Grün oder blau? Während sich die Bundesregierung noch nicht sicher ist, wie ihre Wasserstoffstrategie genau aussehen soll, liefert eine neue Studie von Greenpeace Energy eine eindeutige Antwort. Nur grüner Wasserstoff ist klimafreundlich und gleichzeitig kostengünstig, blauer Wasserstoff dagegen sei ein Irrweg, warnen die Autoren.

Blauer Wasserstoff als Übergangslösung?

Bis 2030 strebt die Bundesregierung für die Wasserstoff-Elektrolyse eigene Kapazitäten von fünf Gigawatt an. Daraus lassen sich 15 bis 20 Terawattstunden (TWh) grüner Wasserstoff pro Jahr herstellen. Den eigentlichen Bedarf schätzt die Bundesregierung allerdings auf 90 bis 110 TWh. Die Frage ist, wie die Lücke von mindestens 70 TWh geschlossen werden kann.

Im Gespräch sind Importe von grünem Wasserstoff, aber auch die (übergangsweise) Nutzung von sogenanntem blauen Wasserstoff. Das ist Wasserstoff, der aus Erdgas hergestellt wird, wobei das entstehende CO2 abgeschieden und unterirdisch gespeichert wird. Das umstrittene Verfahren heißt CCS (Carbon Capture and Storage) und soll den Wasserstoff klimaneutral machen. Doch diese Variante schneidet in der Analyse von Greenpeace Energy am schlechtesten ab.

Bestnoten für grünen Wasserstoff

Beim direkten Vergleich möglicher Vorgehensweisen ist die beste Variante grüner Wasserstoff und ein schneller Ausbau der Erneuerbaren. Laut Studie sinken dann die Kosten für grünen Wasserstoff von 44,50 Euro/Megawattstunde im Jahr 2025 auf 7,20 Euro/Megawattstunde im Jahr 2040. Dabei ist die Wasserstoff-Herstellung umso wirtschaftlicher, je höher der Anteil erneuerbarer Energien im Strommix ist. Blauer Wasserstoff dagegen wäre schon 2025 um ein Drittel und bis 2040 sogar elfmal teurer als grüner Wasserstoff.

kosten-wasserstoffUnd auch bei den CO2-Emissionen schneidet grüner Wasserstoff wenig überraschend weit besser ab. Im idealen Ausbauszenario, in dem der Stromsektor schon 2035 dekarbonisiert ist, liegt auch der CO2-Ausstoß von grünem Wasserstoff bei null. Bei einem langsameren Ausbau, so wie er sich aktuell abzeichnet, verbleiben dagegen teils erhebliche Emissionen. Trotzdem ist blauer Wasserstoff in allen Szenarien die schlechtere Wahl: Im Jahr 2040 würde er selbst im besten Fall noch mindestens 60 Gramm CO2 pro Kilowattstunde verursachen, wahrscheinlich sogar mehr als 200 Gramm. Und: Er kostet deutlich mehr.

„Unsere Analysen zeigen, dass blauer Wasserstoff ein Irrweg wäre, auf dem Deutschland seine Klimaziele klar verfehlen würde“, sagt Studienautor Steffen Bukold. Außerdem hat blauer Wasserstoff noch eine andere große Schwachstelle: Bis 2030 stehen für deutsche Produzenten praktisch keine Speicherkapazitäten für das abgefangene CO2 zur Verfügung, so Bukold. „Das heißt: Diese Emissionen gelangen letztlich direkt in die Atmosphäre.“

Studie warnt vor falschen Anreizen

Die Autoren sehen die Gefahr, dass die Bundesregierung im neuen EEG 2021 und bei der Umsetzung ihrer Nationalen Wasserstoffstrategie falsche Anreize für den Markthochlauf setzt. „Dann hilft Wasserstoff aber weder beim Klimaschutz noch volkswirtschaftlich, sondern schadet Deutschland doppelt, wie die Studie zeigt. Sinnvoll ist nur ein Ausbaupfad für Grünen Wasserstoff“, sagt Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy.

Fazit der Studie: Die Bundesregierung muss jetzt klare Prioritäten setzen. „Grüner Wasserstoff ist die in jeder Hinsicht überlegene Lösung“, sagt Keiffenheim. Jeder Euro für die Scheinlösung Blauer Wasserstoff sei eine Investition in die falsche Technologie. Keiffenheim betont auch, die Bundesregierung dürfe die Nachfrage nach Wasserstoff nicht künstlich anheizen, solange noch keine ausreichenden Mengen an grünem Wasserstoff zur Verfügung stünden.

