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Über den Energieverbrauch von Bitcoin wurde schon viel geschrieben. Die Herstellung der virtuellen Währung schädigt das Klima, heißt es immer wieder. Denn der Prozess ist sehr energieaufwendig und verbraucht im Jahr so viel Strom wie komplette Volkswirtschaften. Bedroht Bitcoin die globale Energiewende, wie viele Kritiker behaupten? Eine US-Wissenschaftlerin sagt: Nein.

Bitcoin-Mining braucht so viel Strom wie Dänemark

Kryptowährungen entstehen, indem Computer immer komplexere Rechenaufgaben lösen. Das sogenannte Schürfen oder Mining braucht deshalb superschnelle Prozessoren und viele Rechner, die in großen Serverfarmen zusammengeschlossen werden. Wie viel Strom Kryptowährungen im Jahr verbrauchen, darüber gehen die Schätzungen auseinander. Sie liegen zwischen 30 und 70 Terawattstunden, Tendenz steigend. Schon 30 TWh entsprechen dem jährlichen Energieverbrauch eines Landes wie Dänemark.

Ein großer Teil der Serverfarmen läuft mit dreckigem Kohlestrom

Das ist durchaus ein Grund zur Sorge. Vor allem, weil über die Hälfte der Serverfarmen dort steht, wo der Strom billig ist: Nämlich in China, wo es klimaschädlichen Kohlestrom im Überfluss gibt. Bitcoin bedrohe die globale Energiewende, heißt es deshalb von Kritikern. Der hohe Stromverbrauch sei die Achillesferse der Bitcoin-Industrie. Doch jetzt widerspricht eine Wissenschaftlerin aus den USA. Katrina Kelly-Pitou forscht an der Universität Pittsburgh zu Energiewirtschaft und Energiewende und sagt: Die Debatte um Bitcoin wird vereinfacht geführt.

Beim Bitcoin-Mining geht der Trend zu erneuerbaren Energien

Katrina Kelly-Pitou weist darauf hin, dass auch die traditionellen Zahlsysteme der Banken 100 TWh Strom im Jahr verbrauchen. Und entscheidend sei nicht der absolute Stromverbrauch der Bitcoin-Industrie, sondern vielmehr, wie der Strom erzeugt werde, sagt sie. Natürlich sei es schlecht fürs Klima, wenn chinesischer Kohlestrom zum Einsatz komme.

Der Standort ist entscheidend

Doch die Entwicklung beim Bitcoin-Mining geht hin zu erneuerbaren Energien. Eine Serverfarm in China ist also nicht das Gleiche wie eine im amerikanischen Nordwesten, wo es Wasserkraft im Überfluss gibt. In Europa wird Island als Standort für Miner immer attraktiver, ein Land, das sich zu fast 100 Prozent aus erneuerbaren Energien wie der Geothermie versorgt. (Wobei es auch dort Befürchtungen gibt, der verfügbare Strom könne nicht ausreichen.) Trotzdem: Statt nur den hohen Stromverbrauch zu kritisieren, muss man sich den CO2-Abdruck anschauen, fordert Kelly-Pitou.

Es gibt neue Ansätze

Die Ära des billigen chinesischen Kohlestroms für das Bitcoin-Mining ist ohnehin bald vorbei. Eben wegen des hohen Energieverbrauchs will China gegen die dort ansässigen Miner vorgehen. Und es gibt inzwischen Ansätze, die auf umweltfreundliches Mining abzielen. Der deutsche Miningpool-Betreiber Northern Bitcoin beispielsweise lässt Rechner in Containern nach Norwegen transportieren und betreibt sie dort unterirdisch in einem ehemaligen Bergwerk. Der Strom stammt aus lokaler Wasserkraft, und Northern Bitcoin verwendet nur den Strom, den die lokalen Netze nicht ins Ausland durchleiten können. Die nötige Kühlung erledigt der vorbeifließende Fjord, wodurch zusätzlich der Energiebedarf sinkt. Und in Deutschland will das Start-up ScutiX künftig Solar- und Windparks mit hochverfügbarer Stromproduktion, Speichern und angeschlossenen Rechenzentren bauen, um saubere Rechenleistung für die Blockchain zu verkaufen – der Technologie, die dem Mining zugrunde liegt.

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Quellen / Weiterlesen:
Warum der Bitcoin-Boom die globale Energiewende bedroht | Spiegel Online
Forscherin: Energieverbrauch des Bitcoin ist kein Grund zur Sorge | heise online
Bitcoins Energieverbrauch wirklich so schrecklich? Wissenschaftlerin widerspricht | Coin Kurier
Stop worrying about how much energy bitcoin uses | The Conversation
Bildquelle: Pixabay

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Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

1 KOMMENTAR

  1. Da kann man ja wieder nur den Kopf schütteln. Bitcoinminen werden mit einem Fjord gekühlt??
    Was produziert denn so eine Bitcoinfarm im berfluss? WÄRMEENERGIE
    Die sollte man doch in kalten Ländern nutzen können! Aber nein, da wird dann Wärmeenergie in der einen Ecke des Landes produziert und und in der anderen Ecke wird mit einem Fjord gekühlt.

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