Die Bundesregierung hat im Dezember 2019 eine neue Energieeffizienzstrategie beschlossen, um die deutschen CO2-Emissionen zu senken. Die Strategie sieht vor, dass der Energieverbrauch bis 2050 um die Hälfte sinken soll. Der WWF kritisierte die Pläne als nicht ausreichend.

Die Energieeffizienz-Strategie 2050

Nachdem die Bundesregierung ihr eigenes Klimaschutzziel für 2020 verfehlt und auch die Ziele ab 2030 wackeln, soll nun die neue „Energieeffizienz-Strategie 2050“ helfen, Treibhausgase nachhaltig zu reduzieren. Denn: Energieeffizienz trägt wesentlich dazu bei, die Energiewende zu schaffen. Je weniger Energie wir verbrauchen, desto weniger Emissionen fallen an. Auch die Energiepreise und die Abhängigkeit von Energieimporten sinken, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Wirtschaft steigt.

Deshalb setzt die Bundesregierung darauf, von vornherein so wenig wie möglich Energie zu verbrauchen. Bis 2050 soll der deutsche Primärenergieverbrauch im Vergleich zu 2008 (knapp 14.380 Petajoule (PJ)) um 50 Prozent sinken. Das Zwischenziel bis 2030 liegt bei 30 Prozent.

Diese Ziele will die Bundesregierung auf drei Wegen erreichen:

  1. Festlegung eines Energieeffizienzziels 2030 – zunächst die Senkung des Energieverbrauchs um 30 Prozent
  2. Die Bündelung der dazu notwendigen Maßnahmen der Bundesregierung in einem neuen Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE 2.0)
  3. Die „Roadmap Energieeffizienz 2050“: Die Bundesregierung will mit Verbänden der Wirtschaft und Zivilgesellschaft, den Bundesländern und Vertretern der Wissenschaft sektorübergreifende Pfade zur Erreichung des Reduktionsziels für 2050 diskutieren und Vorschläge für deren Umsetzung erarbeiten

Kritik an den Plänen für mehr Energieeffizienz

Die Reaktionen auf die neue Strategie waren jedoch verhalten bis negativ. Michael Schäfer, Leiter Klimaschutz und Energiepolitik des WWF Deutschland, kritisierte, dass die Zielsetzungen nicht ausreichten: „Um die Erderhitzung auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen, sind Erhöhungen der nationalen Klimaschutzbeiträge dringend nötig. Trotzdem verzagt die Bundesregierung auch bei der so wichtigen Effizienz. Das Ziel für die Reduktion des Primärenergieverbrauchs bis 2030 wurde zwar im Vergleich zum Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums von 28% auf 30% (gegenüber 2008) nach oben korrigiert. Für ambitionierten Klimaschutz reicht das jedoch bei Weiten nicht aus“, so Schäfer.

Mit dem jetzt festgelegten Effizienzziel werde ein Großteil der Energieeinsparungen auf die Zeit nach 2030 vertagt. Das Erreichen der Klimaziele rücke so in weite Ferne, kritisiert Schäfer. Besonders problematisch sei dabei, dass das Effizienzziel aus den Ausbauzielen für Erneuerbare Energien abgeleitet sei. Stagniere dieser Ausbau, werde das Erreichen der Klimaziele unmöglich. Er wies auch darauf hin, dass durch die geplante Elektrifizierung von Verkehr, Industrie und Wärme die Stromnachfrage steige und sich das Problem dadurch noch verschärfe.

Der WWF fordert: Die Bundesregierung muss ein ambitioniertes und verbindliches Effizienzziel für 2030 bei mindestens 38% festlegen und dieses mit konkreten Maßnahmen unterlegen. Nur das schaffe Planungssicherheit und erziele eine Lenkungswirkung.

Der Primärenergieverbrauch in Deutschland ist leicht rückläufig

Immerhin geht nach Angaben des Umweltbundesamtes der Primärenergieverbrauch in Deutschland seit 2008 leicht zurück. Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hat für das vergangene Jahr 2019 einen Rückgang von 2,3 Prozent ermittelt. Dazu trugen Verbesserungen bei der Energieeffizienz und Substitutionen im Energiemix bei, aber auch ein gesunkener Energieverbrauch, weil die Konjunktur abflaute.

Quellen / Weiterlesen

Energieeffizienzstrategie 2050 | BMWi
Primärenergieverbrauch | AG Energiebilanzen e.V.
Immer noch nicht Efficiency first | WWF
Energieverbrauch soll bis 2050 um 50 Prozent sinken | Erneuerbare Energien
Bildquelle: flickrNorbert Fischbach
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

1 KOMMENTAR

  1. Solche „Umweltschutzpläne“ bringen nur weiteren Fragen, keinesfalls die Lösungen. Z.B. mit welcher Zauberei kann man die gesamte Energieverbrauch in Deutschland um 30% reduzieren? Dann, wie soll der Rest von 70% aussehen – eine Mischung aus „schmutzige“ und „saubere“ Energie? Und das alles bei nachhaltigem Wirtschaftswachstum, Bevölkerungswachstum, bei 1,9 Millionen fehlenden Wohnungen die dringend gebaut werden sollen, wofür braucht man unzähligen Tonnen Zement und Stahl, Transport, dann weiter, Wohnungsausstattung, Möbel, Kühen, Bäder, etc. etc. Wollen wir weiter trommeln „wir sind sauber“ und gleichzeitig der Strom aus anderen Ländern importieren, die mit Kohle, Öl und Gas produziert wird? Dank „CO2 Steuer“ die Kosten werden weiter steigen das aber bringt keine Lösungen da es damit keine Lösung gibt. Das hat nur ein Ziel – die Staatskasse weiter zu befüllen. Mit welchem Zweck? Die einzelne wahre Lösung ist nur 100% SAUBERE ENERGIE FÜR ALLE, CO2 und Schadstoff frei! Alles anderes ist nur Betrug. Aber Vorsicht! WIR KÖNNEN UNS GEGENSEITIG BETRUGEN UND LÜGEN ABER NICHT DIE NATUR. Bald werden wir diese Rechnung bezahlen müssen, und zwar wie!

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