuchen, noch Sandsäcke anzubringen und plötzlich der Sturm aus der anderen Richtung losbricht. Das kann den Kopf kosten.
      Was nicht davon fliegt, wird von den fliegenden Trümmern der Hütten, Bäumen und Ästen und beschädigt.
      50% der stromlosen Dörfer besitzen kein einziges gemauertes Gebäude, an dem die Solarpanele sicher genug montiert werden könnten.
      Da gibt es auch keine Polizei, die die marodierenden Banden in Schach halten, die sich aufgrund der politisch unstabilen Lage breit machen und alles stehlen was technisch wertvoll ist. Das Foto zeigt, dass die Anlage mit einem hohen Stacheldrahtzaun abgesichert ist. Vermutlich braucht man da eine 24-Stundendienst von mindestens 2 Sicherheitsleuten.
      Vier Zyklone habe ich unter teils dramatischen Umständen überlebt.
      Ich habe in Madagaskar 4 Jahre meiner Lebenszeit verbracht und bin in der 90er Jahren von der Nordspitze der Insel mit dem Fahrrad durch dieses Touristendorf Mahavelona bis nach Toamasina / Tamatave gefahren.
      Im Westen braucht es keine solar betriebenen Wasserpumpen. Alle Dörfer liegen an Flüssen und in den wenigen Meter tiefen Brunnenschächten gibt es genug sauberes Wasser.
      Wer Strom braucht, sind die Touristen. Auf der 3-wöchigen Fahrradtour habe ich keinen gesehen und bei meinem 4-wöchigen Aufenthalt jetzt im Dezember – außer in den Städten – keinen einzigen. Was Madagaskar braucht, ist Bildung und Medikamente.

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