Zunächst empfiehlt er den Einsatz von Wasserstoff etwa im öffentlichen Nahverkehr und anderen „dezentralen Projekten mit hohem CO2-Minderungsfaktor“. Von einem Einsatz in Raffinerien zur Produktion fossiler Treibstoffe rät er entschieden ab: „Wir sollten den knappen erneuerbaren Wasserstoff nicht dafür verschwenden, eine extrem klimaschädliche Technologie für ihre Restlaufzeit noch ein wenig aufzuhübschen.“

Quellen / Weiterlesen

Nur Grüner Wasserstoff ist Klimafreundlich und Kostengünstig | Greenpeace Energy
Eine kleine Wasserstoff-Farbenlehre | Bundesministerium für Bildung und Forschung
Studie: Grüner Wasserstoff am günstigsten | Solarserver
Studie: Grüner Wasserstoff ist blauem bei Kosten und Klimaschutz überlegen | pv magazine
Bildquelle: © pixino
Andreas Huke
Andreas Huke ist Geschäftsführer der BOREAS Strom GmbH, einem Unternehmen der BOREAS Gruppe. Dieses ist seit 30 Jahre im Bereich Erneuerbare Energien tätig, insbesondere bei der Projektierung und dem Betrieb von Windparks und Solaranlagen. Andreas hat Maschinenbau an den Universität Leipzig und der TU Chemnitz studiert und war mehr als 7 Jahre Geschäftsführer der Burgenland Energie GmbH und der Zeitzer Stadtwerke. Insbesondere beschäftigen ihn der Kohleausstieg in Mitteldeutschland und das Thema Grüner Wasserstoff. Für den heiß diskutierten Kohleausstieg in Mitteldeutschland gibt es erste konkrete Projekte. Im Burgenland Kreis soll eine Anlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff aus regionalen grünen Rohstoffen errichtet werden. Andreas Huke, Geschäftsführer der BOREAS Strom GmbH, die das Projekt koordiniert, plant, mit den dort ansässigen Firmen eine Referenzanlage zu errichten. Diese soll dann in die Unternehmen, die jetzt noch die Braunkohleförderung durchführen, hineingetragen und dort breit weiterentwickelt werden. Hierdurch soll wenigstens für einen Teil der wegfallenden Arbeitsplätze eine zukunftssichere Alternative geschaffen werden.

3 KOMMENTARE

  1. Hier wird von grünem und blauem Wasserstoff geschrieben, ohne die Unterschiede zu genauer zu benennen. Das Ganze sieht nach Stimmungsmache aus und entbehrt jeder wissenschaftlicher Grundlage. Mit dieser Berichterstattung wird dem Wunsch nach sinnvoller Wasserstofftechnologie der Boden entzogen. Denn viele bezeichnen den Elaktrolyse-H2 als grün und andere als blau. Für mich ist er grau! Mindestens so lange bleibt er grau, bis sich eine eindeutige Sprach-und Schreibregelung durchsetzen kann. Auch wenn ich nun schon mehr über das Thema weiß, bin ich enttäuscht, dass dem Bürger nur einen missverständlichen Text zumutet.

  2. Die Idee PV+Wasser = H2 + O2 ist schon alt.
    Wäre der Idealfall, wenn Wasserstoff nicht so problematisch wäre:
    -Diffundiert durch alles, sogar durch Stahl und versprödet ihn dabei.
    -hochexplosiv
    -muss stark verdichtet werden, um ihn mobil zu nutzen. Die dazu nötigen Komressoren verschlechtern
    den Gesmtwirkungsgrad drastisch.
    Dabe ist es egal ob der Wasserstoff grün oder blau ist. Blauer Wasserstoff aus Methan ist für mich blanker Unsinn. Wenn Methan schon da ist, soll man das doch bitte direkt für die Autos nutzen, die Technik ist großserienreif und mindestens 50 Jahre erprobt, ersetzt Benzin tadellos und verringert den CO2 Ausstoß um mehr als die Hälfte. Methan hat nur ein C-Atom und vier H-Atome, besser gehts nicht.

    Eine andere Sache wäre CO2 aus der Luft plus PV plus Wasser = synthetisches Ethanol, unproblematisch, ungiftig und für mobile und stationäre Zwecke geeignet. Das ginge aber nur in Arabien oder Nordafrika mit riesigen PV-Parks.

    Aber das ist alles schon 40 Jahre im Gespräch und niemand macht was, solange Öl aus dem Boden sprudelt.
    Gääähn.

  3. Wasserstoff ist nur für die (Stahl-) Industrie sinnvoll als Ersatz für Koks.

    Bei Antrieben ist er völlig unsinnig, da man damit die dreifache Energiemenge braucht wie mit BEVs (Battery Electric Vehicles). Das gilt neben Pkws auch für Busse, Lkws, Schiffe und auch Züge.

    Die großen Monopolisten wollen es bloß halt nicht sehen, dass der Bürger eigenen Strom zapft.

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