Der Wunsch nach Energieeffizienz beflügelt den Markt für Smart Home Anwendungen – zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Studie von GMI Research. Das Marktforschungsunternehmen schätzt, dass dieser Markt bis 2025 weltweit ein Volumen von knapp 126 Milliarden US-Dollar erreichen wird. Am beliebtesten sind intelligente Lichtsteuerungen. Können die Geräte ihr Versprechen von mehr Energieeffizienz halten?

Eine smarte Beleuchtung verbraucht auch Strom, wenn das Licht aus ist

Konsumenten wollen ihre Stromkosten senken, indem sie intelligente Haushaltsgeräte nutzen, heißt es in der Studie. Demnach hatte Smart Lighting im Jahr 2016 den größten Marktanteil bei den Smart Home-Anwendungen. Diese Steuerungen sollen den Stromverbrauch senken, indem ihre Sensoren die Helligkeit von Lampen automatisch an die Umgebung anpassen.

Doch können sie das auch? Treehugger ist dieser Frage nachgegangen. Eine LED-Leuchte verbraucht sehr wenig Energie, vielleicht 7 Watt. Sobald sie allerdings smart ist, ist sie ständig mit ihrer Steuerung verbunden und verbraucht dabei Strom. Jemand hat den Verbrauch der Leuchte „Hue“ von Philips gemessen: Ist sie an, verbraucht sie 8,5 Wattstunden. Doch auch im ausgeschalteten Zustand verbraucht sie 0,4 Watt bzw. 9,6 Wattstunden während eines Tages. Das ist nicht viel und kostet im Jahr etwa einen Euro mehr. Rechnet man das auf viele Leuchten in einem Haushalt hoch, und kommen dann noch allerhand andere smarte, vernetzte Geräte dazu, dann kann dieser zusätzliche Verbrauch schon ins Gewicht fallen. Hinzu kommt, dass die smarten Leuchten deutlich mehr als normale LEDs kosten (ein Philips Hue Starter Set mit zwei Lampen kostet etwa 75 Euro).

Was ist ein „Smart Home“?

Eine andere Neuerung für ein energieeffizientes Zuhause sind intelligente Thermostate. Wobei man sich schon grundsätzlich fragen muss, ob der Begriff „Smart Home“ nicht eher für ein Haus stehen sollte, das so gebaut und isoliert wird, dass es auch ohne irgendwelche Gadgets energieeffizient ist. Treehugger argumentierte schon vor vier Jahren, dass ein gut isoliertes Passivhaus mit hochwertigen, gut platzierten Fenstern kaum geheizt oder gekühlt werden muss. Ein intelligentes Thermostat wird sich in einem solchen Haus dumm und dämlich langweilen. In alten Häusern kann es schon anders aussehen: Dort kann eine intelligente Heizungssteuerung sehr viel Sinn machen und die Energieeffizienz auf jeden Fall steigern.

Dennoch stellt sich die Frage, ob Konsumenten von Produkten für das Smart Home wirklich der Wunsch nach mehr Energieeffizienz antreibt. Bis auf smarte Thermostate sparen die meisten Smart Home-Geräte keine Energie, sondern verschwenden sie. Die GMI Research-Untersuchung begründet das Marktwachstum auch mit den Wunsch nach mehr Sicherheit und der zunehmenden Nutzung von Smartphones und Tablets in Verbindung mit Smart Home-Lösungen. Letzen Endes ist der Hauptgrund wohl eher der Wunsch nach mehr Komfort und Bequemlichkeit. Treehugger kommt zu Recht zu dem Fazit, dass es nicht nur für unseren Stromverbrauch, sondern auch für unsere Fitness besser wäre, einfach aufzustehen und das Licht (oder das Radio, die Tür, …) selbst anzuschalten und zu öffnen statt das Siri oder Alexa erledigen zu lassen.

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Quelle / Weiterlesen:
Smart Home technology won’t save energy; it wastes it. | treehugger
Bildquelle: Wikipedia – Von Jochen TeufelEigenes Werk, CC BY-SA 3.0


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1 KOMMENTAR

  1. Ein (überraschend) guter Beitrag.
    Gerade „smarte“ Lichtsteuerungen (womöglich per Bewegungsmelder) machen zu Zeiten von LED-Leuchtmitteln in aller Regel überhaupt keinen Sinn mehr. Und bei „Energiesparlampen“ führ(t)en schon die ständigen Schaltvorgänge selbst zu einem erhöhten Energieverbrauch.

    Allerdings greift der Artikel ein wenig zu kurz, denn es wird z.B. ignoriert, dass für die Vernetzung der „smarten“ Geräte ein Router im Dauerbetrieb genutzt werden muss – obendrein in der Regel mit aktivem WLAN. Selbst wenn man da mal lediglich von einer mittleren Leistungsaufnahme von 10 W ausgeht, sind das pro Tag 240 Wh und pro Jahr 87,6 kWh.
    Hochgerechnet auf die rund 41 Mio. Haushalte in Deutschland ergäbe das einen Gesamtverbrauch von 3,6 TWh.
    Und da ist der Stromverbrauch all der „smarten“ Geräte, die eigentlich gesteuert werden sollen, ja noch gar nicht enthalten.

    Wie der Artikel korrekt beschreibt, macht auch die „Nachtabsenkung“ einer Heizung bei modernen Gebäuden aus energetischer Sicht keinen Sinn. Allerdings bringt sie auch für das Raumklima wenig, da eine relevante Temperaturänderung in der Praxis kaum noch erreicht werden kann. Sobald die Bewohner dem entgegenwirken, indem sie die Zimmertemperatur z.B. durch Lüften oder gar durch eine Klimaanlage über Nacht künstlich zusätzlich absenken, ist der Sinn der heutzutage propagierten Extremstdämmung sowieso dahin.
    Aber auch in einem Altbau ist eine „Nachtabsenkung“ zumindest höchst fraglich. Denn die Energie, die man vermeintlich dabei einspart, muss anschließend (am Morgen) aufgebracht werden, um die abgekühlte Raumluft und insbesondere die vorhandenen Massen (Wände, Decken und Einrichtungsgegenstände) wieder zu erwärmen.
    Besonders dramatisch wird die Situation aber, wenn man durch die „Nachtabsenkung“ den Taupunkt unterschreitet, so dass die Luftfeuchtigkeit kondensiert und – insbesondere auch innerhalb der Wände – zu Schwitzwasser führt, was nicht nur die Dämmwirkung drastisch reduziert, sondern obendrein auch noch die Bildung von Schimmel (oder gar vom Hausschwamm) provoziert. Die anschließende Sanierung frisst dann die vermeintlich eingesparten Heizkosten locker auf…

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